Chronik

Plötzlich geht,was lange stand

Politische Aufbruchstimmung sorgt in Ramingstein dafür, dass Projekte realisiert werden.

Politische Aufbruchstimmung sorgt in Ramingstein dafür, dass Projekte realisiert werden. Migu
Politische Aufbruchstimmung sorgt in Ramingstein dafür, dass Projekte realisiert werden.

In der wechselvollen parteipolitischen Geschichte der Lungauer Gemeinde an der Grenze zur Steiermark sollen einst manche Mandatare den Begriff "schlagkräftige Argumente" gar zu wörtlich genommen haben. Daraus haben die Protagonisten der bevorstehenden Wahlen in der 1000-Seelen-Gemeinde unter der Ehrfurcht gebietenden Burg Finstergrün wohl gelernt. Nach dem Wahlkampf will man konsequent an der Umsetzung vieler aufgeschobener Projekte und Themenfelder mitarbeiten.

Der Bürgermeisterwahl stellen sich für die ÖVP Jagglerbauer und Gastronom Leonhard Kocher und für die SPÖ Versicherungskaufmann Günther Pagitsch. Die FPÖ führt Georg Pritz im Kampf um Mandate in der Gemeindestube an. Das Mandatsverhältnis lautet derzeit 6 VP, 5 SP und 2 FP. Der scheidende Bürgermeister ist Peter Rotschopf. Er gehört der ÖVP an und ist als Direktor an der Landwirtschaftschule in Tamsweg tätig.

Die Vergangenheit zeigte, dass VP- oder SP-Mehrheitsentscheidungen an wenigen Dutzend Stimmen hingen. Es wird auch am 10. März mit einem engen Wahlausgang gerechnet.

Zur VP-Kandidatensuche in Ramingstein machte sich Mitte August vergangenen Jahres Bezirksparteichef Manfred Sampl aus St. Michael auf den Weg. Gemeindevertreter Leonhard Kocher hatte bereits abgelehnt: "Mein Umdenken setzte ein, als ich erkennen konnte, dass uns das Land bei der Umsetzung dringend anstehender Projekte unter die Arme greift. Seniorenheim, Nahversorger, Wildbachverbauung, Gemeindetraktor, Straßenbeleuchtung, Renovierung der Hollenstein-Kirche - das kann eine kleine Gemeinde nie allein stemmen. Durch die "Brücke" zum Land ist jetzt schon einiges in Bewegung."

Kocher sieht mit Markus Schaflechner einen idealen Partner an seiner Seite, der Erfahrung bei der Projektplanung mitbringt. Er versteht sich mit seinem Wahlkampfgegner Günther Pagitsch sehr gut: "Es geht um Ramingstein und seine Entwicklung. Um nichts anders - schon gar nicht um Parteienstreit."

So wurde anstatt des jahrelang hin und her gewälzten Wohnbauobjekts WIR im Zentrum an gleicher Stelle ein 24-Betten-Seniorenheim mit Lebensmittel-Nahversorger geplant und mit der Vertragsunterschrift am morgigen Freitag einstimmig auf den Weg gebracht.

Günther Pagitsch ist Versicherungsexperte bei der Wiener Städtischen Versicherung und erst seit Kurzem in der Gemeindepolitik tätig. Der engagierte Moderator und Vereinsfunktionär ist - im Gegensatz zu Kocher - gebürtiger Ramingsteiner, möchte Langzeit-Bürgermeister werden und sieht auch das Verbindende vor dem Trennenden zugunsten der Ortsentwicklung: "So haben wir bei der Standortfrage für Seniorenheim und Feuerwehrzeugstätte letztlich zugestimmt, um keine weiteren Verzögerungen des Projektes zu provozieren."

In Sachen Verkehrskonzept meint der begeisterte Golfer und Sportwagenfahrer: "Ich werde mich mit Bürgermeisterkollegen in der steirischen Nachbarschaft an einen Tisch setzen. Eine wirkungsvolle Lösung ist nur großräumig zu realisieren - wenngleich wir da und dort natürlich auch im Ortszentrum Verbesserungsmöglichkeiten planen."

Jäger und SUV-Fahrer Kocher: "Wir haben ein 24-seitiges Infrastrukturprogramm und sehen großes Potenzial für Ramingstein." Politisches "Zünglein an der Waage" ist in der Gemeindestube die FPÖ. Ihr neuer Spitzenkandidat ist Georg Pritz. Warum er nicht in einen Dreikampf um das Bürgermeisteramt geht, erklärte er im "LN"-Gespräch mit den dafür erforderlichen Ressourcen und dem Respekt vor dem Amt - das er sich persönlich nicht zutraut.

Pritz: "Wir wollen Gleichgewicht in die Gemeindestube bringen. Es ist ab und an schwierig, dass VP und SP zueinanderfinden. Wir sehen für uns eine Gestaltungs- und Kontrollaufgabe, wollen in jedem Fall eine absolute Mehrheit verhindern. Wichtig ist mir unter anderem der Tourismus. Auch auf diesem Sektor steht vieles seit Jahren an. Es geht um erschwingliche Bauplätze für die Ramingsteiner und um ein attraktives Gewerbegebiet. Da herrscht großer Handlungsbedarf."

Aufgerufen am 30.10.2020 um 09:01 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/ploetzlich-geht-was-lange-stand-65713414

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