Chronik

Pass Lueg: Zwei Tote bei Rafting-Unfall auf der Salzach

Auf der Salzach im Bereich des Pass Lueg, Gemeindegebiet Golling, kam es am Montagvormittag zu einem schweren Rafting-Unfall. Eine Action-Kamera filmte das Kentern.

"Boot gekentert, Personen im Wasser." Um kurz vor elf Uhr wurden am Montag die Einsatzkräfte zur Salzach in Golling alarmiert. Zeugen hatten beobachtet, dass ein Schlauchboot gekentert war. Der Unfall hatte sich in den Salzachöfen ereignet - der bis zu 90 Meter tiefen Schlucht beim Pass Lueg.

Zunächst war unklar, wie viele Personen in die Salzach gefallen waren. "Es war ein Boot für fünf Personen", sagte Christoph Thurner, Einsatzleiter der insgesamt 22 Wasserretter. Dementsprechend groß war auch das Aufgebot an Helfern: Neben den Wasserrettern waren rund 100 Feuerwehrleute sowie Bergretter und Alpinpolizisten am Ausgang der Salzachöfen im Einsatz.

Für die beiden Insassen - einen in Bayern lebenden 23-jährigen Serben und einen 30-jährigen Bayern - kam jede Hilfe zu spät. Einer der beiden Freizeitsportler wurde im Bereich Lanzenweiher in Golling an einer Sandbank angespült. Sein Kollege trieb im Bereich des Autobahnzubringers in der Salzach. "Wir haben im Boot noch mit dem Reanimieren begonnen", schilderte Gollings Ortsfeuerwehrkommandant Peter Schluet. Obwohl die Einsatzkräfte rasch vor Ort und mit Booten in der Salzach gewesen seien, blieben die Wiederbelebungsmaßnahmen ohne Erfolg. Laut dem Sprengelarzt dürften die Männer unmittelbar nach dem Kentern ertrunken sein. Die Suche nach weiteren Vermissten mit mehreren Schiffen der Feuerwehr und der Wasserrettung wurde gegen 14.30 Uhr eingestellt - die Männer waren mit ihrem Schlauchboot nur zu zweit unterwegs.

Das bestätigten auch die Aufnahmen einer Action-Videokamera von einem der Opfer, die die Polizei ausgewertet hat. Die Männer waren laut Polizeisprecher Hans Wolfgruber zwar mit Helmen unterwegs, Schwimmwesten trugen sie den bisherigen Ermittlungen zufolge allerdings nicht.

Verordnung ignoriert

Die beiden Wassersportler haben offensichtlich auch die "schifffahrtspolizeilichen Verkehrsbeschränkungen" des Landes ignoriert. Denn das Befahren der Salzach ist laut dieser Verordnung des Landeshauptmanns "mit aufblasbaren Ruderfahrzeugen" verboten. Ausgenommen davon sind lediglich Kanus.

Zudem dürften die Männer für eine Fahrt durch die Salzachöfen mangelhaft ausgerüstet gewesen sein. "Ein Raftingboot ist dafür nicht geeignet", meinte Wasserretter Thurner. Für die Feuerwehr gehören Bergungen aus der Salzach bereits zur Routine. "Es kommt unregelmäßig, aber doch immer wieder vor, dass wir im Bereich Golling Freizeitsportler aus dem Wasser holen müssen", sagte Ortsfeuerwehrkommandant Schluet.

Technisch sei die Salzachklamm für Geübte "nicht so wahnsinnig schwierig", sagte Andreas Voglstätter auf Anfrage. Er ist Obmann des Outdoor- und Wildwasserverbands Salzburg, einer Vereinigung von zwölf Unternehmen aus Salzburg und Bayern. Der Abschnitt sei je nach Wasserlage mit drei bis vier auf einer sechsteiligen Schwierigkeitsskala bewertet. Die Problematik sei aber: "Ich muss vorher überlegen, ob ich in die Schlucht hineinfahren will oder nicht. Es gibt keinen Ausstieg." Während der Abschnitt zuvor noch ruhig sei, begännen die Salzachöfen mit einem Schwall. Ob die beiden Verunglückten bereits bei der Einfahrt oder erst später gekentert sind, war am Montag noch unklar. Die Männer dürften jedenfalls privat unterwegs gewesen sein - er habe seine Kollegen durchgerufen, sagte Voglstätter. Zudem gilt in den Salzachöfen auch für kommerzielle Anbieter von Raftingtouren ein Durchfahrtsverbot.

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