Chronik

Neuer Boss der AK Pinzgau

Manfred Fellerer übernahm die Leitung der Arbeiterkammer (AK)-Bezirksstelle.

Zwei Pinzgauer treten für Arbeitnehmer ein: AK-Präsident Peter Eder (l.) und Bezirksstellenleiter Manfred Fellerer. AK/Fuchs
Zwei Pinzgauer treten für Arbeitnehmer ein: AK-Präsident Peter Eder (l.) und Bezirksstellenleiter Manfred Fellerer.

Er hat Erfahrung in der Arbeitnehmervertretung - Manfred Fellerer war Zentralbetriebsrat bei der Wolfram AG in Mittersill. Er folgte bereits Mitte des Jahres Margit Pfatschbacher nach, die in Pension gegangen ist. Die Rechte der Beschäftigten, besonders im Tourismus und in der Bauwirtschaft, seien ihm große Anliegen, so Fellerer. Auch für Themen wie Kinderbetreuung und Bildung wolle er sich stark machen. Bildung, Schule, Lehre (mit Matura) sowie Spezialberatungstage zum Kinderbetreuungsgeld seien ihm ebenso wichtig, sagt der Bramberger.

Der 1974 geborene Schlosser und technische Zeichner arbeitete nach der Ausbildung noch vier Jahre bei seiner Lehrfirma und wechselte dann zu Wolfram Bergbau. Dort war er Kassier und Betriebsratsvorsitzender, später Gründungsmitglied, stellvertretender Vorsitzender und schließlich Vorsitzender des Zentralbetriebsrates. Als ehemaliges Aufsichtsratsmitglied und ehemaliges Landesvorstandsmitglied der Gewerkschaft Pro-Ge kennt Fellerer die Beziehungen und Herausforderungen im Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. "Wir haben einen erprobten und verlässlichen Kämpfer für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Pinzgau als Nachfolger gefunden", so AK-Präsident Peter Eder.

Arbeitszeitgesetz

sorgt für Unsicherheit

Die Bezirksstelle brachte Arbeitnehmern heuer (bis Ende September) 826.138 Euro durch Klagen, Interventionen und den AK/ÖGB-Steuerlöscher. Die Experten berieten 7.353 Mal, in mehr als drei Viertel der Fälle drehte es sich ums Arbeitsrecht.

Das Gastgewerbe sei ein ewiges Thema in der Beratung: "Hier arbeiten 9.000 der 40.000 Beschäftigten im Bezirk. Manche Arbeitgeber stehlen sich aus der Verantwortung, lassen ihre Arbeitsverträge vom Steuerberater machen, und dann kommen im Rahmen des neuen Arbeitszeit-Gesetzes problematische Konstruktionen heraus. Eigentlich sollten Arbeitgeber Arbeitsverträge vorab von der Arbeiterkammer oder der Wirtschaftskammer prüfen lassen", sagt Fellerer.

Weitere Probleme seien: Niedrige Saisonnier-Löhne und Nettolohnvereinbarungen, bei denen Lohnerhöhungen und Steuerreformen nicht greifen würden, so dass teilweise sogar unter dem Kollektivvertrag entlohnt werde. Und: Zu lange Arbeitszeiten am Bau. Gerade in diesem unfallsensiblen Bereich müsse man sich fragen, ob es - wenn auch rechtlich möglich - gescheit sei, bis zu 260 Stunden im Monat zu arbeiten. "Über 40 wollen das die Wenigsten. Und es ist auch nicht im Sinne des Gesetzes der 60 Stunden-Woche, wenn der Chef alles mit dem Polier ausmacht und einzelne Mitarbeiter nicht gefragt werden", kritisiert Fellerer. "Übrigens sind auch die Arbeitnehmervertreter für längeres Arbeiten. Jedoch an Jahren bis zur Pension und nicht in der Woche. Dazu muss man gesund das Rentenalter erreichen. Speziell am Bau schaffen das viele nicht und gehen oft mit 55 oder früher dem Arbeitsmarkt verloren."

Es gibt auch sehr gutes

Einvernehmen mit Wirtschaft

Es gebe zum Glück aber auch die positive Kehrseite: "Sehr viele Arbeitgeber sind fair zu ihren Mitarbeitern", sagen Eder und Fellerer: "Die schauen, dass es bei allen passt und laden die Arbeiterkammer zu Betriebsversamm- lungen ein." Zudem könnten viele Probleme im Betrieb gelöst werden, wenn es einen Betriebsrat gebe. "Die Betriebsräte leisten hervorragende Arbeit zum Wohl der Beschäftigten und für faire Löhne im Betrieb. Da passt die Zusammenarbeit mit den Unternehmen und der Wirtschaftskammer", sagt Eder. Trotzdem seien Serviceleistungen der AK für viele unerlässlich.

Übrigens hat Fellerer auch ein interessantes Steckenpferd: Er arbeitet in seiner Freizeit als Shiatsu-Praktiker.

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Aufgerufen am 27.11.2020 um 06:14 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/neuer-boss-der-ak-pinzgau-61814704

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