Chronik

"Owa vom Gas": Salzburg startet Kampagne gegen Raserei

Ab September werden die Strafen für Raser massiv verschärft. Doch Strafen allein seien nicht genug. Als Ergänzung läuft nun eine neue Kampagne. Auf den Plakaten sind acht Salzburger für ganz unterschiedliche Zielgruppen zu sehen.

Ab 1. September treten in Salzburg höhere Richtsätze für Strafen bei Geschwindigkeitsübertretungen in Kraft. Es ist nach 2020 die nächste Verschärfung bei den Strafhöhen. Wer mit 91 km/h im Ortsgebiet erwischt wurde, der zahlte im Jahr 2019 noch maximal 290 Euro.

Derzeit wären 500 Euro fällig. Ab 1. September wären es 1600 Euro. Wer mehr als 70 km/h zu schnell unterwegs ist, für den sehen die neuen Richtsätze nun 3400 Euro an Strafe vor. "Wir sind mittlerweile das Bundesland mit den härtesten Strafen", sagt Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP).

Doch Strafen allein seien zu wenig. Das Land will nun mit einer neuen Kampagne das Bewusstsein für das Thema Rasen schaffen und das Maßnahmenpaket damit abrunden. "Zur Verhaltensänderung gehört eine Bewusstseinsänderung", meint Schnöll. Daher habe man eine neue Kampagne entworfen, die speziell auf die verschiedenen Zielgruppen eingehe. "Denn wie wir gesehen haben, gibt es ganz unterschiedliche Beweggründe, warum man rast."

Acht Salzburger als Testimonials

Nun gibt es acht Testimonials für die neue Kampagne "Owa vom Gas". Aushängeschild ist der erfolgreichste Rennrollstuhlfahrer Österreichs, Thomas Geierspichler aus Anif. "Ich bin auch kein Heiliger. Aber es geht einfach um das depperte Fahren, wo sie auf der Autobahn links und rechts schon daherkommen", sagt Geierspichler. Teilweise gehe es hier um Imponiergehabe, glaubt er. Und es laufe eben nicht wie in Filmen ab. "Die Realität ist eine ganz andere."

Auch Sabine Peterbauer ziert eines der neuen Plakate. Sie hält darauf ein Bild ihrer Tochter Kati in die Kamera. Die 27-Jährige starb im April 2020 auf der B1 zwischen Henndorf und Eugendorf, als ein Lenker trotz Überholverbots ausscherte und mit erhöhter Geschwindigkeit in den Wagen prallte. Sie hoffe, dass sich durch die Kampagne viele angesprochen fühlen würden. "Ich kämpfe darum, dass anderen dieses Leid erspart bleibt. Es ändert sich von einer Sekunde auf die andere das Leben." Peterbauer gibt auch zu bedenken, dass jeder Lenker auch Täter sein könne, wenn er ins Auto steige. "Und auch die Täterrolle kann ein ganzes Leben zerstören."

"Sterben is koa Spaß"

Der 37-jährige Markus aus Henndorf ist Teil der Kampagne als passionierter Motorradfahrer. "Spezl, owa vom Gas. Sterben is koa Spaß", heißt es auf dem Plakat, das ihn zeigt. Markus schildert, dass er vor zehn Jahren selbst einen Motorradunfall hatte. Er habe sich sehr sicher gefühlt, als er damals im Herbst unterwegs gewesen und zu schnell in eine Kurve gefahren sei. Der Henndorfer blieb unverletzt im Straßengraben liegen, sein Motorrad war ein Totalschaden. "Seither fährt der Respekt mit", erzählt er und appelliert an den Hausverstand seiner Zweirad-Kollegen.

Das Paar Katrin und Peter ist auf den Plakaten mit "Schatz, owa vom Gas" zu sehen. Die beiden haben eine sechsjährige Tochter. "Es gibt nichts Ärgeres, als wenn man ein Kind verliert", sagt Peter bei der Präsentation der Kampagne. Die beiden appellieren an Eltern, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Salzburgs Polizeidirektor Bernhard Rausch berichtet, dass es von 2019 auf 2020 eine Steigerung von über 100 Prozent bei Geschwindigkeitsdelikten gegeben habe. Für 2021 sehe es ähnlich aus. In den vergangenen Wochen und Monaten habe die Polizei viele Schwerpunktkontrollen durchgeführt und Kennzeichen teils an Ort und Stelle abgenommen.

Jungpapa Schnöll: "Plakat löst in mir etwas aus"

200.000 Euro werden in die neue Kampagne, die die Agentur IKP konzipiert hat, investiert. Der Schwerpunkt liegt auf der Zielgruppe der 18- bis 30-Jährigen. Sie versucht man in sozialen Medien darauf aufmerksam zu machen.

"Die Schicksale sind dramatisch", sagt Verkehrslandesrat Stefan Schnöll. Was beim Thema Alkohol gelungen sei, müsse auch beim Thema Rasen gelingen. Das Ziel sei, die Zahl der Verkehrstoten in den nächsten Jahren zu halbieren. Aber hält ein Plakat einen notorischen Raser davon ab, aufs Gas zu steigen? So naiv schätze man die Sache nicht ein, betont Schnöll. Aber die bewusstseinsbildende Kampagne diene als Ergänzung. "Ich habe eine acht Monate alte Tochter. Wenn ich das Plakat ,Papa, owa vom Gas' sehe, dann löst das etwas in mir aus. Und so hoffen wir, dass das bei den verschiedenen Zielgruppen etwas auslöst. Da muss man natürlich auch speziell werben", sagt Schnöll. Er glaube sehr wohl, dass die Kampagne ihre Wirkung nicht verfehle.

Weitere Abschnitte für Section Control geplant

Was Tempolimits betrifft, so hat das Land erst kürzlich auf der B156 im Flachgau Tempo 80 eingeführt. Bis Ende des Jahres soll auf diesem Abschnitt von Bergheim bis Oberndorf auch eine Section Control installiert sein. Die Analysen würden derzeit laufen. "Wir prüfen hier auch noch andere Stellen wie die B1 und die B311, damit wir die Section Control dann mobil zum Einsatz bringen können", sagt Schnöll. Im Schmittentunnel in Zell am See und im Schönbergtunnel in Schwarzach wurden vor mehreren Jahren die ersten Section Controls im Bundesland installiert.

Fahrzeugabnahme bei extremen Vergehen

Abgesehen von den Strafverschärfungen bei Rasern wird derzeit im Ministerium auch an einem Gesetzestext gearbeitet, um extremen Rasern im Wiederholungsfall das Auto abnehmen und beschlagnahmen zu können. Etwas, das in Österreich völliges Neuland wäre. Laut Schnöll soll bis Ende des Jahres ein Gesetzestext vorliegen. "Ich lasse mir das auch nicht ausreden. Weil schon wieder Fragen auftauchen, wie soll das bei Leasingfahrzeugen gehen. Es muss gehen. Und es soll schon die Grundlage dafür sein, dass wir dann auch einigen das Fahrzeug abnehmen können."

Aufgerufen am 20.10.2021 um 06:35 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/owa-vom-gas-salzburg-startet-kampagne-gegen-raserei-107223601

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