Chronik

Moderne Streutechnik und wetterfühliger Chef

Für Autobahnmeister Bernd Essl und sein Team beginnt die heiße Phase des Jahres. Beim Räumkommando geht es ab und zu um jede Minute.

Auf Autobahnmeister Bernd Essl, Familienvater dreier Kinder und wohnhaft in St. Michael, warten unruhige Nächte: Seine zehnjährige Erfahrung in Sachen Wettervorschau ist nebst den engagierten Kollegen in der Autobahnmeisterei Lungau und der Technik in den Einsatzfahrzeugen ausschlaggebend, dass die 52 Kilometer zwischen Tauerntunnel-Nordportal und Gmünd möglichst schnee- und eisfrei bleiben. Es handelt sich um den höchstgelegenen Abschnitt auf bis zu 1340 m Seehöhe.

60.000 Fahrzeuge (beide Richtungen) werden an manchen Tagen auf der Scheitelstrecke gezählt. Wenn Essls Team an einem Tag mit viel Neuschnee zu spät vor Ort ist, dann gibt es massive Probleme. Die sind nicht geringer, wenn einer der vielen Schwerlastzüge wegen Unterschätzung der Gefahren rutscht und alles blockiert.

Seit 1. November stehen acht Pflüge 24 Stunden in Bereitschaft,beziehungsweise im Einsatz. Ein solches Gerät ist längst kein banaler Schneepflug mehr: Mit Front- und Seitenpflug samt Streuer geht es für die Fahrer nicht nur um exakte Spurwahl, sondern auch um präzise Pflugeinstellung und Streuintensität. Selbst das Mischverhältnis ist vom Fahrerplatz aus am Computer steuerbar.

Entscheidend ist, woher das Tief kommt

24 Mann stehen unter dem Kommando von Essl. Der meinte dazu beim "LN"-Lokalaugenschein: "Der Starkregen, der vor rund drei Wochen zu schweren Schäden in Kärnten führte, stammte von einem Genuatief. Das ist wieder anders als das Adriatief oder ein Nordstau. Wir beobachten die Wetterentwicklung immer intensiver. Letztlich müssen wir vor den Schneemassen am Schauplatz sein. Manchmal geht es in St. Michael noch gut und in Zederhaus schneit es, was das Zeug hält. Wir müssen kalkulieren, dass wir vor dem drohenden Stau vor Ort sind. Da gehört schon einiges Gespür dazu." Zwei Mal pro Tag wird präventiv gestreut. Der Reif kommt auf dem langen Abschnitt an unterschiedlichsten Stellen und nicht immer zum gleichen Zeitpunkt.

Insgesamt sind 3000 Tonnen Siedesalz von österreichischen Salinen gebunkert. Die Tonne kostet im Schnitt 80 Euro. Dass Geheimnis der richtigen Sole-Mischung braucht viel Gespür und Erfahrung. Essl: "Trockensalz weht es weg, wenn ein Sattelzug drüberfährt. Sole hält besser auf der Fahrbahn. Wir mischen uns das selbst, bekommen in der Autobahnmeisterei St. Michael eine moderne Produktionsanlage für die Sole. Der Winterbedarf an Salz liegt zwischen 1500 und 2500 Tonnen."

Die Logistik ist das große Spannungsfeld in der Schaltzentrale der Einsätze in St. Michael. Es gibt keine Ausweichrouten. Die Straße über den Tauern ist keine Alternative. Es kommt auch auf die Abstimmung mit den Kollegen in Italien und Deutschland an - die manchmal trotz schwieriger Situation alle durchlassen. Dann ist auf Essls Strecke kaum mehr Parkplatz verfügbar. Andererseits sperren die Kollegen in Italien hin und wieder Strecken.

Schwerlastzüge sind oft völlig falsch beladen

Hauptsorge bereitet Essl die Ausstattung der Schwerlastzüge und das Verhalten einiger Fahrer: "Die fahren trotz schlechter Bereifung und falscher Beladung auf den wesentlichen Achsen, bis es gar nicht mehr geht. Die unterschätzen, dass an einem Tunnelende ganz andere Bedingungen herrschen können wie am -anfang. Die rasen zum Teil, als wäre schönstes Wetter. Das ist ein Stück weit unverantwortlich."

Auf seine Taktik in Sachen Salzstreuung und Schneeräumung angesprochen, meint Essl: "Du musst enorm konzentriert sein. Eine halbe Stunde zögern kann dir das Genick brechen, weil du dann mit den Schneepflügen nicht mehr durchkommst. Wir sind mit Polizei, Wetterstellen, Katastrophenreferenten und Behörden gut vernetzt. In unseren Breiten wissen Autofahrer, dass es mal zu längeren Staus kommen kann. Das wird gelassener genommen, als wenn um Wien zwei Zenti- meter Schnee auf der Autobahn liegen."

Schöner Herbst erleichterte Lärmschutzbau

Die lange Schönwetterphase im Herbst hat die Autobahnmeisterei vor andere Aufgaben gestellt. Mit einem Kostenaufwand von über 30 Millionen Euro wird ein zwei Kilometer langer Autobahnabschnitt bei Krottendorf mit Lärmschutzwänden versehen: Außen mit geschwungenen Elementen, zwischen den Fahrbahnen mit einer fünf Meter hohen Mauer.

Das Asfinag-Team hatte die behördlichen Auflagen hinsichtlich Verkehrszeichen, Baustellenabgrenzung und dergleichen abzuwickeln. Behördlich wird jeder Standort eines Verkehrshütchens festgelegt. Im Herbst 2019 ist das Vorhaben fertig.

Dann kommen die Krottendorfer in den Genuss, der durch die Autobahn-Einhausung in Zederhaus schon gegeben ist: Ruhe hinter den Megawänden.

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Schöne Heimat

Ein schöner Herbstmorgen

Von Lois Eßl
23. November 2020
Gensgitsch Alm mit Blick zu Aineck-Speiereck

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