Chronik

Niedriger Fischbestand alarmiert

Bezirksfischermeister Reinhard Riedlsperger zeigt aktuelle Probleme auf.

Ein Bachsaibling wird in die Salzach zurückgesetzt. Landesfischermeister Gerhard Langmaier schrieb in der Zeitung des Verbandes unlängst: „Aufgrund der Praktik – Fisch fangen, Foto machen, auf Facebook stellen und anschließend wieder freilassen – ist Catch & Release in Verruf geraten.“  Bild: Fischerei Bräurup SN/sw
Ein Bachsaibling wird in die Salzach zurückgesetzt. Landesfischermeister Gerhard Langmaier schrieb in der Zeitung des Verbandes unlängst: „Aufgrund der Praktik – Fisch fangen, Foto machen, auf Facebook stellen und anschließend wieder freilassen – ist Catch & Release in Verruf geraten.“  Bild: Fischerei Bräurup

Sämtliche Sorgen der Fischer kommen beim Bezirksfischertag auf den Tisch, am Freitag war es wieder so weit. Die PN haben Auszüge aus der Rede von Reinhard Riedlsperger zusammengetragen.

"Grenzwertige Bedingungen" in den Flüssen und Bächen

"Die Fischerei in den Fließgewässern ist im vergangenen Jahr sehr schlecht verlaufen. Es hat zwar einige kapitale Fänge gegeben, aber man soll sich nicht über die brisante Situation hinwegtäuschen lassen. Der Sommer war extrem trocken, es gab teilweise eine extreme Wassernot, die Wassertemperaturen waren ungewöhnlich hoch. Die Fische waren Stress ausgesetzt. Teilweise haben Bestände elektrisch abgefischt und umgesiedelt werden müssen, damit sie nicht verenden. Es war eine grenzwertige Situation für die Fische. Das wirkt sich speziell auf die empfindliche Bachforelle aus. Die Äsche ist sowieso extrem gefährdet und im Bestand rar geworden."

Bestand teilweise ein Hundertstel des Sollwertes

"Was mir sehr große Sorgen macht, sind die niedrigen Bestandszahlen. Wir haben ein paar Bestandsaufnahmen gemacht. In der Urslau zwischen Saalfelden und Maria Alm wurde eine Fischdichte von nur 3,2 Kilogramm pro Hektar festgestellt, normal wären 100 Kilogramm. In einer Restwasserstrecke in Maria Alm beim Kraftwerk Lohninger haben wir überhaupt nur mehr ein Kilogramm pro Hektar. Also ein Prozent des Wertes, der dort vorhanden sein sollte. Das ist sehr bedenklich. Noch dazu in Abschnitten, wo keine Fischerei betrieben wird. Welche Gründe gibt es: Extremes Wetter mit Hochwässern, hohe Wassertemperatur mit niedriger Wasserführung, großer Fraßdruck durch Prädatoren - speziell Fischotter und Fischreiher -, die Ufervegetation wird gerodet, Insekten werden weniger, die Landwirtschaft ist eine Industrie geworden, Wasser wird intensiv genutzt für Beschneiung, Kraftwerke und so weiter. In gewissen Abschnitten wurden auch schon erstaunlich wenige Reiher gesehen, wahrscheinlich, weil sie zu wenig zu fressen finden. Es ist teilweise nicht einfach für einen Fischer, unter all den Umständen den Idealismus zu bewahren. Das sind Fakten, die mich traurig machen."

Catch & Release: "Ethisches Handeln ist gefragt"

"Da gab es in letzter Zeit große Diskussionen. Meiner Meinung nach ist ein ethisches Handeln der Fischer gefragt und unerlässlich. Dass einem Fisch nur zum Spaß Leid zugefügt wird, das darf nicht sein. Auf der anderen Seite soll es dem Fischer überlassen bleiben, was er mit seinem Fang macht. Wenn heute jemand in der Saalach eine Äsche fängt, nimmt er sie kaum noch mit. Da freut man sich so, dass man sie wieder ins Wasser gibt. Oder etwa bei einem schönen, großen Exemplar. Eine gewisse Freiheit braucht der Fischer."

Kampf bis zuletzt gegen das Saalach-Kraftwerk

"Das Wasserkraftwerk Unken-Schneizlreuth ist nach wie vor in Planung. Es wurde elektrizitätsrechtlich eingereicht, wasserrechtlich noch nicht. Wir Fischer sind prinzipiell keine Kraftwerksgegner, aber es gibt bestimmte Bereiche, die müssen in Frieden gelassen werden. Das ist der letzte Bereich der Saalach, der noch mäandriert, wo wir auch noch einen guten Lebensraum für die Äsche haben. Der Pinzgau hat mit seinen vielen Kleinkraftwerken schon einen erheblichen Beitrag zur Wasserkraft im Land Salzburg geleistet. Ich ersuche die Politik, das genau abzuwägen und sich gut zu überlegen, ob so ein Projekt nicht mehr Schaden als Nutzen anrichtet."

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Aufgerufen am 25.10.2020 um 09:58 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/niedriger-fischbestand-alarmiert-68627530

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