Chronik

Registrierkasse: Am Christkindlmarkt flattern heuer erstmals die Kassabons

Ab heuer gilt die Registrierkassenpflicht auch für den Christkindlmarkt. Denn die "Kalte-Hände-Regelung" greift für die meisten Standler nicht.

Am Wochenende begann der Aufbau des Salzburger Christkindlmarktes. Obmann Wolfgang Haider packte mit an. Am 23. November wird der Markt eröffnet.  SN/neumayr/mmv
Am Wochenende begann der Aufbau des Salzburger Christkindlmarktes. Obmann Wolfgang Haider packte mit an. Am 23. November wird der Markt eröffnet.

Regenfeste Kleidung und Strategie waren am Sonntag beim Aufbau des Salzburger Christkindlmarkts gefragt. Ab acht Uhr früh fuhren Traktoren die 96 tannengrünen Holzhütten nach einem strikten Zeitplan zu ihren Standplätzen auf dem Dom- und dem Residenzplatz. "Der Aufbau ist jedes Jahr eine logistische Herausforderung", sagt der Obmann des Vereins Salzburger Christkindlmarkt, Wolfgang Haider.

Eine Herausforderung ist heuer auch die Registrierkassenpflicht. Alle Aussteller hätten Vorsorge getroffen, sagt Haider. "Das ist ein riesiger Aufwand und für jeden Markt ein Dilemma, es ist ja nicht so, dass die Standbetreiber in der Vergangenheit einen Freibrief hatten." Die Finanz habe den Markt regelmäßig kontrolliert. Die Kalte-Hände-Regelung gilt nur für Unternehmer, die im Jahr außerhalb von festen Räumlichkeiten weniger als 30.000 Euro umsetzen.

Wie hoch die Umsätze auf dem Christkindlmarkt sind, bleibt ein Geheimnis. "Ja, wir verdienen sehr gut", sagt Haider. "Aber wir arbeiten auch hart dafür." Nur drei Aussteller seien Marktfahrer, alle anderen seien Ganzjahresunternehmer. "Das wären sie nicht, wenn sie von den Markteinnahmen leben könnten." Je nach Standgröße bezahlen die Unternehmer pro Jahr 4000 bis 12.000 Euro an den Verein.

Der Christkindlmarkt beschert der Stadt jedes Jahr 230.000 Nächtigungen und eine Wertschöpfung von rund 60 Mill. Euro. Mehr als eine Million Besucher werden gezählt.

Um ein reibungsloses Funktionieren der elektronischen Kassen zu ermöglichen, wird für die Aussteller erstmals ein eigenes WLAN-Netz mit Passwortzugang eingerichtet. Für die Besucher wird jedes Jahr ein eigenes Netz geschaffen, das gleichzeitig maximal 5000 Zugriffe erlaubt. Auf dem Markt komme es immer wieder zu Stromschwankungen und gelegentlich auch zu Stromausfällen, sagt Haider. "Dann müssen wir jeden einzelnen Glühwein händisch notieren."

Entspannt blickt Standbetreiber Nikolaus Hohensinn den kommenden fünf Wochen entgegen. Der Wirt des Gasthaus Zwettler's ist seit drei Jahren auf dem Christkindlmarkt vertreten. "Wir haben von Anfang an mit der Registrierkasse gearbeitet und wissen, was uns erwartet." Sein Vorteil sei, dass er immer mit demselben Personal arbeite, das im Umgang mit der Kassa geübt sei. Drei Mitarbeiter seien nur fürs Bonieren abgestellt.

Skepsis überwiegt bei Aussteller Markus Rasp, der handgefertigten Weihnachtsschmuck, Adventdekorationen und Gewürzgebinde anbietet. "Die Registrierkassenpflicht macht uns das Leben schwer." In den meisten Ständen seien Aushilfskräfte beschäftigt, die noch nie mit einer Kasse gearbeitet hätten. Vor allem an den Wochenenden sei die Gefahr groß, dass sich jemand unter Zeitdruck vertippe. Rasp befürchtet, dass sich vor den Ständen lange Schlangen bilden werden. "Die Kunden werden davonlaufen, wenn wir jeden Posten einzeln eintippen müssen."

Auf am Gürtel befestigte Handgeräte setzt in seinen vier Ständen Unternehmer Johann Gwechenberger. Von Laternen über Duftöle bis zur Floristik muss auch bei ihm der Preis für jedes einzelne Teil eingegeben werden. "Wir werden alle Mitarbeiter ausstatten und zehn bis zwölf Geräte zu je 1800 Euro anschaffen."

Aufgerüstet wird heuer auch bei der Sicherheit. Für das Personal des Wachdienstes wird erstmals ein eigener Container aufgestellt. Zwölf bis 40 Mitarbeiter sollen im Einsatz sein. Sie werden den Markt rund um die Uhr bewachen. Haider: "Der Sicherheitsdienst wird heuer immer gleichzeitig auf beiden Plätzen unterwegs sein."

Aufgerufen am 17.10.2018 um 02:56 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/registrierkasse-am-christkindlmarkt-flattern-heuer-erstmals-die-kassabons-20407414

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