Chronik

Radwege braucht es für die breite Masse

Die Engstelle am Bahnhof ruft jetzt die Radlobby auf den Plan. Sie hat einen Vorschlag im Köcher, der ohne den Wegfall von Parkplätzen umsetzbar ist.

Eine Engstelle für Radfahrer in der Rainerstraße beschäftigt die Stadtpolitik. Nun hat sich Bernhard Kreuzer von der Radlobby Salzburg (kleines Bild) eingeklinkt.

Er sagt, die Radlobby habe über die vergangenen eineinhalb Jahre einen Vorschlag erarbeitet, der die Situation ohne die Reduktion von Parkflächen verbessern würde. Zur Erklärung: Bislang müssen sich Radler dort über ein Stück von 150 Metern zwischen Hauptbahnhof und St.-Julien-Straße einen Mehrzweckstreifen mit Autos und Bussen teilen. Es kommt täglich zu gefährlichen Situationen. Um die Stelle zu entschärfen, müssten zehn bis 15 Parkplätze weichen - wogegen sich die ÖVP ausspricht. Tenor: "Das werden wir den Anrainern nicht antun - dafür dass es sowieso Stückwerk bleibt."

Kreuzers Vorschlag sieht einen baulich getrennten Radweg in zwei Richtungen auf der Perron-Seite vor. Auf Höhe Vierhaus-Viadukt würde dieser dann Richtung Salzach abgehen. Die Parkplätze könnten bleiben, es ergäbe sich für die Radfahrer kein Systemwechsel und es würde dem Grundsatz Rechnung getragen, wonach Hauptradrouten immer entlang von Achsen führen sollten. Nur so sei gewährleistet, dass sich auch Ortsunkundige ohne Navi-App zurechtfinden, sagt Kreuzer. Die jetzige Lösung sei "unintuitiv". Seitens der Politik heißt es, diese Variante, die auch unabhängige Stadtplaner und Architekten für machbar halten, sei gut und richtig. Man wolle aber jetzt in sie keine halbe Million Euro investieren, weil im Falle einer Lokalbahn-Verlängerung dort erneut großflächig aufgegraben werden müsste. Kreuzer sieht sich vertröstet. Radkoordinator Peter Weiß stößt indes die Haftungsfrage an. Was ist, wenn etwas passiert? "Die derzeitige Situation ist nicht richtlinienkonform."

1600 Radfahrer frequentieren dieses Nadelöhr täglich. Sauer stößt Weiß auch die Replik von ÖVP-Klubchef Christoph Fuchs auf, der sagte, geübte Radfahrer kommen an der Stelle zurecht und Ungeübten empfehle er die dahinter liegende Elisabethstraße. Dort gibt es einen baulich getrennten Geh- und Radweg.

"Uns geht es bei der Radwegstrategie 2025 dezidiert auch darum, Menschen zum Umsatteln zu motivieren, die bislang nicht radeln. Dafür braucht es sichere Wege." "Wenn Radwege nur für Geübte gedacht sind, bleibt Salzburg Stau-Hauptstadt statt Rad-Hauptstadt", beklagt Bürgerlisten-Gemeinderat Lukas Uitz diese "Windschutzscheiben-Mentalität", wie er sagt.

Aufgerufen am 27.11.2020 um 03:40 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/radwege-braucht-es-fuer-die-breite-masse-94503700

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