Chronik

Saalbach: So gelang Polizisten die dramatische Lebensrettung

Ein schwer betrunkener norwegischer Urlauber drohte in der Nacht im Spielbergbach in Saalbach zu erfrieren. Erste Helfer scheiterten, doch zwei Polizisten gelang es, den Mann noch zu bergen.

Es waren dramatische Szenen am Sonntag kurz vor drei Uhr in der Nacht oberhalb von Saalbach im Ortsteil Oberdorf im Spielbergbach: Ein offensichtlich schwer betrunkener 45-jähriger Urlauber aus Norwegen war in dem verschneiten, vereisten und schwer zugänglichen Graben in das Bachbett geraten und drohte dort zu erfrieren. "Der Mann war völlig orientierungslos, total durchnässt und hat mit Hilfe rufen auf seine missliche Situa tion noch aufmerksam machen können", sagte ein Polizeisprecher.

Es waren Angestellte eines Gastronomiebetriebs, die in ihren Unterkünften in einem nahen Personalhaus auf den hilflosen Urlauber aufmerksam wurden. "Sie haben versucht, mit einer Leiter den Mann aus dem Graben zu bergen, scheiterten aber", sagte der Polizeisprecher.

In der Zwischenzeit eilte eine verständigte Polizeistreife zum Unglücksort. Im Auto die stellvertretende PI-Kommandantin Sonja Fersterer (28) und Manuel Certov (25). Beide sind in der Ski- und Langlaufwelt keine Unbekannten. Sonja Fersterer war Jugendstaatsmeisterin im Biathlon, Manuel Certov fuhr im Ski-Europacup.

"Mit der Leiter hat die Bergung nicht funktioniert", schilderte die 28-jährige Sonja Fersterer den SN. "Ich habe mich mit meinem Kollegen bei einem Geländer verhakt und gemeinsam haben wir den Urlauber aus dem Graben ziehen können. Dann war es wichtig, den Mann aufzuwärmen. Wir haben den Dienstwagen sofort aufgeheizt und haben den Geborgenen dem Roten Kreuz übergeben. Dieses hat den Norweger in Spital gebracht."

Wie knapp der Unfall für den verunglückten Norweger verlaufen ist, der sich mit Rucksack und Skischuhen in der Nacht auf dem Heimweg von einer Après-Ski-Bar befand, zeigte die Tatsache, dass sein Rucksack bereits komplett zugefroren war, auch der gefrorene Reißverschluss seines Anoraks ließ sich anfangs von den Rettern nicht öffnen.

Der stark unterkühlte und geschwächte 45-jährige Norweger, der bei seiner Bergung über Schmerzen in der Brust klagte, wurde in das Krankenhaus Zell am See eingeliefert. Ob er sich bei seinem Sturz in den Bach auch Rippen gebrochen hatte, war vorerst unklar.

Die beiden Lebensretter von der Saalbacher Polizeiinspektion zeigten am sonnigen Sonntag keine Anzeichen von Müdigkeit: Sonja Fersterer, sie stammt aus einer bekannten Langlauffamilie in Saalfelden, ließ es sich nicht nehmen, an diesem Tag die Biathlon-WM-Bewerbe in Hochfilzen mitzuverfolgen. Ihr Kollege Manuel Certov war mit einer Kinderskigruppe unterwegs.

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