Chronik

Peter Hörl: Ein Bauer ist sauer

Ein Bauer pachtet eine Alm und bringt sie in Schuss. So glaubt er. Der Naturschutz sieht das anders und zeigt ihn an. Er soll nun Wassergräben wieder rückbauen - Strafen gab es bereits.

Seit vier Jahren hat Peter Hörl die Unterreitalm gepachtet. Und auf Vordermann gebracht. "Vieles war zugewachsen. Ich habe um Rodungen angesucht und diese wurden auch bewilligt."

Sukzessive hat er auf der 24 Hektar großen Alm gerodet, und drei Koppeln geschaffen, auf die er seine 13 Stück Vieh wechselweise treibt. Der Bauer aus Maria Alm - er ist bekannt für seine Skipisten in Hinterreit - hat auch Wassergräben wieder hergerichtet. "So, wie ich es von meinem Großvater gelernt habe." Er zog vorhandene Gräben nach, schuf einige neue. "Nur 20, 30 Zentimeter tief und breit, und so, dass das Wasser nicht mehr einfach über die Felder rinnt. Der Boden war zum Teil so nass, dass die Kühe fast bis zum Bauch eingesunken sind." Solch nasse Flächen würden die Tiere meiden. "Und dann wächst alles wild, vor allem Erlen. In wenigen Jahren wäre die Alm weg." Auch die Gefahr der Vermurung steige, wenn der Boden durchgehend stets nass sei.

Hörl war stolz auf die von ihm - "behutsam", wie er meint - bearbeiteten Almflächen, bis eine Anzeige ins Haus flatterte. "Der Naturschutz hat mich angezeigt. Ich hätte die Wassergräben nicht ziehen dürfen." Es folgte eine Verhandlung am Landesverwaltungsgericht - "ich muss die Gräben rückbauen", sagt Hörl. Und das versteht er nicht. Nur noch bis Anfang nächster Woche läuft die Frist für den Rückbau - Hörl ist verzweifelt: "Wenn ich jetzt mit dem Bagger arbeiten muss, zerstöre ich alles. Und in fünf bis zehn Jahren wäre nichts mehr von den Almfläche da. "

Vergangene Woche zeigten sich die Almwiesen prachtvoll, Urlauber fotografierten sie begeistert. Hörl: "Hier wachsen Blumen, die es woanders gar nicht mehr gibt: Knabenkraut, Löwenzahn, Hahnenfuß, Nikolausbart, Trollblumen, ich weiß gar nicht wie alle heißen. Und am Wasser sind viele Insekten und Kleintiere, es ist wunderbar. Ich müsste einen Preis bekommen, aber ich bekomme eine Strafe."

Der 58-Jährige ist sich sicher, dass viele Bauern ähnliche Probleme haben. "Ich möchte das Aufzeigen, und wenn es mir nicht mehr hilft, so kann es anderen helfen. Die Verunsicherung ist sehr groß. Wie soll das weitergehen, wenn man uns Bauern nicht mehr glaubt, die wir seit Jahrhunderten Erfahrungen mit unseren Böden haben, sondern wenn am Schreibtisch alles entschieden wird", sagt Hörl verbittert.

Warum hat er nicht früher öffentlich aufgeschrien? "Ich war auf der Bauernkammer, habe mit Politikern gesprochen, niemand hat sich das vor Ort angeschaut. Aber ein kleiner Bauer wie ich, wird wegen sowas vor Gericht gezogen. Wenn das falsch ist, was ich mache, wenn die ganze Erfahrung nichts mehr zählt, dann muss ich aufhören, dann kann ich meinen Enkeln nichts weitergeben." Und: "Wenn so über uns bestimmt wird, dann wird es bald vorbei sein mit dem Leben auf vielen Almen."

"Die Zeiten haben sich geändert"

Andreas Thomasser ist Referent im Büro von Naturschutz-Landesrätin Maria Hutter (ÖVP). Er kennt Peter Hörl. "Er ist jemand, der seine Flächen pflegt und auf Artenvielfalt schaut, ich freue mich darüber. Das macht er auch auf der Alm. Er bringt sie auf Vordermann und schaut auf Artenreichtum", sagt Thomasser - und fügt an: "Das Problem, das er auf der Alm bekommen hat, liegt vor allem im unteren Bereich. Dort ist eine Moorfläche, eine Feuchtwiese, diese steht unter Lebensraumschutz. Dort darf man nichts verändern, nicht trockenlegen, weil sich dadurch der Bestand ändern könnte." Der Landwirt habe in diesem Bereich neue, relativ große Gräben gezogen, auch mit Hilfe eines Baggers. "Es ist erlaubt, vorhandene Gräben zu räumen, aber nicht zu groß und zu tief, und Baggern ist nicht erlaubt."

Die Zeiten hätten sich geändert, betont Thomasser: "Bis vor 40, 50 Jahren hat man vieles trockengelegt, um landwirtschaftliche Produkte zu erzeugen. Dadurch ist auch vieles verschwunden. Heute versucht man, was noch da ist zu erhalten." Bauern sollten bei möglichen geschützten Bereichen nachfragen, bevor sie mit Arbeiten beginnen, rät der Referent. Rückbauen soll jetzt, mitten im Sommer, Hörl - ist das sinnvoll? "In Wirklichkeit hätten die Arbeiten schon längst gemacht werden sollen." Dazu hat der Landwirt nur mehr bis Anfang nächster Woche Zeit.


Aufgerufen am 26.08.2019 um 02:24 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/peter-hoerl-ein-bauer-ist-sauer-72950221

Schöne Heimat

darf es ein bisschen mehr sein?

Von Rupp Porti
25. August 2019
die Anzahl der Blätter ist gemeint, den sechs und achtblättrigen Enzian kann ich nicht zuordnen, …

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