Chronik

Mit der Drohne auf Kitz-Rettungsmission

Viele junge Rehe verenden grausam bei der Mahd. In St. Martin hat sich ein lokales Hilfsteam gefunden, das mehrere "Fahndungserfolge" verzeichnete.

Im Gasthaus, im Gespräch mit Bäuerinnen und Bauern, brachte Bad-Hochmoos-Wirt Johannes Schlechter im Vorjahr ein Problem auf den Tisch. Ein tierisch emotionales, das ihn nicht mehr losließ. "Ich habe gefragt, ob es bei uns auch ein Thema ist, dass immer wieder Rehkitze bei der Mahd getötet werden. Damit habe ich in ein Wespennest gestochen. Es will ja keiner bei der Arbeit ein Kitz umbringen - und wenn es der Fall ist, lässt einen das Bild nicht so leicht los. Zum Beispiel, wenn es dem Tier die Beine abgetrennt hat und man es von seinem Leid erlösen muss."

Bei sechs Einsätzen wurden fünf Rehkitze entdeckt

Schlechter liebt den anderen Blickwinkel. Er beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der Drohnen-Technologie, fertigt von oben mit seinem "Austro Control"-zertifizierten Gerät ungewöhnliche Aufnahmen an. "Ich habe mir das selbst beigebracht. Die Drohne ist ein sehr guter Ausgleich. Schön ist, wenn man damit Gutes tun kann." Als Aufsatz bestens geeignet: eine Wärmebildkamera. Damit wurden nun im Zusammenspiel mehrerer Beteiligter Tierleben gerettet.

Die erste Bilanz: Zwischen 4. und 24. Juni wurden sechs Felder (fünf in St. Martin, eines in Reith/Unken; gesamt ca. 17 Hektar) abgeflogen und fünf Rehkitze gefunden. Drei Einsätze gab es ohne Fund. Bei zwei Einsätzen wurden jeweils zwei Kitze geortet, bei einem Einsatz eines. Alle waren bei ihrer Entdeckung selbstständig oder mit der Geiß dahin. "Die erste Mahd hat sich heuer einige Wochen nach hinten geschoben. Die Kitze hatten schon einen Fluchtinstinkt entwickelt", sagt Schlechter, der die Landwirte mit der Drohnenaktion unentgeltlich unterstützt. "Der Lohn sind emotionale, wunderbare Momente. Man würde ja glauben, die Rehe verstecken sich nahe dem Waldrand. Eines haben wir inmitten eines drei Hektar großen Feldes gefunden."

"Teamwork ist dabei alles, was zählt"

Die Jäger Georg Leitinger und Albin Schmuck waren bei mehreren Drohneneinsätzen dabei. Das Thema lag ihnen bereits seit einigen Jahren ohne technische Unterstützung am Herzen. "Aber das Finden eines Rehkitzes beim bloßen Durchgehen eines Feldes gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen", sagt Leitinger.

Das Angebot von Schlechter machte die Runde. "Es hat mich gefreut, dass sich Bauern gemeldet haben, mit denen ich nie darüber gesprochen habe. Aber es ist ein lokales Projekt, das seine Kapazitätsgrenze hat. Die Bauern mähen oft ja auch zur selben Zeit. Man kann sich nicht zerreißen." Am Tag vor der Mahd müsse er Bescheid wissen, um am Vormittag ausrücken zu können. Und die Bodentemperatur dürfe nicht zu hoch sein, ansonsten könne man auf der Wärmebildkamera ein Tier nur mehr schwer von einem Erdhaufen unterscheiden.

"Teamwork", erzählt der 34-Jährige weiter, sei bei den Einsätzen "alles, was zählt". Das beginne bei der Familie, die mitspielen müsse, wenn er Zeit für die Drohne opfere. Und ende beim Empfänger der Funksprüche, der bei einer Kamera-Sichtung im Feld nach dem Reh suche. Albin Schmuck: "Wir können uns nur bei Johannes bedanken. Sein unermüdlicher Einsatz ist neben der Arbeit als Wirt alles andere als selbstverständlich." Für die zweite Mahd sind keine Ausrückungen mehr nötig, die Kitze sind endgültig alt genug.

Durch viel positive Resonanz ist die Motivation zur Fortsetzung groß. "Nächstes Jahr geht es, wenn es Anfragen gibt, weiter", schildert der Drohnenpilot, der hofft, dass die Methode auch im Pinzgau vermehrt zur Anwendung kommt. "Es ist in mehrerer Hinsicht eine gute Sache. Man schützt die Rehe, die Bauern haben, auch wenn es keine 100-prozentige Sicherheit gibt, ein besseres Gefühl. Und die Gefahr für Kühe, die möglicherweise durch Leichengifte kontaminiertes Futter fressen, wird verringert."

Aufgerufen am 21.08.2019 um 08:33 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/mit-der-drohne-auf-kitz-rettungsmission-73271803

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