Chronik

Neues Mobilitätszeitalter E-Autos für jedermann

Regionalverband ist von "Wörgler Modell" des E-Carsharings begeistert.

Dass Lungauer Gemeinden Flo-Mobile aus Wörgl übernehmen und vermieten, könnte bald Realität werden. Bild: Stadtwerke SN/sw
Dass Lungauer Gemeinden Flo-Mobile aus Wörgl übernehmen und vermieten, könnte bald Realität werden. Bild: Stadtwerke

Gemeinden "leasen" E-Autos für 700 Euro (monatlich) von der Firma Flo-Mobil der Wörgler Stadtwerke. In dem Preis sind alle Kosten (Versicherung, Wartung und Hotline-Service bei Problemen) integriert. Die örtliche Bevölkerung kann sich ein Auto dann zu einem sehr attraktiven Preis ausborgen.

Dieses Modell funktioniert österreichweit schon mit 200 Fahrzeugen der Tiroler Marktführer auf dem Gebiet des E-Auto-Sharings bestens und wurde dem Mobilitätsnetzwerk Lungau des Regionalverbandes dieser Tage vorgestellt.

Regionalverband-Geschäftsführer Josef Fanninger im "Lungauer Nachrichten"-Gespräch: "So nahe waren wir einem vernünftigen E-Carsharing-Konzept in unserer Klima- und Energie-Modellregion noch nie. Die Experten raten sogar, zwei Autos pro Standort anzuschaffen. Dadurch entsteht nicht der Eindruck, dass eines sowieso immer vermietet ist."

Für das Projekt im Lungau haben schon Bürgermeister für ihre Gemeindemitarbeiter, Raiffeisen mit Angeboten für Mitglieder, das Hilfswerk für seine Angestellten und Tourismusverbände für Gäste und Mitarbeiter im Lungau Interesse bekundet.

Fanninger: "Wenn sich eine Gemeinde zukünftig beispielsweise einen Elektro-Siebensitzer anschafft, kann sie damit neben dem Verleih auch Schülertransporte und dergleichen durchführen. Es geht um die Auslastung bei attraktiven Preisen. In Wörgl setzt man die E-Autos auch in den Nachtstunden - zu etwas geänderten Tarifen - ein."

In Abstimmung mit allen Interessenten könnte man sich vorstellen, dass schon bald die ersten solchen Autos im Lungau fahren. Die benötigten E-Tankstellen nahe den jeweiligen Gemeindeämtern sollten keine Hürde darstellen.

Das vorgestellte Mobilitätskonzept hat noch weitere Besonderheiten - wie das Ein-Euro-Ticket für Öffis. 40.000 Fahrten registrierte man in den vergangenen Monaten. Der Geschäftsführer des Verbandes: "Wenn das Angebot passt, nehmen die Leute die Öffis an. Für einen Euro von Zederhaus nach Tamsweg ist im Vergleich zu 6,80 Euro Normalpreis attraktiv. Es organisieren sich Gruppen älterer Lungauer für Ausflüge mit Öffis und die Jugend nützt das Ticket für gemeinsame Fahrten ins Schwimmbad und dergleichen. Die Ferienregion wird es für den Winter auch den Urlaubsgästen zugänglich machen."

Ein-Euro-Ticket führt zum Umdenken

Das Tälerbuskonzept wird weiterentwickelt. Schwerpunkte sind dabei die Taktung und der Anschluss an die Öffis im Zentralraum. Ein Hit ist nach Meinung Fanningers der Salzburg-Express, der ab Mitte Dezember eine Busfahrzeit von 80 Minuten von St. Michael in die Landeshauptstadt garantiert.

Die Klima- und Energieregion mit einem Jahresbudget von 80.000 Euro wird zu zwei Dritteln vom Bund gefördert und umfasst neben der Öffentlichkeitsarbeit die Umsetzung konkreter Maßnahmen im Klima- und Energiebereich. So ist man stolz, dass nur noch neun öffentliche Gebäude im Lungau mit Erdöl oder Erdgas beheizt werden, nur noch ein Pfarrhof im Bezirk fossil geheizt wird und dass man im Bereich der Nutzung regionaler Ressourcen und bei der Implementierung eines umweltbewussten Kinderferienprogramms wichtige Erfolge verbuchen kann.

Dem Thema Lichtverschmutzung wird breiter Raum geschenkt. Im November steht eine Exkursion nach Kirchschlag bei Linz, einer Mustergemeinde für sparsamen Umgang mit Licht, am Programm. Zu erörtern sind Fragen, wie lange, wie hell, in welchem Farbton und wie viele Flächen angestrahlt werden müssen.

Der Regionalmanager nahm im "LN"-Gespräch zur laufenden "Leader"-Förderperiode Stellung. Dabei hat der Lungau knapp zwei der 2,6 Millionen Euro der zur Verfügung stehenden EU-Gelder bereits eingesetzt. Für den "Rest" gibt es konkrete Vorstellungen: "Das Interesse an dem Programm ,Biosphere Lab Lungau' zur Förderung von Start-up-Unternehmen ist enorm. Auf dem Sektor werden wir noch weitere Impulse setzen, um jungen Lungauern bei der Gründung einer Firma und damit bei der Schaffung von Arbeitsplätzen in ihrem Heimatbezirk zu helfen."

Antriebsfrage für die Murtalbahn

Zum Thema Verkehr zählt natürlich auch die Murtalbahn, die am Wochenende 125-jährigen Bestand feierte. Eine Fachtagung "Schmalspurbahn - Geschichte mit Zukunft" fand am Freitag in Murau statt. Überlegungen, dass die Murtalbahn irgendwann mit Wasserstoff "betrieben" werden soll, steht der Vertreter des Regionalverbandes Lungau eher skeptisch gegenüber: "Es gibt dazu wenig Erfahrungswerte und keine entsprechenden Wagen. Zwar hört sich die Technologie gut an. Die Frage ist aber, ob die in die Jahre gekommene Murtalbahn noch so viel Zeit hat, auf diese Entwicklung zu warten - oder ob man doch eher auf andere Antriebsvarianten setzten sollte."

Einen großen Ausbau einer Ost-West-Bahnachse auf der Murtaltrasse sieht Fanninger als unrealistisch an: "Da gibt es doch schon einige und uns im Lungau würde ohnehin dann vielleicht nur eine Haltestelle bleiben."

LUNGAU-NEWSLETTER

Jetzt kostenlos anmelden und wöchentlich topaktuelle Informationen aus Ihrer Region kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 28.01.2022 um 05:49 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/neues-mobilitaetszeitalter-e-autos-fuer-jedermann-77814697

Ein starkes Lebenszeichen der Lungauer Volkskultur

Ein starkes Lebenszeichen der Lungauer Volkskultur

Besondere Umstände fordern besondere Lösungen. Diese hatte die Lungauer Volkskultur für den 56. Jahrtag, der in der Basilika Mariapfarr abgehalten wurde - wenn auch aufgrund vieler Erkrankungen in dezimierter …

Jugendliche im Seniorenheim?

Jugendliche im Seniorenheim?

Was im ersten Moment wie ein Widerspruch anmutet, ist für manche Jugendliche bereits Realität: Immer mehr junge Menschen entscheiden sich bereits ab dem Alter von 14 Jahren für ihre berufliche Zukunft im …

Schöne Heimat

Unverwechselbar ...

Von Lois Eßl
26. Jänner 2022
... ist die Kulisse von Kempen und Weißeck-Südostwand mit der "Hölle" dazwischen

Kommentare

Schlagzeilen