Chronik

Omikron: Coronalage in Salzburg spitzt sich zu

Die Coronalage im Bundesland Salzburg hat sich von Dienstag auf Mittwoch durch die hochansteckende Omikron-Variante dramatisch entwickelt. 1587 Neuinfektionen binnen 24 Stunden entsprechen bereits dem Spitzenfeld der vierten Welle im Herbst, wie das Land Salzburg mitteilt. Vor allem in Flachau steigen die Zahlen explosionsartig.

 SN/AFP
  • Omikron verbreitet sich in Skigebiten Salzburgs
  • Diskussion um Nachtslalom in Flachau
  • Salzburg hat höchste Sieben-Tages-Inzidenz Österreichs

In Salzburg ist die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen von Dienstag auf Mittwoch erneut stark angestiegen. Wie im Frühjahr 2020 verbreitet sich das Virus derzeit vor allem in den Skigebieten des Landes rasant. In Flachau, wo am 11. Jänner der Weltcup-Nachtslalom der Damen über die Bühne gehen soll, lag die Sieben-Tage-Inzidenz in der Früh bei 7627 - ein Wert, bei dem noch Ende Oktober andere Salzburger Gemeinden längst unter Ausreisebeschränkungen gestellt worden waren.

Der Bürgermeister von Flachau, Thomas Oberreiter, versucht aber zu kalmieren. Zum einen müsse man die Zahlen in Relation setzen. "Wir haben gut 3000 Einwohner, derzeit halten sich mit Gästen und Bediensteten aber 15.000 bis 16.000 Menschen im Ort auf. Wir sind im Moment eine Kleinstadt." Zum anderen brauche von den 230 aktiven Fällen momentan kein einziger medizinische Behandlung. "Die Hälfte der Betroffenen, in der Regel junge Leute, ist auch ohne Symptome."

Auch in anderen Tourismusorten dürften die Infektionszahlen wohl ähnlich hoch liegen, ist Oberreiter überzeugt. In Flachau werde aber verstärkt getestet. "Wir haben ein eigenes Testcenter, wo sich auch viele Leute, die genesen oder geimpft sind, regelmäßig testen lassen - etwa alle Skilehrer", sagt Oberreiter. Bei rund 60 Prozent der Infizierten handle es sich um Tourismusmitarbeiter oder Skilehrer, bei rund 40 Prozent um Menschen aus dem Ort.

Problematisch sei die hohe Zahl an Infizierten für die Betriebe in Flachau. Mehrere Gasthäuser mussten schließen, weil Mitarbeiter fehlen. "Auch die Skischulen fahren im Notbetrieb, es gibt keinen Gruppenunterricht mehr", berichtete der Ortschef. "Es wäre darum wichtig, die Quarantänezeit zu verkürzen oder - wenn keine Symptome auftreten - ganz zu streichen."

Nachtslalom in Flachau: "Wir überlegen, abzusagen"

Coronavirus und Omikron-Variante schweben auch über dem Nachtslalom am 11. Jänner: "Wir diskutieren, ob wir das Rennen absagen sollen", so Oberreiter, der auch Präsident des Organisationskomitees ist. Er denke aber, dass der Weltcup ohne Zuseher gefahrlos möglich sei, auch weil sich der Tross in abgeschirmten Bereichen bewege. "Es haben sich zuletzt vereinzelt Läuferinnen infiziert, ein strenges Covid-Konzept dürfte eine Durchführung aber möglich machen."

Wie viele Touristen oder Tourismusmitarbeiter derzeit im Bundesland Salzburg infiziert sind, ist unklar. Viele Gäste dürften sich dem Vernehmen nach wegen der Gefahr einer Quarantäne während ihres Aufenthalts gar nicht testen lassen. Werden Urlauber dennoch positiv getestet, werden sie in ihren Zimmern abgeschottet - oder sie reisen ohne Zwischenstopp mit dem Auto nach Hause. "Es gibt aber eine Reihe von Fällen, wo das nicht so leicht möglich ist", erklärte Gesundheitsreferent LH-Stv. Christian Stöckl (ÖVP) am Mittwoch im APA-Gespräch.

Bei einem positiven Test werden Flugreisende etwa nicht im Flieger mitgenommen. Auch das Zimmer im Hotel werde in der Regel wieder vergeben, in manchen Unterkünften ermögliche es die Bauweise zudem nur schwer, Menschen gut abzusondern. "Wir müssen hier darum Vorsorge treffen", sagte Stöckl. "Leider haben wir keine Erfahrungswerte, wie hoch der Bedarf sein wird. Im Vorjahr haben wir zwar zwei Hotels als Quarantänequartier vorbereitet, es hat dann aber keine Saison gegeben."

Von der Idee, das Kurzentrum in Goldegg zur Herberge für positiv getestete Touristen umzufunktionieren, habe man nach Protesten der Landesstelle der ÖGK wieder Abstand genommen, sagte Stöckl. Diese brauche das Haus etwa für Rehabilitation nach Operationen. "Wir wollen aber noch diese Woche 70 bis 80 Einheiten finalisieren, wo wir im Jänner und Februar infizierte Urlauber unterbringen können." So sollen mehrere kleinere und leer stehende Hotels umfunktioniert werden - zumal das derzeit einzige Quarantänequartier des Landes in Tamsweg (Lungau) nur mehr bis Ende Jänner zur Verfügung stehe. Dort sind laut dem Betreiber, dem Roten Kreuz Salzburg, derzeit 16 von 76 Betten belegt, allerdings nicht ausschließlich von Touristen.

Salzburg hat höchste Sieben-Tage-Inzidenz

Die Gesundheitsbehörden im Land haben am Mittwoch 1587 neue Fälle gemeldet, im Bundesländervergleich hat Salzburg damit wieder die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in Österreich. Spitzenreiter bei den Bezirken ist mit 1677 der Pongau, gefolgt vom Lungau mit 1173. In 30 der 119 Salzburger Gemeinden liegt die Inzidenz bei über 1000. Die Lage in den Spitälern sei aber noch stabil, teilte das Land mit. Insgesamt waren Mittwoch früh 60 Covidpatienten im Krankenhaus, 17 davon auf der Intensivstation. Allerdings wirken sich laut Experten viele Neuinfektionen erst zeitversetzt auf die Spitalsbelegung aus.

Gernot Filipp, Leiter der Landesstatistik, fasst die Coronalage in Salzburg so zusammen: "Es ist eine sehr starke Beschleunigung des Infektionsgeschehens. Diese 1587 Neuinfektionen liegen im Spitzenfeld der vierten Welle im November, und das ist erst der Anfang. Die Omikron-Variante zeigt die volle Wirkung, es wird auch in den kommenden Tagen zu sehr starken Anstiegen kommen. Regional ist es jetzt noch unterschiedlich, aber die Zahlen steigen in allen Bezirken deutlich."

Vor allem Junge sind infiziert

Laut Filipp trifft es wieder hauptsächlich die jungen Erwachsenen. Die 7-Tage-Inzidenz bei den 15- bis 24-Jährigen ist mit 2150 am höchsten. Bei den über 65-Jährigen beträgt sie nur 120. "Nach wie vor korrelieren hier Impfrate und Neuinfektionen. Je höher die Impfrate, desto niedriger die Inzidenz", sagt Filipp.

Der Reproduktionswert liegt heute in Salzburg schon bei 1,4. "Das heißt, zehn infizierte Personen stecken weitere 14 an. Das Virus breitet sich also stark aus", so Gernot Filipp, und er fügt hinzu: "Dieser Wert ist ein weiteres Indiz, dass die Zahlen auch in den kommenden Tagen deutlich steigen werden. Es tritt das ein, was Experten seit Wochen nach Feststellung der Omikron-Variante prognostiziert haben."

Während vierter Welle 35 Kinder im Spital

Im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Landeskrankenhauses Salzburg war die vierte Coronawelle im Herbst 2021 die mit Abstand heftigste. Im letzten Jahresviertel waren in Summe 35 Kinder wegen Covid stationär in Behandlung, das ist beinahe die Hälfte aller Fälle im Jahr 2021, in dem insgesamt 80 Kinder und Jugendliche im Bundesland mit dieser Diagnose hospitalisiert waren, sagte der Leiter Daniel Weghuber am Mittwoch zur APA.

Zwei Drittel der Kinder, die während der vierten Welle ins Spital mussten, hatten keinerlei Vorerkrankungen. "Das jüngste Kind, das wir stationär behandelt haben, war zwei Wochen alt. Es wäre fast gestorben", schilderte Weghuber. Ein junger Patient hat die Erkrankung nicht überlebt. Und jedes dritte Covid-Kind am Uniklinikum - konkret waren es zwölf - litt am Hyperinflammationssyndrom PIMS, das ist eine überschießende Immunreaktion nach einer Covid-Erkrankung. Alle diese Kinder haben intensivmedizinisch behandelt werden müssen, so der Klinikvorstand.

Die 80 im Vorjahr in einem Salzburger Spital behandelten Kinder seien "um ein Vielfaches" mehr gewesen als noch im ersten Coronajahr 2020. Aktuell, also am Beginn der fünften Welle, ist die Situation im Kinderspital hingegen noch entspannt. Nur vereinzelt würden derzeit Kinder mit der Diagnose Covid aufgenommen, heute etwa sei kein einziges Kind in stationärer Behandlung.

Die Corona-Eckdaten in Salzburg:

1587 Neuinfektionen von Dienstag auf Mittwoch
4550 aktiv infizierte Personen im Bundesland
Reproduktionszahl 1,4
118 von 119 Gemeinden betroffen
7-Tage-Inzidenz nach Bezirken: Pongau (1677,1), Lungau (1173,1), Tennengau (852,6), Pinzgau (539,9), Flachgau (426,2), Stadt Salzburg (409,2) und Bundesland Salzburg (694,1)
In 67 Gemeinden überschreitet die 7-Tage-Inzidenz den Wert von 500, in 30 Gemeinden liegt er über 1000.


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