Chronik

Mehrere Drogendealer überfallen: Bande vor Gericht

Fünf junge Pinzgauer sollen in unterschiedlicher Zusammensetzung und Tatbeteiligung gleich drei Überfälle auf mutmaßliche Drogendealer verübt haben. Der 20-jährige Rädelsführer setzte dabei einem Marokkaner eine Schreckschusspistole an.

Mehrere Drogendealer überfallen: Bande vor Gericht SN/dpa
Symbolbild.

In Salzburg haben sich am Donnerstag fünf junge Männer aus dem Pinzgau vor Gericht verantworten müssen. Die Burschen im Alter von 18 bis 20 Jahren sollen in unterschiedlicher Konstellation unter Federführung des Hauptangeklagten an zwei versuchten und einem vollendeten Raub im Suchtgift-Milieu beteiligt gewesen sein. Dabei kam mehrfach auch eine Schreckschusspistole zum Einsatz.

Von der Gruppe ist einzig der Rädelsführer vorbestraft, er sitzt seit seiner Festnahme Anfang Februar 2016 in U-Haft. Der 20-Jährige soll schon als Jugendlicher Cannabis und kleine Mengen Speed, XTC oder Kokain konsumiert haben, ab 2014 Drogen auch immer wieder gratis oder gegen Entgelt an Freunde und Abnehmer abgegeben haben. "Ich habe geglaubt, dass ich das Zeug zum Abschalten brauche. Dazu, um meine Probleme zu vergessen", sagte er heute.

Erstangeklagter soll selbst häufig Suchtgift weitergegeben haben

Es stammt aus schwierigen Familienverhältnissen und geriet früh in eine Spirale aus Gewalttaten. Seine Schlosserlehre hat er nicht vollendet, zuletzt war er als Hausmeister in einer Skihütte tätig. Weil er im Sommer 2015 etwas zum Rauchen "aufstellen" wollte, aber knapp bei Kasse war, fuhr er mit einem Mitangeklagten nach Innsbruck um Drogen zu rauben. Das Duo gab vor, ein Kilo Cannabis kaufen zu wollen. Als sich ein Dealer aus Marokko bereit erklärte, 300 Gramm zu verkaufen, setzte der 20-Jährige dem Mann bei der Übergabe eine Schreckschusspistole an den Kopf. Weil sich der Marokkaner nicht von der Waffe beeindrucken ließ, kam es zu einer kurzen Rangelei. Der Dealer warf die Drogen in ein Gebüsch, die Pinzgauer flohen ohne Beute.

Ende Jänner 2016 war der 20-Jährige dann mit einem zweiten Mitangeklagten erfolgreicher. Sie raubten einem Dealer in Salzburg 100 Gramm Cannabis und versetzten dem Mann Faustschläge ins Gesicht. Nicht erinnern konnte er sich heute hingegen an einen Vorfall vom Mai 2015. Nach einer Lokaltour soll er mit drei anderen Burschen an der Wohnungstüre eines vermeintlichen Dealers geläutet haben. Man war sich einig: "Der hat sicher etwas daheim". Außerdem stand der Mann im Ruf, eine Indoor-Plantage zu betreiben. Damit er öffnet, täuschte die Gruppe eine Hausdurchsuchung vor. Zwei der Jugendlichen trugen dabei eine Bundesheer-Uniform, einer eine Sturmhaube, und wieder war eine Schreckschusspistole dabei. Das potenzielle Opfer rief allerdings sofort die Polizei. Drogen wurden bei ihm nicht gefunden.

Einer der Verteidiger sprach von "fataler Dummheit"

Bis auf einen der Burschen, der damals als Fahrer fungierte und von der Tat erst nach dem missglückten Überfall im Auto erfahren haben will, zeigten sich alle Angeklagten voll geständig. Einer der Verteidiger sprach von Dummheiten in einem problematischen Alter. "Mein Mandant hat sich die falschen Freunde gesucht. Aber vielleicht war auch er selbst der falsche Freund für die anderen."

Die - allesamt noch nicht rechtskräftigen - Urteile ergingen am späten Nachmittag: Der 20-jährige Rädelsführer erhielt viereinhalb Jahre Gefängnis, die übrigen Angeklagten teilbedingte Haftstrafen zwischen 30 Monaten teilbedingt und 42 Monaten teilbedingt.

Quelle: APA

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