Chronik

Mit Baseballschläger auf Gegner eingeschlagen: Prozess wegen Mordversuchs in Salzburg

20-Jähriger soll 30 Mal vorwiegend auf Kopf des Freundes seiner Schwester eingeschlagen haben. Die Tat war offenbar ein Racheakt aus gekränkter Ehre.

 SN/sn

Ein 20-Jähriger ist am Dienstag wegen versuchten Mordes vor einem Schwurgericht in Salzburg gestanden. Der Salzburger soll laut Anklage am 16. August 2017 in Saalfeden rund 30 Mal mit einem Baseballschläger auf einen 26-jährigen Kontrahenten eingeschlagen haben. Der Beschuldigte gestand eine schwere Körperverletzung ein, bestritt aber eine Tötungsabsicht.
Hintergrund der Tat soll ein Konflikt zwischen den beiden Männern mit türkischem Migrationshintergrund wegen der Schwester des 20-Jährigen gewesen sein. Diese soll ihrem Bruder erzählt haben, dass ihr Freund - das spätere Opfer - sie unglücklich mache. Der Angeklagte wollte offenbar die Kränkung seiner Schwester rächen. Er habe den bereits am Boden liegenden 26-Jährigen mit dem Baseballschläger aus Aluminium "mit sehr heftigen Schlägen verdroschen", erklärte Staatsanwalt Matthias Haidinger.
Ein anonymer Zeuge habe in 200 Meter Entfernung die Schläge gehört und "noch nie jemanden so erbärmlich schreien gehört", zitierte Haidinger dessen Angaben. "Wenn jemand 30 Mal vorwiegend auf den Kopf des anderen einschlägt, ist daraus sehr wahrscheinlich zu schließen, dass der andere tot sein kann." Das Opfer habe einen Augenhöhlen- und Nasenbruch, eine Gehirnerschütterung sowie Prellungen und Hautabschürfungen vor allem am Oberkörper erlitten.
Verteidiger Leopold Hirsch relativierte die Vorwürfe des Staatsanwaltes. Der 20-Jährige sei damals mit einem Freund, der wegen schwerer Körperverletzung als Beteiligter in dem Prozess mitangeklagt ist, aus dem Auto gestiegen und habe mit dem Freund seiner Schwester zehn Minuten diskutiert. "Die Aggression ging vom späteren Opfer aus." Der Mann habe seinen Mandanten zuerst attackiert, indem er ihm an den Hals gefasst habe. Daraufhin habe sich der 20-Jährige gewehrt, ihm einen wuchtigen Faustschlag gegen den Kopf versetzt und ihm vorgeworfen, er habe seine Schwester unglücklich gemacht.
In einer "Überreaktion" habe der 20-Jährige dann seinen Gegner mit dem Baseballschläger geschlagen, sagte Hirsch. "Er hatte den Vorsatz, ihm eine Abreibung zu verpassen. Die meisten Treffer sind aber nicht am Kopf gelandet, sondern am Oberkörper, Rücken und an anderen Körperstellen. Er schlug 20 Mal auf den Boden, um Druck zu machen." Die Brüche beim Verletzten seien offenbar durch den Faustschlag hervorgerufen worden, sagte der Rechtsanwalt. Laut einem Gutachten seien keine schweren Dauerfolgen entstanden. Das vom Opferanwalt beantragte Teilschmerzensgeld in Höhe von 2.000 Euro werde anerkannt.
Laut Staatsanwalt hatte der 18-jährige türkische Mitangeklagte den Baseballschläger dem Hauptbeschuldigten aus dem Auto gereicht. "Es war vorherzusehen, dass der Erstangeklagte zuschlagen wollte", gab Haidinger zu bedenken. Der Mitangeklagte zeigte sich vor dem Vorsitzenden des Schwurgerichtes, Richter Christian Ureutz, zur Übergabe des Baseballschlägers geständig. Sein Verteidigerer Manfred Seidl erklärte, der 18-Jährige habe es damals selbst mit der Angst zu tun bekommen und sei mit der Situation überfordert gewesen. Er habe nur auf die Aufforderung seines Freundes, ihm den Baseballschläger auszuhändigen, "reagiert ohne großartig nachzudenken". Dass der 26-Jährige mit dem Baseballschläger verletzt worden sei, könne man seinem Mandanten nicht vorwerfen. Der für zwei Tage anberaumte Prozess soll morgen fortgesetzt werden. Die beiden Angeklagten sind bisher unbescholten.

Quelle: SN

Aufgerufen am 17.12.2018 um 02:20 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/mit-baseballschlaeger-auf-gegner-eingeschlagen-prozess-wegen-mordversuchs-in-salzburg-25342885

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