Chronik

"Pfiat eich - mit schwerem Herzen"

Anja und Gerhard Hafner ziehen sich nach 20 bzw. 22 Jahren als Pächter der Werfener Hütte zurück.

Anja und Gerhard Hafner beenden ihre Zeit als Pächter der Werfener Hütte.  SN/sw/riedler
Anja und Gerhard Hafner beenden ihre Zeit als Pächter der Werfener Hütte. 

"Der Abschied fällt uns nicht leicht", so Gerhard Hafner, noch Wirt der Hütte auf 1969 Meter Seehöhe am Fuße des Hochthrons. "Wir sind aber nicht mehr die Jüngsten und freuen uns, wenn wir endlich unseren beiden Söhnen - mit elf und 13 Jahren - mehr Zeit widmen können." Und zum Raufschleppen gab es in diesen Jahren immer genug. Weil die letzte Quelle 400 Höhenmeter unter der Hütte entspringt, wurde am Weg hinauf beim "Tanzbodenbründl" per Hinweisschilder gebeten, Trinkwasser aus dem Brunnen abzufüllen und die gut fünf Liter mittels Kanister hinaufzutragen. Als Lohn erwartete die fleißigen Helfer oben ein Schnapersl vom Wirt. Genauso auch beim Brennholz: "Wir sind hier unseren Gästen wirklich immer sehr dankbar dafür gewesen, wenn sie am

Fleißige Sherpas als Gäste

Rucksack noch ein Scheitel montiert hatten. Obwohl vor allem die Stammgäste fleißige "Sherpas" waren, kam es für die Pächter immer wieder zu Wasser-Engpässen, vor allem während der heißen Hauptsaison. In den letzten 15 Jahren hatten die Hüttenwirte auch zwei Lamas, die nicht nur eine touristische, sondern eine tatsächliche Arbeitshilfe beim Transport waren. Natürlich musste auf die Hütte auch vier Mal jährlich mit dem Hubschrauber zur Versorgung raufgeflogen werden.

Die Zeit "am Adlerhorst" möchte das Pächterpaar aber trotzdem nicht missen: "Wir hatten einmalige und gemütliche Hüttenabende und oft unerwartet eindrucksvolle Erlebnisse", erzählt Gerhard Hafner. "Wenn etwa der Walzer Toni oder jemand auf der Gitarre spontan aufspielte oder bei uns schuhgeplattelt wurde. " Aber auch großartige Konzerte, etwa mit "Der Berg", schöne Bergmessen und die vielen Berglauf-Veranstaltungen bleiben in Erinnerung.

Die Werfener Hütte war mit diesem Pächter immer eine der ersten bewirtschafteten Schutzhütten, die im Frühjahr aufsperrten, und eine der letzten, die im Herbst zumachten: "Wir sind aufgrund der Südlage hier bevorzugt", so die Hafners, die auch jetzt noch an den letzten schönen Wochenenden des Jahres geöffnet haben.

Professionelle Hilfe für Bergsteiger

Unzählige Kletterer nützen die Werfener Hütte als Standort für ihre Touren und Gerhard Hafner, der auch Bergretter ist, war für Verunglückte oft als Erster schnell vor Ort. Bescheiden erzählt er von Verstiegenen oder Verletzten, die er teilweise in der Nacht aus der Bergnot gerettet hat. "Leider verlieren wir mit Gerhard einen wichtigen Stützpunkt der raschen Erstversorgung", betont Herbert Deutinger, Ortsstellenleiter der Bergrettung Werfen.

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