Chronik

Ohne Lenkrad in der Hand will sie nicht leben

Taxifahren ist ihre Leidenschaft und fahren will sie so lange wie nur irgend möglich und sie das "Lenkrad halten kann". Insgesamt sind in Salzburg nur zehn Prozent Taxifahrerinnen unterwegs - doch der Bedarf steigt ständig.


Auf den Mund gefallen ist Renate Klinger (70) nicht, und ein "X" für ein "U" macht ihr auch so rasch keiner vor. Menschliches - von Körperausdünstungen bis zu alkoholisierten Fahrgästen - ist ihr ebenso kaum fremd. "Ich habe immer eine Wickelunterlage als Sitzschutz mit, für alle Fälle."

Zwei Mal wurde sie in ihrer Laufbahn attackiert, einmal konnte sie sich selbst wehren. Der zweite Angriff von ein paar randalierenden Jugendlichen brachte sie mit Knochenmarksödem ins Krankenhaus. "Trotzdem, Angst hatte ich noch nie, ich fahre am Tag oder in der Nacht, wann ich halt gebraucht werde", schildert sie. Einzig zwischen ein und fünf Uhr früh hat sie die Fahrten mittlerweile eingestellt. Was sie sich nicht nehmen lässt, ist die Silvesternacht. "Da fahre ich immer, die ganze Nacht lang, und das ist die beste Nacht des ganzen Jahres", gibt sie zu.

Wachsende Konkurrenz

Renate Klinger hat 1980 in der Funktaxi-Zentrale 8111 begonnen. Nach zwei Jahren und der absolvierten Taxilenkerprüfung ist sie fix als Chauffeurin eingestiegen. "Zehn Jahre lang war ich selbstständige Taxi-Unternehmerin, und jetzt helfe ich wieder aus, seit ich in Pension bin."

Die Zeiten haben sich geändert in ihrer 38-jährigen Karriere. "Früher gab es viel mehr Zusammenhalt und auch Zusammenhelfen unter den Lenkern, heute sind sehr viele Nichtfunker unterwegs, und die Konkurrenz wächst ständig", gesteht sie.

Immer weniger Frauen

Aber sie hat sehr viele Stammkunden, die sie gezielt verlangen, u.a. auch, weil sie eine Frau ist. "Die Frauen werden immer weniger in der Branche, dabei bräuchten wir viel mehr. Die Nachfrage ist enorm, vor allem ältere Damen oder wenn jemand ein Kind per Taxi wo hinschickt. Ich denke, es geht heutzutage sehr viel Angst um." Herren, die gezielt eine Dame bestellen, hat sie nicht so gerne. "Man weiß ja nie."

Ihren berühmtesten Fahrgast hat sie 17 Jahre lang betreut und war seine Privatchauffeurin: Edward Heath, der ehemalige britische Premierminister. "Ein wahrer Sir", sagt sie.

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