Chronik

Pflege daheim in 1:1-Betreuung

Zu Hause bleiben, mit Unterstützung: Das wünschen sich viele Ältere. 24-Stunden-Betreuung macht es möglich. Ein seltener Einblick in eine wenig bekannte Branche.

Die Frauen aus dem Osten - ein paar Wochen hier, dann wieder in ihren Herkunftsländern, getrennt von ihren Familien, um im Westen Geld zu verdienen. Zerrissen zwischen zwei Welten und doch immer unverzichtbarer für die alternden Gesellschaften Mitteleuropas. Auch in Österreich und Salzburg steigt der Bedarf an 24-Stunden-Pflegekräften kontinuierlich. Und wird in den nächsten Jahren noch steigen. Das Problem dabei: Es wird zusehends schwieriger, das Personal zu finden. Sagt mit Susanne Pichler eine, die es wissen muss. Die Niederösterreicherin (kleines Bild) hat mit einer Kollegin, die wie sie in der Pflege tätig war, 2015 die Agentur "Salzburg 24 Stunden Pflege" gegründet. Seither vermittelt sie Pflegekräfte, vorwiegend aus dem Osten, an derzeit rund 180 Familien im Bundesland Salzburg. "Mit dem Ansteigen der Lebenskosten in den Herkunftsländern wird es für uns härter, an gutes Personal zu kommen", sagt Pichler. Früher seien vorwiegend sehr gut ausgebildete Slowakinnen gekommen, jetzt suche man bereits in Rumänien und Bulgarien. Es sei wahrscheinlich, dass man künftig noch sehr viel weiter in den Osten gehen müsse, unter Umständen bis nach China, um fündig zu werden. Wegen der schwieriger werdenden Rahmenbedingungen erschallt auch der Ruf nach öffentlichen Förderungen. Aktuell schießt für betroffene Salzburger Familien das Sozialministerium 550 Euro monatlich zu. Ein überschaubarer Beitrag bei Kosten ab 2650 Euro pro Monat für eine 24-Stunden-Pflege. Andere sind weiter. Im Burgenland etwa bekommen die Familien seitens des Landes rund 600 Euro an Förderung.

Die Vorteile einer 24-Stunden-Pflege liegen auf der Hand. Der alte Mensch kann zu Hause weiterleben und erhält eine 1:1-Betreuung. Die Vermittlung erfolgt innerhalb von zwei, drei Wochen, während Familien gerade im urbanen Bereich auf einen Heimplatz lange warten. 95 Prozent der Familien bräuchten denn auch sehr kurzfristig Unterstützung, bestätigt Pichler: "Häufig stellt sich das nach einem Spitalsaufenthalt heraus."

Kaum jemand erkundige sich vorab über die Möglichkeiten. Solche gibt es mehrere. Eine starke Nachfrage herrscht in Pichlers Agentur aktuell nach Modellen, bei denen eine Pflegekraft drei, vier Stunden (auf Wunsch auch in der Nacht) das Ruder übernimmt und so die Angehörigen entlastet. Pichler sieht darin eine Nische zwischen der klassischen Hauskrankenpflege, die für ein, zwei Stunden kommt, und der 24-Stunden-Pflege. "Manchmal mündet so etwas ja dann in eine Betreuung rund um die Uhr", sagt Pichler.

Auch ihre Branche hatte bedingt durch die Pandemie große Hürden zu nehmen. Viele besorgte Anrufe erreichten auch Pichler, sowohl von Familien als auch von Betreuerinnen, die sich Sorgen machten, nicht mehr heim oder nicht mehr zurück nach Österreich zu kommen. "Viele, die frei waren, sind dann länger geblieben und haben sich für Familien einteilen lassen, deren Betreuerin vorübergehend nicht mehr nach Österreich konnte. Es hat sich bewährt, dass wir unsere Betreuerinnen schon lange kennen."

Die von Regierungsseite geplanten kostenlosen Screenings ab Herbst für Betreuerinnen in der 24-Stunden-Pflege werden allgemein begrüßt. Bis jetzt übernahmen häufig die Familien die Kosten für die Corona-Tests oder Familie und Agentur teilten sich die Ausgaben.

Was die 24-Stunden-Pflege angeht, so agieren im Bundesland Salzburg 36 Agenturen. Manche verrechnen ihre Leistungen rein nach Pflegestufe, andere eher nach Aufwand - ob der Patient dement oder bettlägerig ist und daher körperlich anstrengende Arbeit verrichtet werden muss. Jede betreut zwischen zehn und 200 Familien. Man kennt einander und hat sich in der heißen Lockdown-Phase auch wechselseitig mit Personal ausgeholfen.

1676 Menschen, vorwiegend Frauen, sind in der 24-Stunden-Pflege tätig

Exakt 1676 Aktive sind aktuell in der 24-Stunden-Pflege tätig. Zusätzlich 1109 haben ihr Gewerbe ruhend gestellt (Zahlen: 2. Quartal 2020). Die Mitgliederzahl ist steigend, bestätigt Maximilian Klappacher, Geschäftsführer der Sparte Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer. Auch der Bedarf sei vorhanden. Er erhalte "extrem viele Anrufe von Privaten", so Klappacher. Die überwiegende Zahl der selbstständig tätigen Personenbetreuerinnen im Bundesland Salzburg ist weiblich und stammt aus der Slowakei und Rumänien. Es kommen aber auch Frauen aus Ungarn, Polen und Bulgarien an die Salzach. Derzeit sind 36 Agenturen aktiv, die viele von ihnen in die Familien vermitteln.
Während des Corona-Frühjahrs habe die Wirtschaftskammer Taxis zur slowakischen Grenze organisiert und 50 Euro Zuschüsse für Testungen der Mitglieder übernommen. Derzeit tüftelt das Land an einem Folgemodell, bis der Bund sein angekündigtes Screening (kostenlos, für 24-Stunden-Kräfte in ganz Österreich) umsetzt. 500 Euro an Bonus gewährte das Land während der heißen Phase im Frühling Betreuerinnen, die bereit waren, ihren bestehenden Turnus zu verlängern.

Aufgerufen am 03.12.2020 um 06:48 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/pflege-daheim-in-11-betreuung-92587810

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