Chronik

Retter in der digitalen Not

Stefan Stradal ist der iDoctor. Er versteht sich auf das Reparieren von Handys & Co. Manchmal muss er dabei auch den Seelentröster spielen.

Das Smartphone lässt sich nicht mehr laden? Viele malen sich da das Schlimmste aus. Stefan Stradal greift kurz zu Pinsel und Druckluft, befördert einen Staubpropfen zutage und das Problem ist gelöst. "Das passiert häufig", sagt der 38-jährige Stadt-Salzburger. Geld nimmt der sogenannte iDoctor für eine solche "Reparatur" nicht.

Dieser freundliche Zugang mag zu seinem Erfolg beitragen: Denn: Entstanden ist sein Unternehmen praktisch in der Garage. Der IT-Techniker brachte nach beruflichen Etappen in den USA und Asien die ersten iPhones mit aus Amerika. "Natürlich kamen die Leute dann auch zu mir, um die Kinderkrankheiten zu kurieren", erzählt er. Er meldete neben seinem Brotberuf ein Kleinstunternehmen an und reparierte die Mobiltelefone und Tablets abends nach seiner eigentlichen Arbeit in der Spar-Zentrale. Aber die Aufträge wurden mehr und mehr. Anfang 2010 war die Selbstständigkeit daher der logische nächste Schritt. Der iDoctor mietete sich bei einem Freund in der Samergasse ein, suchte sich einen Geschäftspartner und gründete eine GmbH. Heute besteht das Team der Handy-Doktoren aus fünf Mitarbeitern, man ist an die Alpenstraße übersiedelt. Viele Firmen - darunter der ehemalige Arbeitgeber - gehören zu den Kunden. Diverse Elektronikpartner reichen die Reparaturwünsche ihrer Kunden an den iDoctor weiter. Außerdem gehen im Geschäft jede Menge Privatkunden ein und aus.

Menschen brechen in seinem Geschäft in Tränen aus

Sehr viele sind verzweifelt, wenn ihr liebstes Spielzeug den Geist aufgibt. Es komme vor, dass Menschen in seinem Geschäft in Tränen ausbrechen, gesteht Stradal. Er setze sich dann mit ihnen auf die Couch.

Meistens kann er auch fachlich behilflich sein, wenn es etwa um Datenrettungen nach Wasserschäden geht. Seit Kurzem macht Stradal zusätzlich Reparaturen auf Chipbereich-Basis. Dabei prüft er unter dem Digitalmikroskop, wo Kurzschlüsse entstanden sind. "Das entspricht quasi der Herz-OP, mit freiem Auge sieht man da nichts mehr", erklärt der Mann. Die Überlebens-, sprich Erfolgsrate liege mittlerweile aber auch in diesem Bereich bei 80 Prozent. Vor drei Jahren hätte man bei einem solchen Problem noch von Pech gesprochen. Auslöser für eine derartige Überspannung ist in aller Regel fehlerhaftes Zubehör. Hier zu sparen, ist an der falschen Stelle gespart. "Wer im Internet ein um drei statt 19 Euro angepriesenes Ladekabel entdeckt, sollte die Alarmglocken schon schrillen hören", warnt Stradal.

Er nimmt übrigens längst nicht mehr nur Apple-Geräte unter seine Fittiche. Dass Reparieren im Trend liegt, kann Stradal bestätigen. "Extrem gut" nehmen die Salzburger den Reparaturbonus des Landes an. Sie bekommen dabei 50 Prozent der Reparaturkosten beziehungsweise maximal 100 Euro pro Jahr und Haushalt zurück. "Für viele Kunden ist das ein Argument, das alte Gerät noch nicht abzuschreiben."

Außerdem habe ihm der Bonus gut über die Corona-Pandemie geholfen. Während des Shutdowns entwickelte Stradal außerdem einen Desinfektionsspender und einen Handy- und Hand-Spray ("Ich fand eine eigene Hygiene-Linie, irgendwie passend für den iDoctor."). Obendrein richtete er sich eine Werkstatt in seinem Bus ein. Stradal, nicht fad: "So habe ich die kaputten Geräte eben vor dem Haus unserer Kunden repariert."

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