Chronik

Mit einer Salzburger Erfindung gegen illegale Tiertransporte

Inspektor Manfred Pledl präsentierte "Access Tool" bei einer EU-Fachtagung in Irland. Das Echo war groß. Mit dem System "made in Salzburg" ist es leichter möglich, den Tricks der schwarzen Schafe auf die Schliche zu kommen.

Salzburger Know-how in Sachen Tiertransport war kürzlich bei einer Fachtagung der EU-Kommission in Irland gefragt - beim "Better Training for Safer Food". Manfred Pledl, Amtstierarzt und Tiertransportinspektor des Landes Salzburg, überzeugte die Fachwelt dabei mit seinem "Access Tool". Mit diesem Werkzeug können Inspektoren besser gegen illegale Tiertransporte vorgehen.

Die Kontrolle der Angaben erfolgt über Google Maps

So funktioniert das System "made in Salzburg": Der Kontrolleur gibt die Angaben des Transporteurs in eine Datenbank ein und vergleicht sie mit den Daten, die sich aus der Kontrolle über Google Maps errechnen. Ergibt sich hier eine nicht plausibel hohe Durchschnittsgeschwindigkeit, wird das im "Access Tool" angezeigt. Dann kann entweder Anzeige erstattet oder die Abfertigung verweigert werden.

"Falsche" Temperatur deckte illegales Handeln auf

Manfred Pledl erinnert sich an ein Beispiel: "Einmal haben wir festgestellt, dass bei einer angeblichen Pause einer Lastwagen-Fahrt in Russland die Temperaturen im Innenraum des Lkw nicht abgesunken sind. Das war im November. Hätte der Lkw-Fahrer tatsächlich die Tür des Transporters geöffnet und den Rindern - wie vorgeschrieben - den Auslauf gewährt, wäre die Temperatur im leeren Lastwagen sicher abgesunken. Wir konnten letztlich die falschen Angaben aufdecken."

Welche Angaben dürfen die Kontrolleure verlangen?

In Irland wurde auch intensiv darüber diskutiert, welche Angaben die einzelnen EU-Mitgliedstaaten von den Organisatoren der Tiertransporte verlangen dürfen, um genauer kontrollieren zu können. Zu den europäischen Standards - Vorreiter sind Belgien und die Niederlande - zählen Fahrtenbuch, GPS-Daten sowie Aufzeichnungen über Klappenöffnungszeiten und Temperatur im Lkw-Innenraum.

Lkw war laut gefälschten Daten mit 180 km/h unterwegs

Die Beschaffung der Daten stellt ein großes Probleme bei der Kontrolle dar. Im Iran gibt es beispielsweise keine GPS-Aufzeichnungen, weil die USA dort die Satelliten blockieren. Ob Abladungen auch tatsächlich stattgefunden haben, ist aus den Aufzeichnungen deshalb nicht ersichtlich. Ein Vertreter der Niederlande berichtete auch, dass GPS-Daten gefälscht wurden. Laut Angaben hätte ein Lkw mit 180 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs sein müssen.

Ein Bild sagt oft mehr als 1000 Worte

"Wir verlangen zum Beispiel auch Bilder und kurze Videoaufzeichnungen von Entladungen", sagt Pledl. Man habe zwar keinen Rechtsanspruch darauf, die Bilder ausgehändigt zu bekommen. "Wenn das aber öfter abgelehnt wird, haben wir einen Grund, die Plausibilität der Angaben anzuzweifeln und auch einmal die Abfertigung zu verweigern." Eine weitere Möglichkeit ist, den Zugang der Firma zu den laufenden GPS-Aufzeichnungen während des Transportes zu verlangen. "Damit ist die stichprobenartige Verfolgung möglich. Leider fehlt auch dazu noch die Rechtsgrundlage."

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.01.2021 um 06:10 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/mit-einer-salzburger-erfindung-gegen-illegale-tiertransporte-83996221

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