Chronik

Psychiatrische Versorgung bleibt prekär

Seit einem halben Jahr gibt es im Klinikum Schwarzach das Angebot einer tagesklinischen Behandlung. Stationär fehlt es weiter an Platz.

„Es ist ein Fass ohne Boden“, so Primar Keglevic. SN/sw/klinikum schwarzach
„Es ist ein Fass ohne Boden“, so Primar Keglevic.

Die neue Psychiatrie-Tagesklinik findet enormen Zuspruch: "Bereits nach einem Monat hatten wir hier eine Auslastung von über 100 Prozent", schildert der Primar der Psychiatrie, Marc Keglevic, die immer noch extrem angespannte Situation der psychiatrischen Versorgung Innergebirg.

Der Andrang auf die tagesklinischen Therapieplätzen in Schwarzach ist deutlich größer als das Angebot: "Wir haben jetzt schon - obwohl es uns erst so kurz gibt - eine Warteliste von 30 Patienten. Die Wartezeit beträgt dazu mehrere Monate, da sieht man, wie hoch insgesamt der Betreuungsbedarf ist", so Keglevic.

Als einziges Spital außerhalb der Landeshauptstadt ist das Klinikum Schwarzach mit einer psychiatrischen Abteilung ausgestattet - und damit die einzige klinische Anlaufstelle für die rund 185.000 Einwohner im Pongau, Pinzgau und Lungau. Aufgrund der steigenden Anzahl an Patienten und des damit verbundenen hohen Bedarfs an Behandlungsmöglichkeiten auch außerhalb des stationären Betriebs hat das Land Salzburg eine Aufstockung von sechs auf 18 tagesklinische Plätze auf gut 300 Quadratmetern ermöglicht.

"Für einen kleinen Teil der Patienten hat sich die Situation damit natürlich stark verbessert", betont Keglevic, "mit der Tagesklinik wurde eine zusätzliche Therapiemöglichkeit geschaffen, und das ist eine große Hilfe nach der stationären Unterbringung. "

Überbelegung von 120 Prozent

Psychotherapie, Gruppensitzungen und Einzelgespräche mit den Ärzten - die psychiatrische Tagesklinik hat ein breites Angebot. So können jährlich rund 200 Patienten betreut werden. Die Therapien werden individuell für sie gestaltet. Dafür steht ein multiprofessionelles Team aus Therapeuten und Ärzten bereit.

"Bei uns ist der durchschnittliche stationäre Aufenthalt der Patienten mit zehn bis 15 Tagen ohnehin sehr kurz. Das müssen wir auch weiterhin leider so halten, denn unser räumliches Angebot ist insgesamt einfach viel zu klein." Die Verhandlungen mit dem Land über einen dringend nötigen Ausbau und eine Aufstockung der Betten ziehen sich jedoch. "Eine grundsätzliche Entscheidung wäre hier hilfreich und dringend nötig", so der Leiter der Psychiatrie.

"Vieles funktioniert derzeit nur, weil unsere Ärzte und unser Personal aus der Pflege und anderen Fachbereichen viel persönliches und zusätzliches Engagement einbringen. Durch die ständige Überbelegung der Station - wir haben viele Notbetten, auch auf dem Gang - kommt es jedoch zu einer extremen Überbelastung unserer Mitarbeiter. Wenn die Arbeitssituation noch schwieriger wird, dann verlieren wir Ärzte und es wird schwierig, neue zu gewinnen."

Wurden im Jahr 2005 noch rund 700 stationäre Aufnahmen verzeichnet, stieg diese Zahl auf fast 2300 im vergangenen Jahr.

Generell werden psychische Erkrankungen nicht weniger, zu den meistgestellten Diagnosen gehören Depression, Suchterkrankungen, Angst- oder Verhaltensstörungen, Schizophrenie oder Demenz. "Je früher die Behandlung erfolgt, umso erfolgreicher ist sie."

80 Prozent der psychischen Erkrankungen manifestieren sich übrigens im Alter von 17 bis 24 Jahren.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 07:39 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/psychiatrische-versorgung-bleibt-prekaer-28585699

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