Chronik

Mit 95 noch einmal auf der Tappenkarhütte

Barbara Breitfuß ist Jahrgang 1919. Bis vor zehn Jahren ist sie noch mit den Ski vom Untersberg gefahren. Am Sonntag gab es eine Überraschung.

Bergsteiger und Wanderer auf dem Untersberg kennen diese Barbara. Gibt es dort auch ein "Barbara-Platzl", benannt nach der fast schon 96-jährigen Barbara Breitfuß, die trotz ihres hohen Alters noch rüstiger erscheint als viele andere, die Jahrzehnte jünger sind.

"Meine Eltern haben in den 1940er-Jahren die Tappenkarhütte betrieben", erzählte die Salzburgerin. 1943 habe sie mit ihrer damals erst ein halbes Jahr alten Schwester auf die Hütte müssen. "Vom Kochen habe ich damals keine Ahnung gehabt, es war auch Krieg und man hat ja nichts bekommen. 40 Paar Würstel habe ich einmal raufgetragen und, weil es keinen Kühlschrank gegeben hat, in einem Erdloch aufbewahrt. Aber es sind doch viele Stammgäste gekommen und wir haben schöne Erlebnisse gehabt", erinnerte sich Barbara Breitfuß.

Die Tappenkarhütte war damals direkt am See errichtet. 1947 war sie dann erstmals auch im Winter geöffnet. "Ich bin am

23. Dezember bei sehr viel Neuschnee raufgegangen und habe schon von Weitem gesehen, dass das Haus schief steht. Eine Lawine hat die Hütte erwischt. Meine Mutter ist dabei ums Leben gekommen", sagte die 95-Jährige.

Barbara Breitfuß wollte danach nie mehr auf eine Alm- oder Berghütte, wie sie sagt. Aber es kam anders. Ihr früherer Mann betrieb später eine Hütte auf der Gaisbergspitze. Erst als ihre kleine Schwester in die Schule kam, blieb Barbara in der Stadt. Doch die Berge hatten es ihr allemal angetan, besonders der Untersberg. "So mit 14 oder 15 Jahren sind wir schon frei und ungesichert über den Ostgrat auf den Gipfel gegangen, nie über den Doppler- oder Reitsteig", sagte sie. Vor zehn Jahren, also im Alter von 85 Jahren, ist sie das letzte Mal mit den Ski vom Untersberg gefahren. Mit den neuen, kurzen Carvingski stürzte sie damals und wurde ins Spital geflogen. "Es hat sich nur die Schulter ein wenig ausgekegelt, aber gebrochen war nichts. Da haben sogar die Ärzte gestaunt", erzählte Barbara.

Zu ihrem 95. Geburtstag ließ sich ihre Tochter nun ein besonderes Geschenk einfallen. "Wir fliegen mit dem Hubschrauber zur Tappenkarhütte." Gesagt, getan: Am Sonntag war es so weit. Barbara Breitfuß genoss den Flug über Königsee, Watzmann und Hochkönig, ehe der Hubschrauber bei der Hütte in 1815 Meter Höhe landete. "Ja, da hat sich viel verändert", stellte die rüstige Salzburgerin fest, nachdem sie von der Familie Höller herzlich willkommen geheißen worden war. Die zahlreichen Gäste staunten und viele sagten bewundernd: "Also diese Barbara ist wirklich eine tolle Frau."

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