Chronik

Nur einzelne türkische Prüfungen in Salzburger Fahrschulen

Salzburgs Fahrlehrer haben es häufig mit nicht deutschsprachigen Schülern zu tun. Die türkische Führerscheinprüfung würden sie nicht einsparen - für sie gäbe es Wichtigeres.

Doris Koch mit Vater Willi: „Hatten genau einen Kandidaten, der Prüfung auf Türkisch wollte.“  SN/ANTON PRLIC
Doris Koch mit Vater Willi: „Hatten genau einen Kandidaten, der Prüfung auf Türkisch wollte.“

Bei der Fahrschule Koch herrscht Hochbetrieb. Eigentümer Willi Koch ist derzeit selbst als Fahrlehrer unterwegs, genauso wie Tochter Doris. 70 Prozent ihrer Schüler hat die Fahrschule von Juni bis September. Die Diskussion um das Ende der türkischen Führerscheinprüfungen hat die Familie Koch verfolgt. Wirklich betreffen würde sie das Thema nicht, sagt Doris Koch. "Wir hatten heuer genau einen einzigen Kandidaten, der die Führerscheinprüfung auf Türkisch absolvieren wollte."

Auch in anderen Fahrschulen in Salzburg werden nur einzelne türkische Prüfungen absolviert. Minister Norbert Hofer (FPÖ) hatte ja angekündigt, die neuen Fragenkataloge der Führerscheinprüfung nicht mehr auf Türkisch übersetzen lassen zu wollen. Künftig wird es nur mehr Prüfungen auf Deutsch, Englisch, Kroatisch und Slowenisch geben.

Fremdsprachige Prüflinge gebe es auch bei der Fahrschule Koch jede Menge, sagt Doris Koch. "Wir haben etwa häufig Englisch sprechende Menschen, die in Salzburg berufstätig sind. Die können dann auch die Prüfung auf Englisch machen. Beim Lernen tun die sich häufig schwer: Die offiziellen Prüfungsunterlagen gibt es nur auf Deutsch."

Wolfgang Hauptmann, Inhaber der Fahrschule Zaunschirm am Salzburger Bahnhof, berichtet ebenfalls, dass bei ihm lediglich eine Handvoll Prüflinge die Prüfung auf Türkisch absolvieren wollen. "Und die meisten davon können ohnehin Deutsch." Er habe aber sehr viele Kandidaten aus dem Flüchtlingsbereich, die sich bereits bei den Fahrstunden sehr schwer täten. "Fahrprüfungen in ihrer Muttersprache gibt es ohnehin nicht. Da wird es dann schwierig, bei der Prüfung eine Zusatztafel zu erklären."

Die Diskussion um die türkische Prüfung empfinde er jedenfalls als unnötig. "Da könnte man an anderer Stelle sinnvoller Geld sparen." Auch Fahrschulbesitzer Willi Koch sieht andere Themen, die bei der Führerscheinprüfung wichtig wären - auch was ausländische Kandidaten betrifft. "Wenn jemand einen ausländischen Führerschein hat, braucht er für die Anerkennung nur eine praktische Prüfung. Und dann sitzt der möglicherweise im Auto, ohne eine Ahnung von den Verkehrsregeln zu haben. Hier könnte der Gesetzgeber durchaus strenger sein."

Ein größeres Problem ist für Willi Koch ohnehin ein ganz anderes. So habe man in seiner Branche Probleme mit dem Fahrlehrer-Nachwuchs. "Früher haben wir die Leute selbst ausgebildet. Jetzt muss man das für viel Geld in eigenen Ausbildungsstätten machen. Früher haben uns oft Studenten im Sommer ausgeholfen. Das gibt es jetzt kaum noch." Er setzt auf Hilfe aus der Familie. Neben Tochter Doris, die den Betrieb in ein paar Jahren übernehmen soll, hilft auch sein Sohn im Sommer aus.

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