Chronik

Neues Studium: Junglehrer bangen um Praxis-Jobs

Lehramtsstudenten haben künftig keinen Anspruch mehr auf ein Jahr Praxis nach dem Studium. Studenten sprechen von massiver Ungleichbehandlung.

Neues Studium: Junglehrer bangen um Praxis-Jobs SN/marco riebler
Sie üben Kritik: Maximilian Wagner, Beatrice Wieser, Juliana Naglmayr und Martin Pilz.

Große Verunsicherung herrscht derzeit unter angehenden Lehrern. Sie befürchten, dass in Zukunft der Weg zu ihrem Traumberuf mit vielen Hürden verbunden ist.

Grund ist die neue, gemeinsame Ausbildung für alle Sekundarstufenlehrer - also Pädagogen an Neuen Mittelschulen, Gymnasien oder berufsbildenden mittleren und höheren Schulen. Dabei stößt vor allem die Abschaffung des Unterrichtspraktikums auf Kritik. Bisher hatten die angehenden Lehrer an höheren Schulen nach dem Uni-Studium einen Anspruch auf diese einjährige Praxisphase. Dabei unterrichteten die Uni-Absolventen mehrere Stunden pro Woche - gegen eine finanzielle Entschädigung. Dieses Unterrichtspraktikum gibt es ab Herbst 2019 nicht mehr. Als Ersatz wurde die sogenannte Induktionsphase geschaffen. Dabei unterrichten Studenten ab dem Abschluss des Bachelor-Studiums stundenweise an einer Schule und werden dafür auch bezahlt.

Das Problem: Es gibt keinen Rechtsanspruch mehr auf einen Posten an einer Schule - wie beim Unterrichtspraktikum. Die Studierenden müssen warten, bis fixe Lehrerstunden für die Induktion frei werden. Und das kann in manchen Fällen lange dauern - vor allem in "überlaufenen" Studienrichtungen wie Geografie, PP (Psychologie, Philosophie), oder den romanischen Sprachen.

Auch bei den vorgeschriebenen Schulpraxis-Stunden drohen Engpässe. Denn im neuen Studium ist viel mehr Schulpraxis vorgesehen. Fraglich ist, ob Universität und Pädagogische Hochschule (PH) genügend Pädagogen finden, die bereit sind, Studierende zu betreuen. "Meine Sorge ist, dass ich keinen Platz an einer Schule bekommen werde", sagt Juliana Naglmayr, die Lehramt Geschichte, Deutsch und Geografie studiert. Ein eigenes Thema seien die "immensen Fahrtkosten", sagt Naglmayr. Schon jetzt müssten manche Studenten bis nach Linz fahren, um dort im Rahmen der Schulpraxis unterrichten zu können. Man steuere jetzt auf eine "Zweiklassengesellschaft" zu, kritisiert Studentenvertreter Maximilian Wagner. Der Grund: Ein Student, der das Glück hat, schon nach dem Bachelor über die Induktionsphase an einer Schule stundenweise zu unterrichten, wird dafür bezahlt wie jeder Lehrer. Und er kann sich diese Stunden für das Studium anrechnen lassen. Alle anderen Studenten müssen die Schulpraxisstunden ohne Bezahlung ableisten, weil sie es für das Studium brauchen. "Die haben dieselbe Qualifikation, dürfen aber nicht eigenständig unterrichten und bekommen nichts bezahlt", sagt Wagner.

Dazu kommt ein rechtliches Kuriosum: Die Studenten, die nach dem alten Studienplan erst im Sommer 2019 fertig werden, fallen in ein Loch: Sie können das Unterrichtspraktikum nicht mehr absolvieren, weil es dieses dann nicht mehr gibt. Für sie gibt es aber auch noch keine zufriedenstellende Regelung für die Induktionsphase. Da werde sich der Gesetzgeber noch etwas einfallen lassen müssen, heißt es dazu im Landesschulrat.

Der zuständige Uni-Vizerektor Erich Müller sagt zu den Kritikpunkten, man werde dafür sorgen, Lehrer zu finden, die die Studierenden in der Schulpraxis begleiten. Die Anrechnung von Stunden aus der Induktionsphase für das Studium ist für Müller keine Ungleichbehandlung. "Man muss es so sehen, dass man großzügig mit den Studierenden umgeht, die schon Praxiserfahrung haben." Müller geht aber davon aus, dass die künftigen Absolventen ohnehin gute Chancen haben, nach dem Studium über die Induktion in den Beruf einzusteigen. "Die Statistiken zeigen, dass es 2019 und 2020 einen eher großen Lehrerbedarf gibt."

Landesschulratsdirektor Andreas Mazzucco zeigt sich nicht so optimistisch. Stunden für die Induktion könne es nur geben, wenn Stunden frei würden. "Vermutlich wird es da zu Wartezeiten kommen - das ist vom Fach abhängig." Denn die Konkurrenz ist groß, alle wollen etwas vom Topf mit den freien Unterrichtsstunden. So gibt es schon heute viele Lehrer in Teilzeit, die Stunden aufstocken möchten.

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