Chronik

Salzburg: Breite Ablehnung des Tiroler Skischuh-Verbotes

In den Salzburger Winterskiorten wird das nächtliche Skischuh-Verbot von Ischgl heiß diskutiert. Die Reaktionen der Touristiker reichen von Unverständnis bis zu Lachanfällen.

Salzburg: Breite Ablehnung des Tiroler Skischuh-Verbotes SN/lois hechenblaikner
Eine Szene aus Ischgl und die sich daraus ergebende Frage: Sind allein die Skischuhe die Wurzel des Übels?

Die einen hielten es schlichtweg für einen Witz, die anderen für einen frühen Faschingsscherz. Die Meldung über ein Skischuh-Verbot im Tiroler Skiort Ischgl seit Sonntag schlug in ganz Österreich und auch in Deutschland hohe Wellen.

Demnach hat die Gemeinde eine Verordnung erlassen, die besagt, dass auf den Wegen und Plätzen im Dorfzentrum das Gehen mit Hartschalenschuhen sowie das Tragen von Ski, Skistöcken und Snowboards im Zeitraum von 20. November bis 5. Mai in den Abend- und Nachtstunden von 20 bis 6 Uhr verboten ist.

Wer sich nicht daran hält, könnte teuer dafür bezahlen. Es drohen Geldstrafen in der Höhe von bis zu 2000 Euro.

Bürgermeister Peter Padourek (Zell am See) entlockte diese Meldung am Sonntagvormittag nur ein Lächeln. "Was soll man davon halten? Ich bin wirklich überrascht." Schließlich sei der Ort Ischgl über den Wintertourismus groß geworden. Und wie bei allem gebe es eben auch im Tourismus Vor- und Nachteile.

In Zell am See werde es so ein Verbot auf keinen Fall geben. "Bei uns gibt es auch lärmende und grölende Gäste im Zentrum. Wir haben uns aber mit den Wirten zusammengesetzt und die Aktion ,Pssst' ins Leben gerufen."

Eine Passage aus dem "Zauberlehrling" fällt Roland Kindl, Tourismusobmann in Obertauern, zur Skischuh-Problematik in Ischgl ein. "Es sind die Geister, die sie gerufen haben."

Ischgl habe sich jahrelang klar als die Après-Ski-Metropole positioniert. Man habe speziell dieses Publikum angesprochen und lebe auch von diesem Publikum. Kindl kann nicht verstehen, dass man dort nun diese eine Woche im Jahr, wo der Gast einfach nur seinen Spaß haben wolle, anfange zu reglementieren. "Wie soll das gehen?" Es werde sicher nicht einfach, 20 betrunkenen Skifahrern nach zehn Bier die Skischuhe auszuziehen.

In Obertauern seien Skischuhe jedenfalls herzlich willkommen. "Wir haben Skihütten und Bars, in denen die Skischuhträger jederzeit gern gesehen sind. In anderen werden am früheren Abend die Gäste bedient, die direkt von der Skipiste kommen, und später kommen die anderen, die sich zuvor im Hotel fein gemacht haben." Das funktioniere gut.

Veronika Scheffer von der Liftgesellschaft Zauchensee kennt das Skischuh-Problem nicht. "Bei uns gehen viele Gäste nach dem Skifahren erst zum Wellnessen ins Hotel. Und später zum Essen oder zum Après-Ski." Aber in Ischgl müsse das Problem schon sehr groß gewesen sein, dass Gemeinde, Tourismus und Seilbahner zu dieser Maßnahme griffen. "Das macht man sicher nicht aus Jux und Tollerei, schon gar nicht in einem Tourismusort." Das Verbot sei ein Appell an die Vernunft der Skifahrer.

Leo Bauernberger, Chef der Salzburger Land Tourismus GmbH, will davon nichts wissen. "Ich bin seit 20 Jahren im Salzburger Tourismus tätig, dieses Problem ist mir noch nie zu Ohren gekommen."

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