Chronik

Per Nachtzug ins Skigebiet

Gastronom Georg Imlauer hat nicht nur soeben ein neues Café eröffnet. Er hilft mit, Skigäste in den Pongau zu bringen - per Zug aus Sylt.

Der Winter kann kommen. Es scheint fast so. Georg Imlauer, aufgewachsen in Saalfelden, heute Besitzer von vier Hotels in der Stadt Salzburg und zwei in Wien, hat vorige Woche ein neues Café im Erdgeschoß eines seiner Häuser eröffnet. Das Investitionsvolumen: 100.000 Euro.

Als wäre dieser Schritt in der gegenwärtigen Pandemie noch nicht genug, erläuterte er bei dem Pressegespräch in Salzburg weitere Pläne. So kooperiere er aktuell als Privatmann und einziger Hotelier - und nicht in seiner Wirtschaftskammer-Funktion - mit der deutschen RDC-Gruppe, einem privaten Eisenbahnunternehmen, das zwei Mal die Woche eine Bahnverbindung von Sylt nach Salzburg unterhält. Es sei bereits gelungen, diesen Express bis 9. November zu verlängern.

Noch besser: Auch den Winter über werde Salzburg auf diese Weise angefahren. Was zunächst nur über die Weihnachtsfeiertage angedacht war, soll jetzt die gesamte Saison über dauern. Und: Der Zug, er fährt über Hamburg und kann pro Fahrt bis zu 600 Gäste transportieren, stoppt nicht in Salzburg-Stadt. Er wird nach St. Johann und Bad Gastein weiterfahren und so dem Pongau potenzielle neue Skigäste bringen. RDC-Geschäftsführer Markus Hunkel bestätigt das Vorhaben: "Wir sind damit nun auch ganzjährig der einzige deutsche Nachtzug, der die Berge und das Meer verbindet." Neben Hamburg sind nun auch die Region Stuttgart sowie Hannover und Kassel angebunden. Mittelfristig plant das Unternehmen eine Ausweitung der Strecke bis Skandinavien. Judith Wieser, bei Imlauer für die Presse zuständig, hat die Verbindung bereits getestet: "Es hat großartig funktioniert. Wir sind um 16 Uhr in Salzburg eingestiegen und waren um 7 Uhr früh auf Sylt. Jeder hat sein eigenes Abteil, in Corona-Zeiten kein unwesentliches Detail."

Anders als die Ferienhotellerie auf dem Land vielerorts hat Imlauer in der Stadt den Sommer über starke Einbußen hinnehmen müssen. Er beziffert sie auf 50 Prozent. Die Festspiele hätten ihm schon etwas geholfen, sagt er, aber auch, dass der Winter für die Stadthotellerie noch härter werde. Seine rund 280 Mitarbeiter möchte Georg Imlauer alle halten, die eine Hälfte von ihnen ist aktuell in Beschäftigung, die andere in Kurzarbeit. Ein Überbrückungskredit von drei Millionen Euro hilft über die schwere Zeit. Imlauer: "Das ist wahrscheinlich die Summe, die wir am Ende als Verlust schreiben werden." Erkannt hat der Pinzgauer auch den Wert der einheimischen Gäste. Dass sie in seinen Häusern essen gehen, helfe in der schweren Zeit sehr, sagt Imlauer. Er hofft, dass nach dem großen Adventsingen und Jazz & The City nicht noch weitere Veranstaltungen abgesagt werden. "Kleinere Christkindlmärkte und Adventsingen, Silvesterfeiern ... all das braucht die Stadthotellerie jetzt." Eine Gala zum Jahreswechsel wird er selbst in seinem Hotel Pitter veranstalten.

Ob dort auch Salzburger Nockerl auf den Tisch kommen, ist noch offen. Die ersten Salzburger Nockerl, portionsweise, wahlweise zum Mitnehmen, offerieren die Imlauers jedenfalls in ihrem neuen Café. Bei dem Projekt sind erneut etliche regionale Anbieter an Bord: die Salzburg Milch, Segafredo aus Hallwang oder der Unterbäck aus Seekirchen. Die Bio-Eier für die Salzburger Nockerl kommen - wie könnte es anders sein - vom Thomanhof seines Cousins in Saalfelden.

Über den neuen Alpen-Sylt-Express

Wer mit dem Zug fahren möchte, bucht im Reisejahr 2020 stets ein Ticket für ein komplettes Abteil - egal ob man allein oder mit bis zu fünf Angehörigen und Freunden darin reisen möchte. Wintersaison-Tickets gibt es ab 89 Euro, ein Friends&Family-Ticket mit bis zu drei Personen in der Komfortkategorie Bett kostet ab
519 Euro. Der Alpen-Sylt-Nachtexpress garantiert eine vollständige Rückzahlung des Reisepreises im Falle einer Covid-19-bedingten Reisewarnung für Start- und Zielbahnhof zum Reisetag.

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