Chronik

Reaktionslos in Gegenverkehr: Haftstrafe für Todeslenker

Ein 57-jähriger Tiroler, der im Pinzgau einen tödlichen Unfall verursacht hatte, erhielt ein Jahr teilbedingte Haft. Im Prozess sprach sein Anwalt von "vorübergehender Ohnmacht", doch für die Richterin war ein "erheblicher Sorgfaltsverstoß in Form von Sekundenschlaf" unfallursächlich.

Den Einsatzkräften in Piesendorf bot sich ein Bild des Schreckens. Der Unfall forderte ein Todesopfer.  SN/ff piesendorf
Den Einsatzkräften in Piesendorf bot sich ein Bild des Schreckens. Der Unfall forderte ein Todesopfer.

Sie war ungewöhnlich wie erstaunlich - die Verantwortung, mit der ein 57-jähriger Tiroler am Montag am Landesgericht den schrecklichen Unfall rechtfertigte, den er an einem Juninachmittag 2017 auf der B 168 bei Piesendorf verursacht hatte. Der Tiroler, wegen grob fahrlässiger Tötung vor Strafrichterin Anna Sophia Geisselhofer, war damals laut Strafantrag mit seinem VW Tiguan auf einer langen Geraden plötzlich in den Gegenverkehr geraten. Und völlig ungebremst in den Einser-BMW eines 42-jährigen Deutschen gekracht. Dieser hatte keine Chance, den Crash zu verhindern. Der Deutsche wurde beim Unfall getötet, seine 65-jährige Beifahrerin schwer verletzt.

Staatsanwalt Mathias Haidinger sprach von einem "erheblichen Aufmerksamkeitsfehler", konkret von Sekundenschlaf des Tirolers. Haidinger verwies auf das Gutachten des kfz-technischen Sachverständigen Gerhard Kronreif, wonach der Angeklagte "nicht merkte, dass er voll auf die Gegenfahrbahn geriet. Er blieb zumindest 3,5 Sekunden vor der Kollision völlig reaktionslos".

Der Angeklagte hingegen war sich keiner strafrechtlichen Schuld bewusst. An den unmittelbaren Crash habe er keine Erinnerung mehr: "Ich kann mir nicht erklären, wie es zum Unfall kam. Ich war gut drauf, weil ich meine Frau von ihrer Kur abholen wollte. Ich war überhaupt nicht müde und fühlte mich fit. Ich habe vor dem Unfall nicht telefoniert und war durch nichts abgelenkt." Sein Tiroler Verteidiger, RA Christopher Fink, betonte, dass es "möglich" sei, dass sein Mandant eine "vorübergehende Ohnmacht" erlitten habe. Diese dürfe ihm strafrechtlich nicht angelastet werden.

Die auch zum Prozess geladene neuropsychiatrische Sachverständige Gabriele Wörgötter sah für einen "medizinisch indizierten Bewusstseinsverlust beim Angeklagten zum Unfallszeitpunkt" jedoch keine Hinweise: "Es gibt nicht die geringsten Anzeichen für eine psychische oder neurologische Erkrankung. Er war vor dem Unfall komplett gesund und nach dem Unfall auch."

Richterin Geisselhofer sprach den Tiroler weg grob fahrlässiger Tötung und Körperverletzung schuldig. "Es gibt keine Anhaltspunkte, dass eine krankheitswertige Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit vorlag. Vielmehr ist Sekundenschlaf anzunehmen." Das vergleichsweise strenge Urteil - ein Jahr teilbedingte Haft, drei Monate davon unbedingt - begründete die Richterin damit, "dass ein Mensch getötet und ein weiterer schwer verletzt wurde". Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig: Der Angeklagte nahm sich Bedenkzeit, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.

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