Chronik

Obdachlose essen gratis: Eine warme Suppe gegen die eisige Kälte

Wer kein Dach über dem Kopf hat, muss im Salzburger Restaurant Hayat für Essen und Trinken nichts bezahlen.

Rabie Hijazi verteilt in seinem Restaurant kostenlos Suppe an Obdachlose. SN/klinger
Rabie Hijazi verteilt in seinem Restaurant kostenlos Suppe an Obdachlose.

Manuel sitzt im hintersten Eck des Lokals Hayat in der Auerspergstraße und löffelt einen Teller Suppe. Für den 21-Jährigen ist es am Freitagmittag die erste warme Mahlzeit des Tages. Der gebürtige Ukrainer lebt seit zwei Jahren auf der Straße.

Bezahlen muss Manuel für seine Linsensuppe nicht. Seit wenigen Tagen speisen Obdachlose im arabischen Restaurant von Rabie Hijazi kostenlos. "Am Dienstag habe ich vor einem McDonald's-Restaurant eine ältere zitternde Dame gesehen - da wusste ich, dass ich etwas unternehmen muss", sagt der 28-Jährige. Bis auf Weiteres erhalten Menschen ohne ein Dach über dem Kopf bei ihm eine Suppe und eine Tasse Tee. "Die Aktion läuft, solange es in den Nächten nicht wieder deutlich wärmer wird", sagt Hijazi. Nach dem Essen darf sich jeder Obdachlose noch in seinem Lokal aufwärmen. "Wenn jemand eine Stunde bleibt, ist das völlig in Ordnung. Wir schmeißen sicherlich niemanden einfach so hinaus."

Manuel ist der Erste, der das Angebot im Hayat nutzt. Wirklich wohl fühlt sich der 21-Jährige nicht dabei. "Es ist mir irgendwie unangenehm, neben den anderen Gästen zu sitzen", sagt der Ukrainer. Mit seiner Wollmütze, einer orangen Winterjacke samt Jogginghose hebt er sich deutlich von den anderen Besuchern ab. "Die Lokalbetreiber sind sehr nett. Sie haben mir sogar eine Suppe als Wegzehrung mitgegeben." Für Hayat-Chef Hijazi ist das eine Selbstverständlichkeit: "So helfe ich dem Mann am meisten. Würde ich ihm Geld geben - wer weiß, was er damit anstellen würde."

Seit einem heftigen Streit mit seiner Mutter vor zwei Jahren lebt Manuel auf der Straße. Für eine eigene Wohnung fehle ihm das Geld. Der 21-Jährige würde gern in eine Wohngemeinschaft ziehen. "Ich würde auch meinen Teil beitragen", sagt Manuel. Knapp 500 Euro habe der Ukrainer jeden Monat zur Verfügung. Einen Job hat er nicht: "Ich habe leider keine Ausbildung." Die kommenden eiskalten Nächte will er in einer der Notschlafstellen für Obdachlose verbringen.

Gastronom Hijazi wünscht sich, dass seine Aktion rasch Nachahmer findet. "Es gibt so viel Hass auf dieser Welt. Hoffentlich schließen sich weitere Salzburger Restaurants der Idee an", sagt der gebürtige Deutsche mit arabischen Wurzeln. Sachspenden nimmt Hijazi ebenfalls gern entgegen: "Wir haben im Keller ein großes Lager für Decken und Kleidung." Die Spenden möchte der 28-Jährige an Obdachlose verteilen.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 12:07 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/obdachlose-essen-gratis-eine-warme-suppe-gegen-die-eisige-kaelte-508774

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