Chronik

Neues Wohnbauprojekt auf Gelände der Rauchmühle

Seit 2011 liegt die Rauchmühle in Salzburg-Lehen im Dornröschenschlaf. Nun gibt es ehrgeizige Pläne für das 20.000 Quadratmeter große Areal.



Es ist gespenstisch still auf dem riesigen Areal an der Guggenmoosstraße in Salzburg-Lehen. Kein Auto, kein Mensch, verschlossene Türen. Nur ein Hausmeister huscht zwischen den Gebäuden herum und schaut nach dem Rechten. Seit der Schließung vor zwei Jahren steht die Rauchmühle zum überwiegenden Teil leer, nur im Erdgeschoss lagern noch Säcke voll Mehl und Grieß.

"Derzeit ist es dunkel und kalt hier", sagt Bernhard Rauch fast ein wenig entschuldigend beim Rundgang durch das Firmengebäude. Rauch ist einer von drei Geschäftsführern der Anton Rauch GmbH und Co KG mit Sitz in Innsbruck und kümmert sich um die Verwertung des Standortes in Salzburg.

Auf dem rund 20.000 m2 großen Areal soll künftig kein Mehl mehr gemahlen werden, sondern Menschen leben und arbeiten. Bis zu 200 Wohnungen, zur Hälfte Eigentumswohnungen, zur Hälfte geförderte Mietwohungen, sollen auf dem Gelände entstehen. Die beiden Architekten Max Rieder und Michael Wallraff arbeiten derzeit an einem Masterplan. Geplant sind neben Wohnungen auch Geschäfte, Büros und größere Grünflächen.

"Mir ist bei diesem Projekt sehr wichtig, dass der Geist der Rauchmühle erhalten bleibt und dass man auch nach dem Umbau noch merkt, dass hier einmal eine Mühle war", sagt Bernhard Rauch. Das Areal habe eine ganz besondere Ausstrahlung, die sich wesentlich vom restlichen Stadtteil Lehen unterscheide. Eine dichte urbane Verbauung wie auf dem Stadtwerkeareal sowie eine Durchschnittsarchitektur seien hier absolut fehl am Platz. "Das Gebiet ist für Wohnbau prädestiniert, weil es hier - obwohl man sich mitten in Lehen befindet - sehr ruhig ist."

Derzeit loten die Experten aus, welche Teile des Gebäudekomplexes erhalten bleiben können und welche einem Neubau weichen müssen. Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) sagt zu dem Projekt auf SN-Anfrage: "So wie es derzeit aussieht, werden die beiden großen neueren Silotürme aus den 1970er Jahren wegkommen. Die sind nicht wirklich schön. Auch der alte Speicherturm wird leider weichen müssen." Er sei in einem so schlechten baulichen Zustand, dass er nur mit enormen Kosten revitalisiert werden könne.

Bernhard Rauch führt von den vielen großen Produktionsräumen hinaus durch ein großes dreiteiliges kassettiertes Holztor zur Vorderansicht des Wohn- und Verwaltungshauses der Rauchmühle. Dieser Gebäudeteil, der aus dem Jahr 1898 stammt und vom bekannten Baumeister Jakob Ceconi entworfen wurde, steht als einziger unter Denkmalschutz. Derzeit wohnt Rauch in dem Haus, das der Unternehmersfamilie jahrzehntelang als Zuhause diente.

Bis Ende des Jahres soll der Masterplan der Architekten Rieder und Wallraff stehen. Dann sind die Eigentümer und die Stadt Salzburg am Zug. Anhand der Vorgaben in diesem Plan soll ein Architektenwettbewerb veranstaltet werden. Rieder: "Dabei ist mir sehr wichtig, dass schlussendlich nicht nur ein Architekt dieses Projekt verwirklicht, sondern vier, fünf Architekten diese Wohnsiedlung realisieren. Denn eine Stadt soll generell nicht nur von einem Menschen entwickelt werden."

Das Fabriksgelände der Rauchmühle bezeichnet Rieder als einen der fantastischsten Orte in Salzburg, "an dem man etwas Neues erschaffen kann". Problematisch sei natürlich die Eisenbahn die direkt am Grundstück vorbeiführe. "Das Lärmproblem kann man gut in den Griff bekommen, in dem man so wie bei vielen Wohnbauprojekten in München, London, Berlin oder sonst wo auf der Welt die betroffene Seite mit einem geschlossenen Wintergarten mit spezieller Verglasung versieht."

Den 112 Jahre alten Speicherturm hat Max Rieder im Gegensatz zu Johann Padutsch noch nicht ganz abgeschrieben. Der Bauteil berge für ihn ein enormes Potenzial. "Ich schlage vor, dass man ihn vorerst einfach so stehen lässt wie er derzeit ist, das Projekt an sich verwirklicht und erst in drei bis vier Jahren entscheidet, was mit dem Turm geschehen soll." Schließlich handle es sich dabei um ein eindrucksvolles Bauwerk aus wunderbarer alter Eiche. "Darum wäre wirklich sehr schade."

In dem alten Speicherturm könne er sich durchaus "mutige Projekte" vorstellen. "Eine Kletterhalle, eine Galerie, eine Kultureinrichtung oder ein Jugendzentrum. Vieles wäre dort möglich", sagt Rieder.

Die Baumaschinen werden auf dem Mühlenareal frühestens Ende 2014/Anfang 2015 auffahren.

Quelle: (SN).

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