Chronik

Polizei klärte großen Kokainhandel in Salzburg und Tirol

Kriminalisten stellten Bargeld, Fahrzeuge sowie Drogen sicher. Bislang sind elf Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Bei den Bossen handelt es sich um abgelehnte Asylbewerber aus Nordafrika.

Bei Ermittlungen im Bereich der Straßenkriminalität in Innsbruck stellten Beamte der EGS Tirol (Landeskriminalamt Tirol) im Dezember 2017 fest, dass in der Landeshauptstadt vermehrt Kokain von höchster Qualitätsstufe im Straßenverkauf im Umlauf war. Zudem wurde festgestellt, dass amtsbekannte Marokkaner, welche zuvor auf Haschischverkauf spezialisiert waren, plötzlich im verkaufsqualitativ doch höherwertigen Kokainverkauf tätig waren. Gezielte Beobachtungen der angeführten Szene und verstärkter Kontrolldruck mit Sicherstellung von zunächst kleineren Mengen Kokain führten die Beamten schließlich zu einer offenbar sehr gut organisierten Gruppierung, die, nach den zahlreichen Verhaftungen im letzten Jahr, stellvertretend den Kokainverkauf in Innsbruck federführend übernommen hatte.

Bandenchefs sind abgelehnte Asylbewerber

Umfangreiche Ermittlungen ergaben, dass vor allem zwei führende Köpfe der Nordafrikaner-Szene für den Kokainverkauf verantwortlich zeichneten. Diese beiden Personen (beide seit etlichen Jahren als abgelehnte Asylbewerber mit unzähligen Aliasdatensätzen in Österreich aufhältig und einschlägig tätig) organisierten mit einer recht gut strukturierten Folgeebene den Kokainhandel in Innsbruck. Diese beiden "Köpfe" waren für den Großeinkauf, den Schmuggel des Kokains vom Ausland nach Österreich und schließlich die Versorgung der Folgeebene (ähnlich selbständigen "Filialen", die aber auf eigene Abrechnung, mit eigener Geschäftsgebarung fungierten) verantwortlich, welche schließlich für den Weitervertrieb sorgte. Die beiden "Chefs" waren selbst nicht mehr im Straßenverkauf tätig, sie waren zwar als "U-Boote" in Österreich, wohnten unauffällig in Mietwohnungen in Innsbruck und Umgebung und fielen zudem durch die Benutzung hochpreisiger und für ihre ursprünglichen Verhältnisse völlig untypischer Fahrzeuge auf.

Auch in der "Folgeebene" waren ausschließlich Marokkaner die handelnden Personen, welche seit Jahren widerrechtlich in Österreich ansässig und im SG Verkauf tätig sind. In letzter Ebene waren sogenannte "Läufer" für den Straßenhandel zuständig. Diese Läufer wurden von der mittleren Ebene beauftragt und deren Abrechnung erfolgte provisionsmäßig je nach verkaufter Menge.

Drogenlieferungen kamen aus der Stadt Salzburg

Erhebungen zur Herkunft der in Innsbruck verkauften Suchtmittel ergaben schließlich, dass das in Tirol in Umlauf gebrachte, hochwertige, Kokain von den Beschuldigten über einen längeren Zeitraum aus der Stadt Salzburg angeliefert wurde. Deshalb wurden die Ermittlungen in Folge auch auf die Stadt Salzburg ausgedehnt, wo die Beamten rasch auf eine von dort aus agierende Gruppe von Marokkanern stießen. Diese Personen waren bereits vor einiger Zeit von Innsbruck nach Salzburg übersiedelt (vermutlich aus "gewerblichen Beweggründen"). Auch dabei handelte es sich ausschließlich um widerrechtlich in Österreich ansässige, bereits amtsbekannte Personen, welche in Salzburg von verschiedenen, angemieteten Wohnungen aus den Suchtgifthandel betrieben.

In Zusammenarbeit der mit der EGS des LKA Salzburg folgten daher auch in Salzburg umfangreiche Ermittlungen, die den sehr gut florierenden Kokainhandel der Gruppe bestätigten. Die beiden führenden Köpfe aus Innsbruck waren mit der Gruppierung in Salzburg über einen längeren Zeitraum "geschäftlich" eng verbunden. Anders als in Innsbruck, wo der Verkauf in verschiedenen Ebenen erfolgte, führten die Salzburger Beschuldigten ihre Geschäfte alle selbst, das heißt der Ankauf im Ausland, der Schmuggel der Ware nach Österreich und der Weiterverkauf bis hin zum Straßenverkauf wurde von den Gruppenmitgliedern selbst ausgeführt (all in one).

Die Bilanz der Polizei bisher:

Nachdem sich die Beweiskette geschlossen hatte, wurden über Anordnung der Staatsanwaltschaft Innsbruck im April und Mai zahlreiche Festnahmen und Hausdurchsuchungen in Innsbruck und Salzburg durch Beamte des LKA Tirol und des LKA Salzburg durchgeführt. Nach finalen, gemeinsamen Zugriffen der genannten Einheiten in Salzburg und zwei dazu noch erfolgten Festnahmen in Deutschland konnte schließlich von der Zerschlagung der gesamten Gruppierung ausgegangen werden.
Es erfolgten Sicherstellungen von zwei Fahrzeugen im Wert von etwa 65.000 Euro, die Fahrzeuge werden der Konfiskation zugeführt. Es erfolgten Sicherstellungen von Suchtmitteln im Verkaufswert von etwa 110.000 Euro sowie die Sicherstellung von 40.000 Euro Bargeld (Verkaufserlöse).
Derzeit wird vom Verkauf Kokain und Marihuana im vielfachen Kilogrammbereich mit Sicherheit im Verkaufswert von mehreren Hunderttausend Euro, ausgegangen.
Mit dem erwirtschafteten Bargeld wurden zumindest drei hochpreisige Fahrzeuge (alle Marke Mercedes) angekauft und diese zum Teil nach Marokko transferiert.
Hohe Bargeldsummen wurden über Umwege nach Marokko überwiesen.

Einige Beteiligte waren bereits in Schubhaft und zum Teil schon ins Ausland abgeschoben, ein Hauptbeteiligter wurde im November 2017 sogar mit einem Heimreisezertifikat nach Marokko retourniert (per Flugabschiebung). Nach ihrer (illegalen) Rückkehr nach Österreich waren alle sofort wieder voll aktiv im Suchtgifthandel tätig.

Insgesamt wurden 14 Personen festgenommen (elf davon befinden sich in Untersuchungshaft-Haft). Sichergestellt wurden in Summe 1,1 Kilogramm Kokain, zwei Mercedes, 40.000 Euro Bargeld, 40 Mobiletelefone, fünf Tabletts, ein Laptop, sieben Armbanduhren, ein Fotoapparat.

Quelle: SN

Aufgerufen am 16.08.2018 um 09:18 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/polizei-klaerte-grossen-kokainhandel-in-salzburg-und-tirol-28816093

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