Chronik

Rekordanteil an Biobetrieben im Tennengau

Mit einem Biobauernanteil von 57 Prozent ist der Tennengau österreichweit führend. Die TN sind der Frage nachgegangen, warum das so ist.

Manfred Siller vom Berggasthof Bachrain in Scheffau ist seit Jahrzehnten überzeugter Biobauer. SN/sw/Strübler
Manfred Siller vom Berggasthof Bachrain in Scheffau ist seit Jahrzehnten überzeugter Biobauer.

Es war eine andere Zeit, als sich Manfred Siller Anfang der 90er-Jahre dazu entschied, auf Bio umzusatteln: Österreich war noch nicht EU-Mitglied und damit auch nicht Teil der gemeinsamen Agrarpolitik. "Es gab damals noch weit weniger Absatzmöglichkeiten für Bioprodukte. Auch die Möglichkeit, an Molkereien zu liefern, hat sich erst mit der Zeit entwickelt", sagt Siller.

Die genossenschaftlichen Abnehmer im heutigen Sinn gibt es überhaupt erst seit Mitte der 1990er-Jahre. Heute habe man unter anderem mit dem Bio-Logo der EU Transparenz und Sicherheit. "Die europaweit gültigen Richtlinien helfen nicht nur dem Konsumenten, sondern auch mir als Wirtschaftstreibendem", sagt Siller.

Im Tennengau sehen das traditionell viele Landwirte so wie der Scheffauer Vizebürgermeister und Betreiber des Berggasthofs Bachrain in Scheffau. So gab es im Jahr 2016 laut aktuellen Zahlen der Landwirtschaftskammer im Tennengau 673 Biobetriebe, um 18 mehr als im Jahr davor.

"Bei uns waren für Bio keine großen Sprünge nötig." Manfred Siller, Biobauer

Bei insgesamt 1179 landwirtschaftlichen Betrieben im Bezirk ergibt das einen Bio-Anteil von 57 Prozent. Zwischen 2008 und 2016 stieg der bereits hohe Bio-Anteil noch einmal um fünf Prozentpunkte an. Damit ist der Tennengau nicht nur salzburgweit führend, sondern auch der österreichweite Spitzenreiter-Bezirk.

Neu ist diese Entwicklung allerdings nicht. Der Tennengau ist seit vielen Jahren führend bei "Bio". Siller, der bis 2015 im Vorstand von Bio Austria saß, kennt die Gründe: "Wir haben im Tennengau schon immer extensiv (mit vergleichsweise wenig Eingriffen in die natürlichen Verhältnisse, Anm.) gewirtschaftet. Dadurch war die Umstellung auf biologische Landwirtschaft keine große Thematik."

Anders als bei dem im Tennengau strukturbedingt wenig verbreiteten Gemüseanbau ist für Grünland-Rinderbetriebe vergleichsweise wenig Know-how für den Umstieg nötig. "Rinderbauern haben beispielsweise traditionell wenig chemisch-synthetische Spritzmittel gebraucht, da sind nicht so große Sprünge nötig", so Siller. Die landwirtschaftliche Struktur des Tennengaus sieht auch Bezirksbauernkammer-
Obmann Rupert Quehenberger als Hauptgrund für die hohe Dichte an Biobetrieben im Bezirk (siehe Interview links unten). Die ersten Biobauern gab es im Tennengau deshalb bereits in den 80er-Jahren.

Der Bio-Trend der vergangenen Jahre spielt den Betrieben dabei in die Hände. "Der Markt entwickelt sich in ganz Europa gut, speziell aber in Österreich und Deutschland", betont Siller. Im Handel lasse sich deshalb mit Bio produkten mittlerweile oft ein guter Preis erzielen. "Es stellt sich aber natürlich die Frage, in welchen Bereichen der Bauer dadurch auch einen Mehrpreis erlösen kann", so Siller. So sei etwa die Spreizung zwischen Biomilch und konventioneller Milch zuletzt recht deutlich gewesen. "Das hat zusätzliche Betriebe motiviert zu überlegen, ob Bio für sie passt."

Natürliche Schwankungen

Generell hänge die Zahl der Neueinsteiger bzw. Aussteiger mit den GAP-Perioden der EU zusammen. "Zu Beginn einer neuen Förderperiode kommen meistens neue hinzu, am Ende jeder Periode hören ein paar auf. Das sind die natürlichen Schwankungen", sagt Siller, der einen großen Teil der in seinem Gasthof verkochten Lebensmittel aus der eigenen Landwirtschaft bezieht. "Wir haben Rinder, Damwild, Ziegen und Schweine und schlachten auch selbst." Das Gemüse bezieht Siller aus Wals, das Brot von einer Bäckerei in Kuchl. Alle übrigen Lebensmittel kauft er über Bio-Großhändler ein.

Aufgerufen am 18.10.2018 um 12:32 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/rekordanteil-an-biobetrieben-im-tennengau-20558230

Die besten Tennengauer Küchen im "Guide a la carte

Die besten Tennengauer Küchen im "Guide a la carte

Der Sieger in der Wertung des Gourmetsführers kommt wenig überraschend aus Golling. Auch andere Tennengauer Betriebe sind vertreten - einige sind aber auch wieder aus der Wertung gefallen. Jedes Jahr im …

Am Dürrnberg soll neues Reha-Zentrum entstehen

Am Dürrnberg soll neues Reha-Zentrum entstehen

Neben der Emco Privatklinik am Dürrnberg soll in wenigen Jahren ein psychiatrische Rehabilitationszentrum eröffnen. Die Unternehmensgruppe "Hospitals" möchte Emco ein Areal von knapp 6500 Quadratmetern …

Kommentare

Schlagzeilen