Chronik

Prozess nach Ermordung einer 20-Jährigen in Zell am See: Zeugen schildern erschütternde Details

Im fortgesetzten Prozess gegen zwei 18-jährige Pinzgauer wegen der Tötung einer 20-jährigen Verkäuferin am 20. Oktober 2018 in Zell am See sind am Mittwoch am Landesgericht Salzburg Zeugen befragt worden. Eine Nachbarin schilderte die letzten Worte des Opfers, als es nach Schüssen im Stiegenhaus zusammengebrochen war. Laut dem gerichtsmedizinischen Gutachten war der erste Durchschuss tödlich.

Symbolbild. SN/sn
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Dem etwas jüngeren, geständigen Erstangeklagten wird Mord vorgeworfen, dem nicht geständigen Zweitangeklagten Beitrag zum Mord. Laut Anklage soll der Erstangeklagte in dem Mehrparteienhaus, in dem die Verkäuferin wohnte, vier Schüsse aus unmittelbarer Nähe auf die Frau abgefeuert haben. Drei Projektile trafen die 20-Jährige am Oberkörper, "der erste Durchschuss war tödlich", sagte heute der Gerichtsmediziner. Die Pinzgauerin sei binnen weniger Minuten verblutet.

Eine Nachbarin des Opfers schilderte vor dem Schwurgericht unter Vorsitz von Richterin Bettina Maxones-Kurkowski die dramatischen Szenen im Stiegenhaus. Sie habe es zwei- oder dreimal laut knallen gehört. Die 20-Jährige habe um Hilfe geschrien. "Sie sagte noch, 'ich bin angeschossen worden, so ein Trottel'." Dann habe sie gehört, wie die Verletzte einen kurzen, österreichischen Namen genannt habe, erklärte die Zeugin. An den Namen könne sie sich aber nicht erinnern.

Die andere Nachbarin erzählte, sie habe beobachtet, wie ein dünner, junger Mann die Stiege hinuntergelaufen sei und etwas in der Hand gehalten habe, vielleicht eine Pistole. Sie habe noch versucht, die Blutung der Frau mit Handtüchern zu stillen. Der Erstangeklagte wollte die Angaben der Tatzeuginnen nicht kommentieren, der Zweitangeklagte meinte, ihm sei beim Zuhören schlecht geworden.

Verurteilter im Mordfall Krenn sagte aus

Als Zeuge trat auch ein amtsbekannter Mann in den Gerichtssaal: Der im Salzburger Mordfall Roland Krenn wegen Mordes zu 18 Jahren Haft nicht rechtskräftig verurteilte 26-jährige Musiker wurde zu einem Gespräch in der Haft mit dem Erstangeklagten im Zeller Tötungsfall befragt. Der Pinzgauer habe ihm erzählt, er sei zu der Tat beauftragt worden. Auf die Frage des Pinzgauers, warum er gegen ihn ausgesagt habe, habe er geantwortet, "weil ein Dirndl gestorben ist, ich unterstütze so etwas nicht", sagte der Musiker.

Am Nachmittag wird Neuropsychiaterin Gabriele Wörgötter befragt. Sie hat die bisher unbescholtenen Angeklagten begutachtet und bei beiden eine höhergradige geistige Abartigkeit festgestellt und eine ungünstige Gefährlichkeitsprognose abgegeben. Die Staatsanwaltschaft beantragte daher neben einer Verurteilung auch die Einweisung der Angeklagten in eine Anstalt für zwar zurechnungsfähige, aber höhergradig geistig abnorme Rechtsbrecher. Das Motiv war der Anklage zufolge vermutlich eine Retourkutsche. Der zur Tatzeit 17-jährige Erstangeklagte, der die Schüsse aus unmittelbarer Nähe aus einer adaptierten Schreckschusspistole auf die 20-Jährige im Eingangsbereich ihrer Wohnung abgegeben habe, sei verärgert gewesen, weil ihn das Opfer, gegen das ein Suchtmittelverfahren anhängig war, als Drogenabnehmer belastet habe. Der Zweitangeklagte habe den Erstangeklagten zur Tat bestärkt und das Fluchtauto gelenkt.

Der Prozess wird am Donnerstag nicht fortgesetzt, dieser Termin entfällt. Die Verhandlung werde im November oder Dezember fortgesetzt, "nach Möglichkeit zwei Tage hintereinander", kündigte die vorsitzende Richterin an. Das Gericht will am Tag der Urteilsfindung eine "Nachtsitzung" vermeiden, deshalb wird für die weitere Verhandlung mehr Zeit eingeräumt.

Quelle: APA

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