Chronik

In Salzburg gefasstes Duo soll zu Paris-Attentätern gehören

Ein Gericht in Salzburg beschloss nun die Auslieferung der mutmaßlichen IS-Terroristen Adel H. und Muhammad U. an Frankreich.

Paukenschlag im Fall von zwei als "brandgefährlich" geltenden Terrorverdächtigen, die bereits seit Mitte Dezember 2015 in der Justizanstalt Salzburg in Untersuchungshaft sitzen:

Wie SN-Recherchen ergaben, hat ein Salzburger Gericht Anfang Juli die Auslieferung des Algeriers Adel H. (29) und des Pakistaners Muhammad U. (35) an die Republik Frankreich bewilligt. Anlass für die Auslieferungsverhandlung war ein entsprechender Antrag der französischen Justiz: Das Duo stehe auf Basis der monatelangen intensiven Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nämlich in dringendem Verdacht, unmittelbar Teil des Netzwerks der IS-Attentäter von Paris gewesen zu sein. Bekanntlich hatte am 13. November ein Terrorkommando von Mitgliedern des "Islamischen Staates" bei einer Serie von Selbstmordattentaten 130 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Wie der "Kurier" vor einer Woche unter Verweis auf der Zeitung vorliegenden Informationen berichtet hatte, sollen die beiden auch als Selbstmordattentäter für Paris vorgesehen gewesen sein.

Im Fall des Algeriers Adel H. ist der Auslieferungsbeschluss offenbar schon rechtskräftig. Der Pakistaner Muhammad U. hingegen soll gegen die Entscheidung des Gerichts Beschwerde eingelegt haben. Die Salzburger Staatsanwaltschaft gab zu den jüngsten Entwicklungen "keinen Kommentar" ab. Zum wiederholten Mal betonte man bei der Strafverfolgungsbehörde, dass es sich um einen "Verschlussakt" handle.

Adel H. und Muhammad U. waren im Oktober im Flüchtlingsstrom und gemeinsam mit zwei der späteren Paris-Attentäter - Ahmad al-Mohammed und Mohammad al-Mahmoud - in den Schengenraum gereist. Konkret strandete das Quartett auf demselben Flüchtlingsboot am

3. Oktober auf der griechischen Insel Leros. Im Gegensatz zu den zwei späteren Massenmördern wurden der Algerier und der Pakistaner aber von der griechischen Justiz festgenommen. Grund: Ihre Reisedokumente schienen in einer Datenbank mit etwa 4000 vom IS gestohlenen syrischen Blankopässen auf. Ende Oktober wurden Adel H. und Muhammad U. dann jedoch freigelassen. Das Duo strandete schließlich in Österreich - die Pariser Anschläge waren zu diesem Zeitpunkt von ihren beiden Mitreisenden und weiteren IS-Terroristen bereits ausgeführt worden.

Aufgrund der in Griechenland genommenen Fingerabdrücke wurden Adel H. und Muhammad U. schließlich am 10. Dezember in einem Salzburger Flüchtlingslager erneut verhaftet - abermals wegen falscher Dokumente.

Wie die SN bereits im April berichtet hatten, sollen der Algerier und der Pakistaner im Ermittlungsverfahren zugegeben haben, von der Terrormiliz IS den Auftrag erhalten zu haben, in Frankreich Anschläge zu verüben. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Salzburg zudem bestätigt, dass die beiden verdächtig seien, konkrete Kontakte mit dem Pariser Terrorkommando gehabt zu haben. Rufdatenauswertungen ihrer Handys hätten laut "Kurier" auch ergeben, dass das Duo auch von Österreich aus Verbindungen zu IS-Terroristen gehalten habe und vom IS auch über eine Bargeldtransfer-Firma finanziell versorgt worden sei.

Extrem brisant ist auch, dass es sich bei dem Pakistaner einem Bericht der Londoner Zeitung "Sunday Times" zufolge um einen der Terrorbomber von Mumbai (Indien) handeln soll. Im Jahr 2008 waren bei Bombenanschlägen in der indischen Großstadt 166 Menschen getötet worden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte das nicht: Die tatsächliche Identität des 35-Jährigen sei noch nicht eindeutig geklärt.

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