Chronik

Nur ein "Wahlzuckerl" oder echte Hilfe fürs Ehrenamt?

Freiwillige Helfer bei Hochwasser, Murenabgängen, Schneechaos oder Großbränden: Für viele Betriebe ist es eine Herausforderung, wenn Mitarbeiter wegen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ausfallen.

Der Großarler Ortsfeuerwehrkommandant Sepp Prommegger kennt das Problem: Nachdem der Starkregen eine Spur der Verwüstung hinterlassen hatte, fiel ein Drittel seiner Angestellten, genauso wie er, tagelang aus, weil sie als Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr mitanpacken mussten.

Sie evakuierten Häuser, brachten Menschen aus Gefahrenzonen, sicherten betroffene Gebäude, pumpten Keller aus oder schaufelten Schlammmassen weg. Die einsatzintensiven Tage jetzt kurz vor der Wintersaison waren für die Arbeitgeber in den Tälern des Innergebirgs, die ihre Mitarbeiter dafür freistellten, keine Kleinigkeit.


Bundesgesetz, das Arbeitgeber entschädigen soll

Nach den Murenabgängen waren allein im Pinzgau 1410 Feuerwehrleute von 26 Feuerwehren - insgesamt sind es 29 - im Einsatz. Viele davon fast rund um die Uhr. Das ergab Tausende Stunden. Die Helfer wurden dafür von ihrer Arbeit freigestellt oder konsumierten Urlaubstage.

Prinzipiell hätten die meisten Arbeitgeber viel Verständnis, sagt Zells Feuerwehrkommandant Peter Onz: "Allein die Schmittenhöhebahn hat zehn bis zwölf Arbeitnehmer jeweils für ein bis zwei Tage freigestellt, bei voller Bezahlung. Auch kleinere Firmen wie etwa die Phönix Reinigung gaben Leute frei. Das muss man intern schon gut organisieren. Einige unserer Leute mussten auch Urlaub nehmen, das ist zum Teil schwierig, denn gerade in unserer Tourismusregion braucht man jetzt die Arbeitskräfte zur Vorbereitung auf die Wintersaison."

Die Zeller Feuerwehr hat bei diesem tagelangen Unwettereinsatz mehr als 5500 Stunden gearbeitet. Mit Leuten aus den Nachbargemeinden waren rund 150 Mann im Einsatz. "Die Unterstützung durch die Arbeitgeber ist von großer Bedeutung , ohne diese ginge es nicht", sagt Onz. "Bei Katastrophen wie dieser bist du auf die Freiwilligen angewiesen."

Seit 2. Juli gäbe es eigentlich ein im Nationalrat beschlossenes Gesetz, das für Arbeitgeber hier eine Erleichterung vorsieht: So sollen jene Arbeitgeber in der Privatwirtschaft einen Bonus ("Einsatzprämie") in Höhe von 200 Euro pro Tag erhalten, die im Einvernehmen und bei Großschadensereignissen (mindestens 100 Einsatzkräfte, Mindestdauer acht Stunden) einen Arbeitnehmer vom Dienst freistellen und das Entgelt fortzahlen.

Ob diese neue Regelung auch für die aktuellen Murenabgänge gelte, sei aber noch offen und bei den betroffenen Einsatzorganisationen wie der Feuerwehr oder auch der Bergrettung weiß noch niemand Genaueres.

Landesfeuerwehrkommandant Günter Trinker bestätigt diesen im Nationalrat - auch auf langjähriges Betreiben der Feuerwehr - beschlossenen Bonus für Arbeitgeber: "Für die Arbeitgeber wäre eine steuerliche Entlastung ein Anreiz." Trinker kennt allerdings keine Details, wie dies organisatorisch abgewickelt werden muss: "Es soll noch Gespräche von Bund und Ländern geben, wer das bestätigt und wie das genau zu handhaben ist."

Die Befürchtung vieler Betroffener ist, dass dies eine komplizierte und bürokratisch aufwendige Abwicklung benötigen werde und viele Arbeitgeber daher schon von vornherein abwinken würden. Seit vielen Jahren wird diskutiert, wie Freiwilligenarbeit unterstützt werden kann und Arbeitgeber dazu motiviert werden können, ihre Mitglieder bei der Feuerwehr oder Rettung auf freiwilliger Basis für die Einsätze freizustellen.

"Das Ehrenamt muss für alle attraktiv bleiben"

Denn es sei eine der größten Herausforderungen für die Zukunft des Ehrenamtes, dass dieses für Arbeitgeber, aber auch für die ehrenamtlich Tätigen, weiterhin attraktiv bleibe. "Deshalb soll diese steuerliche Entschädigung auch möglichst unkompliziert abgewickelt werden können", hofft Trinker, denn die Feuerwehr brauche auch für die alltäglichen Einsätze mögliche Bonussysteme.

Im Pinzgau, Pongau und Lungau standen in den letzten Wochen auch viele Mitglieder der Bergrettung im Hilfseinsatz. Der Landesleiter der Bergrettung kennt ebenso keine Details des neuen Gesetzes: "Wahrscheinlich würde es die Bergrettung auch nur bei langwierigen Sucheinsätzen treffen", meint Balthasar Laireiter, der mit den wenigen vorliegenden Details - die auf einen großen bürokratischen Aufwand hinweisen - keine existenzielle Wichtigkeit für Einsatzorganisationen wie für die Bergrettung sieht. "Es braucht aber dringend Anreize für das ehrenamtliche Engagement", meint er, "ob das jetzt eine Anrechnung von Pensionszeiten für Ehrenamtliche oder eine Steuerentlastung für Arbeitgeber ist."

"Gesetz hängt derzeit noch in der Luft"

Der Landesfeuerwehrkommandant rechnet sich eine möglichst rasche Ausarbeitung des Gesetzes aus: "Ich sehe es positiv, dass ein erster Schritt getan wurde und etwas passieren soll. Die Unterstützung des Landes ist uns jedenfalls zugesagt worden."

Christian Pucher, zuständiger Pressesprecher im Büro des Landeshauptmannes Wilfried Haslauer, meint, dass dieses im Sommer beschlossene Gesetz aufgrund der Regierungsneubildung auf Eis gelegt wurde.

"Natürlich ist es für Betriebe eine Belastung, wenn ihre Mitarbeiter in Einsatz gehen und, so wie jetzt kurz vor der Saison, der Betrieb steht." Pucher bestätigt, dass es eine gesetzliche steuerliche Entlastung für Betriebe geben soll: "Doch es gibt noch ungeklärte Details." Der Landeshauptmann unterstütze jedenfalls das Ehrenamt und diese Diskussion: "Wir leben in Salzburg vom Ehrenamt und müssen es noch stärker fördern." Derzeit hänge durch die Neubildung der Regierung nur noch einiges in der Luft; man hoffe jedoch auf eine rasche Umsetzung mit der neuen Bundesregierung.

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