Chronik

Nach Aufschrei der Anrainer: Königsseeache wieder voll

Der langersehnte Regen, aber auch ein Einlenken des Betreibers der Salzachschifffahrt nach dem Protest der Anrainer, hat zur Beruhigung der Lage an der Ache beigetragen.

Nichts deutete am Dienstag an der Königsseeache mehr auf die große Aufregung der vergangenen Wochen hin. Aber dort, wo in dieser Woche wieder unbeschwert Kinder planschten und deren Eltern die Sonne genossen, war in den Tagen und Wochen davor ans Baden nicht zu denken - weil das Wasser fehlte. Ein Aufschrei der Anrainer folgte.

Eine der betroffenen Anrainerinnen ist Cora Hieke. Sie wohnt direkt an der Ache und bezeichnet sie als "unseren Badeplatz Nummer 1". In den vergangenen Wochen seien an manchen Tagen aber nur mehr Pfützen vorhanden gewesen. "In der Früh war der Pegel immer in Ordnung, gegen Mittag wurde es schon weniger. Am späteren Nachmittag war dann so gut wie überhaupt kein Wasser mehr da", erzählt Hieke im Gespräch mit den TN. Kinder hätten deshalb teilweise nur mehr im Schlamm spielen können.

So wie andere Badegäste habe sie das Niedrigwasser zuerst auf die Trockenheit und die jüngste Hitzewelle zurückgeführt. Erst als das Wasser auffällig schnell verschwand, hätten andere Anrainer bei der Salzburg AG angerufen. Dort habe man die Salzach-Schifffahrt als Begründung angeführt. Auch auf Anfrage der TN heißt es vonseiten des Energieversorgers: "Zur Ermöglichung der Salzach-Schifffahrt in Niederwasserzeiten wurde auf Betreiben des Schifffahrt-Unternehmens in Abstimmung mit den zuständigen Behörden die Übereinkunft getroffen, die Möglichkeit des Schwellbetriebs zu nutzen." Beim "Schwellbetrieb" senkt die Salzburg AG den Wasserpegel oberhalb des Kraftwerks Urstein um einen Meter ab, die Königsseeache trocknet aus. Der Vertrag, der dem Schifffahrt-Betreiber einen Mindestpegel der Salzach zusichert, mache diese Vorgehensweise nötig.

"Es ist nicht glaubwürdig, dass es nur ums Schiff geht." Josef Sailer, Umweltstadtrat (SPÖ)

Halleins Umweltstadtrat Josef Sailer (SPÖ) will sich mit dieser Begründung nicht zufrieden geben. Er wirft der Salzburg AG vor, "den Schwarzen Peter an die Salzach-Schifffahrt abzuschieben". "Es ist unglaubwürdig, dass es dabei nur um das Schiff geht", sagt Sailer. Er vermutet vielmehr, dass wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle spielen könnten. "Der teurere Tagesstrom bringt mehr Geld. Am Abend, wenn weniger Strom gebraucht wird, machen sie das Kraftwerk zu", so Sailer. Laut Salzburg AG kommt der Schwellbetrieb aber aus gewässerökologischen und energiewirtschaftlichen Gründen "so gut wie gar nicht" zum Einsatz.

Eine gegenteilige Sorge hegen die Salzburger Grünen. Sie stellen die Frage, ob zu Gunsten eines stabilen Wasserniveaus im Bereich der Stadt Salzburg ein Einnahmenentfall durch ungünstige Stromtarife in Kauf genommen werde.

"Wie aus einer Badewanne, in der der Stöpsel gezogen wurde" sei das Wasser verschwunden, erzählt Regina Wyschata, die seit 18 Jahren an der Ache wohnt. So extrem wie heuer habe sie die Situation noch nie erlebt. Anrainer Tristan Hassa hofft, dass in Zukunft während Trockenperioden "eher das Schiff nicht fährt, als dass die Leute nicht mehr baden können". Auch Anrainerin Sabrina Blaßnig gibt sich "fassungslos, dass unsere Lebensqualität hinter die Interessen eines privaten Unternehmens gestellt wird".

"Mit Toleranz auf beiden Seiten wird es eine Lösung geben." Gerhard Anzengruber, Bürgermeister (ÖVP)

Auf Toleranz und Ausgewogenheit auf beiden Seiten plädiert Halleins Bürgermeister Gerhard Anzengruber. "Dann wird es eine Lösung geben. Man kann nicht alles zu Tode regulieren." In Zukunft werde es noch wichtiger, Naherholungsgebiete wie die Ache für verschiedenartige Nutzungen anbieten zu können.

Anfang der Woche beruhigte sich die Lage. Salzach-Schifffahrt-Betreiber Erich Berer beschränkte den Betrieb bis auf Weiteres auf im Schnitt zwei Fahrten pro Tag.

Aufgerufen am 10.12.2018 um 03:29 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/nach-aufschrei-der-anrainer-koenigsseeache-wieder-voll-39110221

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