Chronik

PS-Monster in der Idylle: Aufregung am Hintersee

Ein geschlossenes Tor wurde zuletzt häufig ignoriert - arabische Urlauber schrecken nicht davor zurück, mit ihren Boliden direkt an den See zu fahren.

Zahlreiche Gäste schießen mit ihrem Verhalten an der Nationalpark-Idee vorbei.  SN/sw
Zahlreiche Gäste schießen mit ihrem Verhalten an der Nationalpark-Idee vorbei.

"Lieber Gast, staunen Sie über mächtige Felswände, die vor Ihnen majestätisch in den Himmel ragen. Verschmelzen Sie mit der herrlichen Natur und lassen Sie den Bergfrieden auf Ihre Seele einwirken." So wird der Hintersee im Felbertal auf der Homepage der Gamsblickhütte gepriesen. Ein Ort, wo die Nationalpark-Kernzone beginnt. Natur pur. Der Stress bleibt draußen.

Es ist wirklich schön dort. An dem Bild wird aber mit Nachdruck gekratzt. Durch Müll, der zurückgelassen wird, und zuletzt auch immer wieder durch PS-starke Autos, die direkt am See geparkt werden und Reifenspuren hinterlassen. Der Hintersee ist zu einem Hotspot für arabische Gäste geworden. Ein Teil verhält sich vorbildlich, ein anderer schickt über die App "Snapchat" Bilder und Videos hinaus - mit den Boliden inmitten der Idylle. Ein Umstand, der dem Mittersiller Bürgermeister Wolfgang Viertler sauer aufstößt: "Dieses Verhalten vieler arabischer Gäste ist für die Natur und die Einheimischen unzumutbar. Das hat klein angefangen und bekommt über soziale Medien große Werbung. Wenn man dem nicht Einhalt gebietet, wird das explodieren."

Zwei Wochen lang habe es beinahe täglich Meldungen von Bürgern gegeben, die Fahrzeuge direkt am Hintersee beobachtet hätten, vorige Woche sei es wieder etwas ruhiger zugegangen, heißt es seitens der Stadtgemeinde. Um zum See zu kommen, muss man an einem hölzernen Tor vorbei. "Unbefugte, die hier einfahren, verstoßen gegen das Nationalparkgesetz", sagt Ferdinand Lainer, stv. Direktor des Nationalparks Hohe Tauern. Die Polizei sieht sich nicht in der Verantwortung. Bezirkskommandant Kurt Möschl: "Per Gesetz liegt die Zuständigkeit in diesem Fall nicht in unserer Hand. Das ist eine Privatrechtsangelegenheit, ein Fall von Besitzstörung." Klaus Weber, Sachwalter der Eigentümerin der nahen Schößwendalm, nahm sich nach einem Gespräch mit den PN der Sache an. Er kommt zum Schluss: "Diese absolut unerwünschte Erscheinung wird mittelfristig wohl nur faktisch, und zwar durch eine elektronisch versperrbare Schrankenanlage, beendet werden können. Etwa so, wie sie üblicherweise von der Österreichischen Bundesforste AG an den Pinzgauer Taleingängen installiert wurden." Eine provisorische Lösung - ein Vorhängeschloss - hat er selbst mittlerweile aufgehängt. Das würden die Bundesforste, als eigentliche Grundeigentümerin, akzeptieren, genauso wie später eine Schrankenanlage, sagt Weber. Auch Lainer hat, nachdem er das obige Foto gesehen hat, sofort Maßnahmen eingeleitet: "Das war ein Aufrüttler, wir mussten handeln. Jetzt wird stichprobenartig am Abend kontrolliert und die Bundesforste haben auch eine Fahrverbotstafel angekündigt."

Über 80.000 Leute werden jährlich beim Hintersee gezählt. Ein Konzept, das alle Interessenten des Gebiets einschließt, sei laut Lainer in Ausarbeitung. Unter anderem gehe es um Themen wie Landschaftspflegeplan und Besucherlenkung. Das Thema der Müllverschmutzung werde sich durch mehr Mülleimer nicht lösen lassen, vermutet Bgm. Viertler. Gesteigerte Entsorgungsfrequenzen seien eine Möglichkeit, grundsätzlich müsse man aber beim Verhalten der Gäste ansetzen. Ein sichtbares Zeichen wären Gebotstafeln. Weber: "Solche sollten angebracht werden."

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