Chronik

Mehr Salzburger Handysünder als Alkolenker erwischt

Das Handyverbot beim Autofahren lässt viele Salzburger kalt. Im Bundesland erwischte die Polizei im Vorjahr drei Mal so viele Handysünder wie alkoholisierte Lenker.

Das Handy am Ohr anstatt beide Hände am Lenkrad. Im Vorjahr wurden in Salzburg mehr als 5600 Lenker beim Telefonieren am Steuer ohne Freisprecheinrichtung erwischt - im Schnitt verstoßen also 15 Lenker pro Tag gegen das Handyverbot.

Die Zahl der Handysünder sei im Bundesland damit rund drei Mal so hoch gewesen wie jene der Alkolenker, teilte der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) am Freitag mit. Wer während des Autofahrens mit dem Handy telefoniere, reagiere genauso schlecht wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille. Der VCÖ fordert schärfere Kontrollen und höhere Strafen. Zudem müsse das Telefonieren am Steuer als Delikt ins Vormerksystem aufgenommen werden. Das sei bereits in zwölf EU-Staaten der Fall.

"Handy am Steuer sehen viele als Kavaliersdelikt"

Telefonieren am Steuer ohne Freisprecheinrichtung gelte bei vielen Autofahrern nach wie vor als Kavaliersdelikt, sagt Friedrich Schmidhuber, der Leiter der Landesverkehrsabteilung. "Betrunken Auto fahren wird mittlerweile geächtet, aber rasen und mit dem Handy telefonieren nicht." Während sich Frauen seltener als Männer alkoholisiert hinters Steuer setzten würden sie in etwa gleich oft beim Telefonieren am Steuer ertappt.

Zwar seien fast alle Neuwagen mit einer Freisprechanlage ausgestattet, sie werde aber oft nicht verwendet. Eine häufige Ausrede der Lenker sei, sie hätten vergessen das Handy über Bluetooth mit der Anlage zu koppeln. Die Gefahr des Telefonierens am Steuer werde unterschätzt.

Wie tragisch die Auswirkungen sein können, zeigt der Blick auf die Statistik: 30,3 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle wurden 2016 durch unachtsame oder abgelenkte Autofahrer verursacht. Zwar lasse sich der Grund für die Ablenkung im Nachhinein nicht immer feststellen, das Handy gelte aber als eine der Hauptursachen, sagt Schmidhuber. Alkohol war bei 3,2 Prozent der tödlichen Unfälle mit im Spiel.

Laut dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) wurden im Vorjahr 5600 Vergehen gegen das Handy-Verbot am Steuer geahndet. Zum Vergleich: die Exekutive erwischte 1700 Alkosünder. Hoch war auch die Zahl der Gurtenmuffel: 5900 Übertretungen wurden gezählt. Österreichweit war jeder dritte tödlich verunglückte Pkw-Insasse nicht angegurtet.

Junge machen beim Fahren sogar Selfies

Gang und gäbe ist das Handy bei jungen Lenkern. "Derzeit wächst eine Generation von Autofahrern heran, die mit Smartphones aufgewachsen ist", sagt Aloisia Gurtner vom ÖAMTC. "Das Handy ist immer dabei." Thema sei für junge Leute weniger das Telefonieren im Auto, sondern das Tippen von SMS oder Whatsapp-Nachrichten.

Seit drei Jahren ist Verkehrspädagogin Martina Otter vom ÖAMTC mit einem Reaktionssimulator und einer "Rauschbrille" in Schulen unterwegs, um den 16- bis 19-Jährigen die Gefahr von Alkohol oder Handy am Steuer vor Augen zu führen. Rund 3000 Schüler nehmen jedes Jahr an dem Programm "ReAction" teil.

70 bis 80 Prozent würden eingestehen, dass sie das Handy während des Fahrens benützten, sagt Otter. "Einige erzählen auch, dass sie Selfies machen, zum Beispiel auf dem Weg zu Konzerten." Ein Mopedlenker habe sich sogar eine Halterung gebastelt, um das Handy unter dem Helm zu fixieren. Das Argument vieler Jugendlicher laute, sie würden das Handy nur auf Strecken verwenden, die sie gut kennen. Zudem seien sie überzeugt, dass sie Lenken und Tippen gleichzeitig beherrschten.

50 Euro Strafe sind im Vergleich billig

50 Euro bezahlen Autofahrer, wenn die Polizei sie beim Telefonieren mit dem Handy erwischt. Seit heuer kann auch ohne Anhaltung ein Strafmandat ins Haus flattern. Als Grundlage dienen etwa Bilder aus der Radarüberwachung, der Section control, der Abstandsmessung oder der Rotlichtüberwachung. Am teuersten sind die Strafen für Handysünder in den Niederlanden (230 Euro) sowie in Dänemark und Spanien (je 200 Euro). Auch Italien ist mit Strafen ab 160 Euro streng. Wird man hier nachts zwischen 22 und 7 Uhr telefonierend hinterm Lenkrad erwischt, fällt die Strafe sogar um ein Drittel höher aus als tagsüber. In Polen und Deutschland hingegen sind 50 Euro Minimum bzw. pauschal 40 Euro fällig. Am niedrigsten ist die Strafe in Bosnien-Herzegowina mit mindestens 10 Euro, gefolgt von Lettland mit einem Pauschalbetrag von 15 Euro sowie Bulgarien, Malta, Serbien und der Türkei mit einer Mindeststrafe von 25 Euro.

Aufgerufen am 15.08.2018 um 01:49 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/mehr-salzburger-handysuender-als-alkolenker-erwischt-13257832

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