Chronik

Retter der Frösche und Kröten

Tausende Erdkröten und Grasfrösche werden in den kommenden Wochen über die Straße gebracht. In Thumersbach gibt's bei einem revitalisierten Tümpel beste Bedingungen zur Fortpflanzung.

Herlinde Hasenauer vor dem frisch ausgebaggerten Biotop in der Nähe des Badeplatzes Haus Gabi.  SN/sw/andreas rachersberger
Herlinde Hasenauer vor dem frisch ausgebaggerten Biotop in der Nähe des Badeplatzes Haus Gabi.

Amphibien können auf treue Wegbegleiter zählen. Seit 30 Jahren bewahren Herlinde Hasenauer und ihr Mann Helmut jährlich Tausende Exemplare im Bereich Erlberg vor dem Verkehrstod. "Insgesamt werden es schon 100.000 gewesen sein. Ich habe das Massaker auf der Straße nicht mehr mit ansehen können, dann habe ich mein Herz an diese Sache gehängt", sagt die Pensionistin, die Mitglied der Biotopschutzgruppe Pinzgau ist.

In den kommenden vier bis fünf Wochen ist wieder Hochsaison, täglich sind die Hasenauers bis zu zwei Stunden im Einsatz, um Frösche aus den Kübeln vor den Schutzzäunen zu befreien und ins Laichgebiet zu bringen. Es gibt in dem Abschnitt auch mehrere Tunnels für die Tiere, dennoch sind weitere Zäune nötig, die von der Straßenmeisterei Pinzgau aufgestellt werden. "Die Zusammenarbeit läuft sehr gut", betont Herlinde Hasenauer.

Neben der Straße ist der Verlust an Feuchtlebensräumen eine große Gefahr für die Amphibien. Andreas Scharl, Schutzgebietsbetreuer im Pinzgau, sagt: "Sie zählen zu der am stärksten bedrohten Tiergruppe Salzburgs. Umso wichtiger ist die Anlage und regelmäßige Pflege von Amphibienlaichgewässern in der Nähe geeigneter Landlebensräume. Im Natur- und Europaschutzgebiet Zeller See finden sechs Amphibienarten nun wieder gute Bedingungen zur Fortpflanzung vor, denn ein wichtiges Laichgewässer in Thumersbach wurde im Dezember revitalisiert." Der besagte Tümpel liegt zwischen dem Fußballplatz Haus Gabi und dem nahen Campingplatz. Vor lauter Schilf habe man dort kein Wasser mehr gesehen, sagt Hasenauer: "Es ist sehr hoch und immer dichter gewachsen. Ein Eingriff war dringend nötig."

Unter der Anweisung von Andreas Scharl führte ein erfahrener Baggerfahrer die Arbeiten aus. "Durch die neu geschaffenen tiefen Bereiche im Laichgewässer, durch flache Uferzonen sowie die verbesserte Wasserzufuhr finden die Amphibien nun wieder optimale Laich- und Entwicklungsbedingungen vor", schildert der Schutzgebietsbetreuer.

Hasenauer richtet noch einen Appell an die Autofahrer: "Es sind Zeichen aufgestellt, die auf die Krötenwanderung hinweisen. Bitte in betroffenen Gebieten möglichst langsam fahren. Wenn man einem Frosch ausweicht, aber mit 40 km/h mittig über ihm fährt, zerreißt es ihm die Lunge."

Auch an zahlreichen anderen Orten sind Froschklauber im Einsatz. Eine Übersicht der bekannten Abschnitte findet sich auf "SAGISonline" unter Natur - Amphibienwanderstrecken.

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