Chronik

Pongauer Promi-Wirt erstochen - 14 Jahre Haft für Witwe wegen Mordes

Schuldspruch im Mordprozess gegen die Witwe eines Pongauer Promi-Wirtes. Die 32-Jährige soll am 3. März 2019 den Wirt mit einem Messer getötet haben.

Am Dienstag wurde der Prozess wieder aufgerollt.  SN/robert ratzer
Am Dienstag wurde der Prozess wieder aufgerollt.

Die Geschworenen erklärten die 32-jährige Frau einstimmig für des Mordes schuldig. Das Urteil, 14 Jahre Haft, ist am Donnerstagnachmittag am Landesgericht in Salzburg verkündet worden. Als strafmildernd wertete das Gericht die Unbescholtenheit sowie die beträchtliche Alkoholisierung zum Zeitpunkt der Tat. Erschwerend kam hinzu, dass die Tat unter Verwendung einer Waffe sowie zulasten eines nahen Angehörigen durchgeführt wurde. Dem Sohn des getöteten Wirtes wurden 20.000 Euro Teilschmerzensgeld zugesprochen.

Die Angeklagte nahm das Urteil gefasst und ruhig zur Kenntnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung haben keine Erklärung abgegeben.

Das Verfahren musste wiederholt werden, weil der OGH die erste Verurteilung der Frau vom 4. Dezember 2019 wegen eines Formalfehlers aufgehoben hatte. Damals war sie wegen absichtlich schwerer Körperverletzung mit Todesfolge zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Der Prozess wurde am Dienstag wieder aufgerollt.

Tod durch Messerstich: Wirt verblutet in der Küche des Hotels

Die Witwe beteuerte bis zuletzt ihre Unschuld - es habe sich um einen Unfall gehandelt. Während des Streits in der Küche des Hotels Lisa in Flachau habe ihr 57-jähriger Mann ihre Hand genommen, in der sie ein Messer zum Zubereiten einer Jause gehalten habe, und das Messer gegen seinen Oberkörper gerichtet, um sie zu erschrecken. Sie habe den Stich in die Brust nicht bemerkt. Der Wirt, der neben dem Hotel Lisa die bekannte Après-Ski-Hütte Lisa Alm betrieb, verblutete an einem tiefen Messerstich im Bereich zwischen linker Brustwarze und Achselfalte.

Verteidiger Kurt Jelinek plädierte auf Freispruch. Die Vorsitzende Richterin konfrontierte am Mittwoch die 32-Jährige mit dem Gerichtsgutachten, wonach der konkrete Stichkanal mit ihrer Schilderung nicht vereinbar sei. Ebenfalls am Mittwoch sagten Zeugen aus dem Umfeld des Opfers aus. Auch der 33-jährige Sohn des Wirtes musste in den Zeugenstand. "Das Ganze ist sehr schwer für mich. Ich denke jeden Tag an den Vater - wie er da in der Küche lag. Vater war der lebenslustigste Mensch, den ich je kannte. Er hatte nie Suizidgedanken", so der 33-Jährige.

Lebensversicherung in Höhe von rund 300.000 Euro

Die Argumentation von Staatsanwaltschaft und Verteidiger blieb auch im zweiten Prozess gleich. Wenn jemand ein 26 Zentimeter langes Küchenmesser mit einer Klingenlänge von zwölf Zentimetern mit einer heftigen Bewegung in den Brustbereich eines anderen steche, also dorthin, wo sich lebenswichtige Organe befinden, dann nehme man in Kauf, dass das Opfer tödliche Verletzungen erleidet, erklärte Staatsanwältin Elena Haslinger. "Für die Begehung des Mordes genügt ein bedingter Vorsatz." Der Mann sei an den inneren Verletzungen gestorben. Die Ehefrau sei außerdem die Begünstigte von Lebensversicherungen des Gastronomen in Höhe von rund 300.000 Euro gewesen, gab die Staatsanwältin noch zu bedenken.

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