Chronik

Muren bringen eine Lawine an Spätfolgen

Mit den ersten Aufräumarbeiten ist es nach den Murenabgängen in Hüttschlag noch nicht getan. Auch ein Felssturz wird den Ort noch beschäftigen.

Beunruhigt über den weiterhin instabilen „Felssturz Wirtshalt“ sind Bgm. Hans Toferer (l. ) und Maurach-Bauer Rupert Gruber. Die Felsnase (Bildmitte) wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch noch abbrechen. Bild: Brinek SN/sw
Beunruhigt über den weiterhin instabilen „Felssturz Wirtshalt“ sind Bgm. Hans Toferer (l. ) und Maurach-Bauer Rupert Gruber. Die Felsnase (Bildmitte) wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch noch abbrechen. Bild: Brinek

Eine Schneedecke verhüllt derzeit gnädig die Wiesen und landwirtschaftlichen Flächen, die durch die Murenabgänge im November teils meterhoch mit Geschiebe- und Schwemmmaterial verschüttet wurden. Zahlreiche Landwirte waren betroffen, besonders viele Flächen erwischte es etwa beim Maurach-Bauern Rupert Gruber. Er berichtet von den (finanziellen) Herausforderungen, welche die Beseitigung der Schäden mit sich bringt.

Gruber: "Einige Aufräumarbeiten konnten wir noch im Spätherbst sofort in Angriff nehmen, nötig war ein großer Bagger, mit der Schaufel kommt man bei einem solchen Ereignis und bei Schäden dieses Ausmaßes nämlich nicht weit." Eine Baggerstunden kostet 85 Euro brutto, so kommen für einen Tag schnell einmal 850 Euro zusammen. Hier können die Bauern mit Unterstützung durch den Katastrophenfonds rechnen, aber das Geld muss vorfinanziert werden. Sitzungen des Katastrophenfonds gibt es nur zwei Mal jährlich, dann werden die Mittel freigegeben. Bis sie auf dem Konto der Bauern eingelangt sind, dauert es auch dann noch einige Zeit. Die Firmen wollen ihr Geld natürlich früher, deshalb die Vorfinanzierung, die für manche Betriebe nur schwer zu stemmen ist.

Neben dieser Vorfinanzierung entstehen noch weitere Kosten. Gruber etwa muss Futter für seine 40 Kühe zukaufen. Dies ist nötig, weil die vermurten Flächen heuer noch nicht bewirtschaftet werden können. Wenn alles optimal läuft, kann heuer im Herbst einmal gemäht werden. Bei den betroffenen Flächen ist es teilweise möglich, dass das Geschiebe- und Schwemmmaterial an Ort und Stelle zum Ausgleich von Geländekuppen und zum Ausfüllen von Senken benutzt werden kann. Das Material muss aber vorher aufbereitet bzw. durchmischt werden, denn gerade das feine Schwemmmaterial und der Sand bilden eine Luft- und wasserundurchlässige Schicht, auf der im wahrsten Sinne des Wortes kein Gras mehr wachsen kann.

Das gilt auch für Flächen, auf denen das Geschiebematerial aus den Wildbachsperren abgelagert wird. Diese Flächen sollten im Optimalfall schon vorab festgelegt werden, die Grundeigentümer erhalten für die Bereitstellung Geld und bei späterer tatsächlicher Nutzung Entschädigungen. Ausgewählt werden dafür Flächen, die nicht herausstehend ökologisch wertvoll sind, also keine Biotope oder Ähnliches. Bevor das Material hier gelagert wird, wird im Normalfall die Humusschicht der Fläche abgetragen, mit dem Geschiebe werden zumeist Geländeanpassungen vorgenommen, die eine spätere landwirtschaftliche Nutzung erleichtern. Die Humusschicht wird dann wieder aufgebracht, das Areal eingesät und wieder genützt.

Was hier nicht deponiert werden kann, ist Holz, da organisches Material mit der Zeit verrottet und deshalb kein stabiler Untergrund gewährleistet ist. Nun ist aber bei den Muren und Hochwässern jede Menge Schadholz angefallen. Was damit tun? Zu Hackschnitzeln aufarbeiten und in Heizkraftwerken verwenden, möchte man meinen. Das ist aber nicht so einfach, wenn das Holz zu sehr mit Steinen, Kieseln oder Feinsand verschmutzt ist, kann es nicht verheizt werden.

Dazu Bgm. Hans Toferer: "Das ist ein bis dato ungelöstes Problem, wir wissen nicht, wohin mit dem ganzen Holz. Es gibt eine Firma in Kärnten, die das Holz entsorgen würde, das würde aber 70 Euro pro Tonne kosten. Bei diesen Mengen ist das nicht leistbar, außerdem ist es ökologischer Wahnsinn, das Holz kreuz und quer durch die Gegend zu karren. Dafür bräuchte man zig Lkw- Fahrten. Der Pongauer Katastrophenreferent Norbert Passrucker sieht nicht beim anfallenden Holz das Hauptproblem, sondern bei den fehlenden Vorsorgeflächen für Geschiebematerial, das bei Unwettern anfällt. Aus den Wildbachsperren muss es so rasch wie möglich entfernt werden, um die Schutzwirkung der Sperren wiederherzustellen.

Zum Thema Holz meint Passrucker, dass nach einer Durchsortierung des Holzes ein Großteil nutzbar sei. Dieses Holz würde kostenlos abgeholt, eventuell könnte man sogar einen Verkaufserlös lukrieren. Für einen Gutteil des Restes würden sich Grundbesitzer finden, die es in ihren (Wald-)Flächen deponieren und verrotten lassen würden. Das Holz ist ökologisch völlig unbedenklich, einzig durch Steine, Kies und Sand verunreinigt.

Mehr Sorgen machen Passrucker die Vorsorgeflächen. Hier gebe es im Pongau noch sehr große Defizite, im Gegensatz etwa zum Pinzgau, wo man viel weiter sei. Diese Flächen sollten möglichst an den Wildbachsperren liegen. Bisher gebe es zu wenig definierte Flächen, so Passrucker, im Katastrophenfall hätte man so oft improvisieren müssen, was bisher zwar immer gelungen sei, aber naturgemäß von Mal zu Mal schwieriger werde. "Wenn uns das nicht mehr gelingt, muss das Material mit unglaublichem Aufwand und beträchtlichen Kosten zu gewerblichen Deponien geliefert werden." Der Handlungsbedarf sei sehr groß, warnt und mahnt Passrucker. Etwas entschärft wird dieses Problem dadurch, dass man neue Sperren so anlegt, dass die hohen Sperrmauern talseitig mit Material, das sich in der Sperre ansammelt, aufgeschüttet werden können.

Neben er Angst vor Muren hat Hüttschlag mit einem weiteren Problem zu kämpfen. So ist der Felssturz Wirtshalt (er liegt von Hüttschlag kommend Richtung Talschluss bei Karteis auf der linken Seite) weiterhin in Bewegung ist. Hausgroße Felsen donnerten hier schon ins Tal. Der Fels wird durch hochsensible Geräte, welche die Universität für Bodenkultur (BOKU) installiert hat, überwacht. Bei stärkeren Bewegungen wird sofort Alarm geschlagen, die Landesstraße - wenn nötig - gesperrt. Rechenmodelle haben ergeben, dass im Extremfall Felsbrocken über die Großarler Ache bis auf die Landesstraße donnern könnten, etwa bei großer Kälte mit einem extrem durchgefrorenen Talboden, auf welchem die Felsen optimal rollen könnten.

Der Wanderweg entlang der Ache ist ohnehin bis auf Weiteres gesperrt, auch die Fläche unterhalb des Felsens kann nicht mehr bewirtschaftet werden. "Diese Fläche ist verloren", so der Katastrophenreferent. Er sagt weiter: "Einzig denkbar wäre noch eine mögliche Beweidung durch Schafe, diese könnten bei einem Felssturz wohl noch rasch genug fliehen." An eine Bewirtschaftung mit landwirtschaftlichem Gerät sei aber nicht zu denken. Gefährlich sei der Fels nicht nur bei Frostsprengungen, gefährlich sei auch große Hitze. Wenn die Sonne direkt auf den blanken Fels strahlt, entstehen hohe Temperaturen, auch diese können Felsabbrüche auslösen.

Aufgerufen am 05.12.2020 um 01:42 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/muren-bringen-eine-lawine-an-spaetfolgen-82741954

Schöne Heimat

Ungeheurlich...

Von Helmuth Stuhlpfarrer
04. Dezember 2020
Die Sonne und der Baumstrunk, so könnten Sagen entstanden sein.

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