Chronik

"Problemwölfe" in Salzburg: Experten diskutierten über geplante Richtlinien

Der "Managementplan Wolf" soll im Februar 2019 beschlossen werden . Für die Umweltschutzorganisation WWF gibt es noch Gesprächsbedarf.

Symbolbild. SN/99112303
Symbolbild.

Im Frühjahr 2018 hat in Salzburg ein einzelner Wolf auf der Durchreise mehr als zwei Dutzend Schafe, Widder und Ziegen gerissen oder verletzt. Als Folge hat das Land Schritte für einen "Managementplan Wolf" eingeleitet. Am Freitag haben sich Experten nun mit dem Entwurf zu dem 20-seitigen Papier beschäftigt. Zentrale Frage: Ab wann gilt ein Wolf als "Problemwolf" und darf deshalb erlegt werden?

In Salzburg sollen dabei die Bestimmungen des österreichweiten Managementplans aus dem Jahr 2012 ausgeweitet werden, der bei drohender Gefahr für Menschen oder Hunde eine Entnahme - also einen Abschuss - vorsieht. "Wir haben die Definition nach Schweizer Vorbild auf gravierende Schäden im Nutztierbereich ergänzt", sagte am Freitag der Salzburger Wolfsbeauftragte Hubert Stock zur APA.

"Das heißt aber nicht, dass ein Wolf sofort erlegt werden kann", betonte Stock. Es brauche dazu klare Voraussetzungen und einen Bescheid der Bezirkshauptmannschaft. Ein Bescheid, der zudem beeinsprucht werden könne. Zudem müsse zunächst versucht werden, auffällig gewordene Tiere zu vergrämen. "Im Entwurf zum Managementplan gibt es zahlreiche Abstufungen, wie viele Tiere ein Wolf in welchem Zeitraum trotz welcher Schutzmaßnahmen getötet haben muss, um als Problemwolf zu gelten."

Definition für "Problemwölfe"

So soll die Definition etwa auf Wölfe zutreffen, die binnen vier Monaten mehr als 35 Tiere gerissen haben - oder 15 Stück, wenn im Vorjahr schon etwas passiert ist und als Folge Herdenschutzmaßnahmen getroffen wurden. "Über konkrete Risszahlen wurde heute aber nicht verhandelt", sagte Sock. Die einzelnen Interessengruppierungen im zuständigen Koordinationsgremium mit Vertretern aus Politik, Behörde, Wissenschaft, Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz hätten nun bis Ende Jänner Zeit für eine schriftliche Stellungnahme. "Mitte Februar soll der Managementplan dann beschlossen werden. Wir wollen bis zum Frühjahr gerüstet sein."

Viel wesentlicher als der Umgang mit Problemwölfen sei aber, dass mit dem Plan eine Struktur geschaffen werde, wie Salzburg in Zukunft mit großen Beutegreifern umgehe und wie Betroffene rasch und unbürokratisch Hilfe bekommen. "Herdenschutz, sei es durch Zäune oder durch Hunde, wird nicht überall möglich sein", betonte Stock. "Wir brauchen eine Institution die entscheidet, inwieweit Schutzmaßnahmen möglich, verhältnismäßig und zumutbar für Landwirte sind, und zwar sowohl wirtschaftlich wie logistisch."
Stock plädierte heute für ein österreichweites Fördersystem. "Das Land Salzburg fördert derzeit zwar Herdenschutzmaßnahmen, langfristig muss dies aber Aufgabe des Österreichzentrums Bär, Wolf, Luchs sein, das im ersten Quartal 2019 seine Arbeit aufnehmen soll."

"Rechtlich bedenklich"

Vertreter des WWF sprachen nach der heutigen Sitzung von einem konstruktiven Gespräch, dennoch seien einige Punkte des Entwurfs sowohl rechtlich als auch naturschutzfachlich bedenklich. "Ein Freibrief für Abschüsse auf Basis willkürlich gewählter Risszahlen würde dem EU-Naturschutzrecht widersprechen", teilte WWF-Experte Christian Pichler in einer Aussendung mit. "Die Sorgen der Weidetierhalter müssen absolut ernst genommen werden. Aber Büchse vor Herdenschutz ist der falsche Weg."

Während sich der Salzburger Agrarlandesrat Josef Schwaiger zuletzt dafür ausgesprochen hat, den Schutzstatus des Wolfes durch die EU herabzustufen, pochte Pichler heute auf Beibehaltung des EU-rechtlich verankerten Schutzes. Es brauche vielmehr fachliche Beratung und professionellen und angemessen unterstützten Herdenschutz. Laut Angaben der EU-Kommission stünden im nächsten Finanzrahmen Fördermittel in Millionenhöhe für den Natur- und Artenschutz bereit. "Jetzt sind die Bundesländer gefordert, diese Mittel auch für Herdenschutzmaßnahmen abzurufen."

Quelle: SN, Apa

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