Chronik

Nichts geht mehr in der Eventbranche

16. März 2020. Ein schwarzer Tag für die Eventbranche. Von einer Stunde auf die andere ist es ruhig geworden. Keine Feste, keine Konzerte, keine Messen. Kreativ muss man sein, um in diesem Bereich zu überleben.

Die Kühe im Stall wurden in Lukasedt seit ein paar Jahren von meterhohen Alutraversen, Lautsprecher- und Lichtanlagen und dergleichen abgelöst. Im Lager der GW-Eventtechnik in Nußdorf trifft Firmeninhaber Stefan Gschaider mit seiner Schwester Sonja Gschaider auf ihre Geschäftspartner Florian Pichler und Sebastian Klein.

Gemeinsam haben sie schon viel Tolles zuwege gebracht wie etwa den Bühnenaufbau und Licht- und Ton-Ausstattung für die "Lange Nacht der Kirchen" oder das "Recon Event of Solidarity" mit den Seern und dem Nockalm Quintett. Der 23-jährige Sebastian Klein ist Musiker der Gruppe "The Oceans" und organisiert innerhalb seiner Multimedia-Agentur OCNS Media-Veranstaltungen, Konzerte etc., bringt sich mit Licht und Sound ein und steht den Kollegen der Eventtechnik beratend zur Seite.

"Livestreaming" ist nicht mehr als ein Überlebenszeichen

Damit ist seit Mitte März aufgrund der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Covid-19-Virus Schluss. Dann war es aus mit bis zu 15 Schulbällen in Stadt und Land, Veranstaltungen im Lehrbauhof, Jubiläums-, Markt- und Stadtfesten im Flachgau, aus mit der "Langen Nacht der Kirchen", wo seit mehreren Jahren mehr als 50 Plätze bespielt werden.

Aus der Not heraus haben sich die kreativen Köpfe das "Livestreaming" - die Echtzeitübertragung in Bild und Ton - angeeignet. "Mittlerweile haben ,Livestreams' eine große Bedeutung", sagt Stefan Gschaider. Sie seien jedoch nur ein kleiner Geschäftszweig, "ein Mittel zum Zweck, da bleibt nichts hängen".

Mit der Video-Ausstattung von Sebastian Klein hat die GW-Eventtechnik rund um Ostern an die 30 Messen und Gottesdienste von Anthering über Mülln, Nußdorf bis zur Kollegienkirche in Salzburg bespielt.

Sind normalerweise der Bühnenaufbau und die Veranstaltungstechnik die Haupteinnahmequellen in der Branche, haben sich viele - so auch Gschaider und Pichler - vermehrt der Gastronomie-Ausstattung zugewandt. "Wir machen Beleuchtung, Beschallung, Wärmetechnik mit beispielsweise Infrarotstrahlern", sagt der 40-Jährige. Er lernte im zweiten Bildungsweg Elektrotechnik, "das kommt mir jetzt zugute". Und braucht er Unterstützung, eilen Kollegen wie Michael Herzog von Autrenalin Media aus Lamprechtshausen, Schwester Sonja Gschaider - sie macht gerade eine Ausbildung zur Huforthopädin - und Florian Pichler aus Oberndorf zuhilfe. Der Vater des Eventtechnikers, Rupert Pichler, hat das Unternehmen "Pansound" gegründet, wo Sohn Florian Veranstaltungstechnik gelernt und es danach weitergeführt hat. Sie statteten auch das Red-Bull-Eishockey- und -Fußballstadion licht- und tontechnisch aus.

"Corona hat mir die Entscheidung abgenommen, welchen Weg ich gehe", sagt der 34-Jährige. So führt er mit seiner Lebensgefährtin den Oberndorfer Bio-Betrieb "Schmuckbauer".

Messebauer hat es arg erwischt

Wieder zurück zur Gastronomie: Seit 2009 hat Stefan Gschaider mit den Lürzer-Hotels in Obertauern begonnen, sie technisch auszustatten. "Heute habe ich mehrere Kunden", sagt er. Breit aufgestellt seien die vier in der Eventbranche Tätigen, "doch jene, die lediglich vom Messebau leben, denen geht's gar nicht gut". Heuer wird es nur wenige Veranstaltungen geben, "das größte Problem sei, dass der Veranstalter das Risiko trägt. Und da hängt die ganze Kette dran", sagt Sebastian Klein. Bis auf kleine Veranstaltungen wie das Hopfenerntefest in Obertrum sei im Sommer deshalb nicht viel passiert.

Das heurige Jahr ist bereits gelaufen

Das heurige Jahr sei für alle bereits gelaufen. "Wir sind gespannt, ob die Stille-Nacht-Gedenkfeier in Oberndorf heuer stattfinden wird." Ihre Prognose 2021 betreffend , lautet zurückhaltend: "Bis zum Frühsommer wird sich nicht viel abspielen, Ballsaison und Fasching wird es ohnehin nicht geben." Als Grund dafür kommt wieder die Angst vor dem Risiko der Veranstalter ins Spiel.

Heuer lassen Klein & Co. noch mit der "Nacht der 1000 Lichter" in der Kollegienkirche und anderen Kirchen am 31. Oktober aufhorchen. "Eigentlich möchten wir nur arbeiten. Wir sind es leid, immer als Bittsteller dargestellt zu werden", sind sich die Eventtechniker und -organisatoren einig. "Uns wurde die Lebensgrundlage entrissen." Nun heißt es für sie, weiter kreativ zu sein, vorstellbar ist auch ein vermehrtes Angebot von Videokonferenzen für Unternehmen.

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