Chronik

Pass-Lueg-Tunnel neu: Die Chance zum politischen Schulterschluss

Pendler und bahnreisende Urlauber wurden auf harte Probe gestellt - für die ÖBB gibt es Wichtigeres.

Zwei Wochen fiel der Bahnverkehr durch den Pass Lueg aus.  Brinek
Zwei Wochen fiel der Bahnverkehr durch den Pass Lueg aus. 

Im Landtag wird es einen Antrag geben, dass die (längst) vorhandenen Pläne für neue Bahntunnel am Pass Lueg schneller als 2030 - wie von der Bahn vorgesehen - in Angriff genommen werden. Ob diese Botschaft, unter anderem von Pongaus Wirtschaftskammer-Bezirkschef und Landtagsabgeordnetem Hans Scharfetter aus Bad Hofgastein, wirklich etwas bringt? Solche Schreiben liegen bei den zuständigen Stellen der ÖBB wohl zuhauf vor. Unter anderem sollte ja einst mit der Olympiabewerbung das Großprojekt umgesetzt werden. Die alte Trasse wäre so ideal für die Verbesserung des Tauernradweges, lautete ein Argument. Die Lawinengefahr ist ein Dauerthema, das bei den Entscheidungsträgern der ÖBB aber selbst nach dem wochenlangen Schienenersatzverkehr in diesem Winter zu keiner nachhaltigen Regung führt. Franz Hammerschmid von der ÖBB-Infrastrukturabteilung gegenüber den "PN": "Wir freuen uns, wenn Politiker den Bahnausbau fordern. Wir planen schon sehr lange. Es geht um Kosten von 450 Millionen Euro. Wenn man weiß, wie lange Behördenverfahren in Österreich dauern, dann ist Geduld gefordert. Ich erinnere nur an die Angerschluchtbrücke im Gasteiner Tal und wie lange die im Behördenverfahren hing."

Behördenverfahren wie bei der Angerschluchtbrücke dauern

Ins Spiel wird, neben den international wohl bedeutsameren Projekten Semmering, Koralm und Brenner, das fortgeschrittene Projekt Salzburg - Köstendorf gebracht, das 1,5 Milliarden Euro kosten soll.

Hammerschmid: "Für den internationalen Bahnverkehr ist die Strecke im Pongau nicht so relevant. Der Schwerverkehr durch Europa wählt andere Routen. Uns geht es um die Lawinensicherheit und eine Fahrzeitverkürzung zwischen Salzburg und Villach."

Der Regionalverband Pongau unter Werfenwengs Bürgermeister Peter Brandauer bemüht sich um besseren Nahverkehr und Werfenweng speziell um die Urlaubsanreise per Bahn. Brandauer, er weilte in der Vorwoche bei einer Mobilitätskonferenz in Bozen: "Jeder zweite Urlaubsgast, der mit der Bahn zu uns kam, meinte nach dem Schienenersatzverkehr: ,Das war meine letzte Urlaubsanreise per Bahn.' So verlieren wir unseren Mobilitätsanspruch. Eine Resolution oder irgendein Brief bringt nichts. Wir machen nichts Zielführendes in der Region und stehen gegen Projekte in Ballungsgebieten auf verlorenem Posten. Eher fahren wir zu Protesten gegen die Registrierkassenpflicht nach Wien als für den Bahnausbau."

Österreichische Tourismuschefin in der Wirtschaftskammer ist die St. Johanner Brückenwirtin Petra Nocker-Schwarzenbacher: "Die Bahn ist die nachhaltigste Anreiseform, außer man wandert. Ich selbst habe, aus Wien kommend, eine Stunde in Golling auf den Schienenersatz gewartet und mich dann doch besser abholen lassen. Gäste haben gerade heute das Taxi zum Bahnhof in Salzburg wegen des befürchteten Umsteigens auf den Bus vorgezogen. Die Situation in den vergangenen Wochen wäre der ideale Zeitpunkt, einen neuen Anlauf für den Pass-Lueg-Ausbau zu starten."

Vision vom Bahnanschluss des Salzburger Flughafens

Als eine Möglichkeit für einen Schulterschluss im Innergebirg sieht das auch Scharfetter, der die Vision einer Bahnanbindung des Flughafens lobt: "All diese Maßnahmen sind mit dem Ausbau der Park-&-Ride-Plätze bei unseren Bahnhöfen zu koordinieren und letztlich auch für die vielen Pendler von enormer Wichtigkeit. Die hatten in den vergangenen Wochen in und aus Richtung Salzburg harte Zeiten zu überstehen." Arbeiterkammer-Bezirkschef Martin Goller aus Goldegg im PN-Gespräch: "Nach den uns vorliegenden Zahlen pendeln jetzt schon täglich rund 4000 Pongauer mit den Öffis (Pendler mit Pkw sind da noch gar nicht enthalten!) in den Zentralraum. Im Landesmobilitätskonzept 2005 (vom Land Salzburg) ist bereits der Ausbau der Bahnstrecke über den Pass Lueg enthalten, und zwar in der Form, dass die Umsetzung des entsprechenden Ausbaus bis 2015 realisiert werden hätte sollen. Zudem wurde die Forderung nach dem katastrophensicheren Ausbau auch von der Arbeiterkammer-Vollversammlung 2007 einstimmig beschlossen."

Landesmobilitätskonzept 2005 sah Bahnausbau vor

In dem Zusammenhang wirft Hans Scharfetter ein weiteres Argument ein: "Wenn man arbeitsplatzintensive Ämter in Hinkunft in den ländlichen Raum verlegen will, dann sind sichere und rasche öffentliche Verkehrswege zu garantieren."

Lokführer und Bahnknoten-Bürgermeister Hansjörg Obinger erlebte den busintensiven Schienenersatzverkehr im Zentrum von Bischofshofen "hautnah" mit. Ein großes Wohnbauprojekt in Bahnhofsnähe zielt auf junge Mieter ab, die öffentliche Verkehrsmittel nützen. In einer Zeit, in der in städtischen Regionen immer mehr "autolose" Menschen leben, tritt auch er für den Pass-Lueg-Ausbau ein: "Ich finde es sehr positiv, dass Landesrat Stefan Schnöll nun eine langjährige Forderung unserer Region aufnimmt. Ich werde ihn in diesem Vorhaben mit aller Kraft unterstützen. Persönlich setze ich mich schon seit vielen Jahren vehement für den sichereren Trassenverlauf und eine Attraktivierung der Bahnanbindung nach Salzburg ein."

Aufgerufen am 01.10.2020 um 03:17 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/pass-lueg-tunnel-neu-die-chance-zum-politischen-schulterschluss-64976719

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