Chronik

Salzburg - der kleine Paul lehrt die Arbeit mit Frühchen

In diesem Baby steckt jede Menge Hightech: Angehende Mediziner in Salzburg können jetzt an einer lebensnahen Frühchenpuppe üben.

Paul hat Atmenot: Mit der lebensnahen Puppe kann das Klinikpersonal seltene Notfälle üben. SN/salk
Paul hat Atmenot: Mit der lebensnahen Puppe kann das Klinikpersonal seltene Notfälle üben.

Der kleine Paul ist in einem kritischen Zustand. Das Baby kam in der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt, drei Monate zu früh. Bei dem Frühgeborenen hat zudem die Atmung nicht richtig eingesetzt. Kinderarzt Martin Wald steht mit seinem Team bereit. Erst versuchen die Mitarbeiter der Division für Neonatologie im Salzburger Landeskrankenhaus noch, mit einem kleinen Beatmungsbeutel die Atmung in Gang zu bekommen.

Da diese Versuche nicht fruchten, entscheidet sich der Kinderarzt dafür, das Neugeborene zu intubieren. Dazu wird ein Schlauch in die winzige Luftröhre eingeführt, über den das Baby künstlich beatmet wird. Ein heikler Eingriff, der auf Anhieb klappen sollte. "Ich komme tatsächlich ins Schwitzen", sagt Martin Wald, der die Abteilung für Neonatologie leitet.

Die Situation ist fordernd, auch wenn Paul nur eine Übungspuppe ist. Der kritische gesundheitliche Zustand wurde von einem Computerprogramm simuliert. Das Aussehen und die Reaktionen von Paul sind aber so lebensnah, dass sich der Ernstfall an der Puppe trainieren lässt.

Am Freitag wurde Paul von Sponsor Milupa an die Salzburger Landeskliniken übergeben. 50.000 Euro ist das Trainingsgerät wert. In der Puppe steckt jede Menge High-Tech. So arbeiteten auch Profis für Film-Spezialeffekte an Paul, um ihn so lebensnah wir möglich zu gestalten. Jetzt hebt sich sein kleiner Brustkorb beim Atmen, sein Kopf dreht sich. In seine Arme können intravenöse Zugänge gelegt werden, auch seine Babylaute klingen wie von einem echten Frühchen.

Entwickelt wurde Paul von einem Team rund um Kinderarzt Jens Schwindt. "Wir können mit der Puppe alles tun, um die Versorgung von Neugeborenen perfekt zu trainieren", sagt der Entwickler. Paul helfe dabei, die seltenen Notfälle bei den kleinsten Patienten effektiv zu simulieren. "Gerade in der Kinderheilkunde ist die Simulation eine ethische Verpflichtung. Wir können ja nicht am echten Patienten üben." Bei seiner eigenen Ausbildung habe er keine lebensnahe Puppe zur Verfügung gehabt. "Irgendwann stehst Du vor so einem Säugling, musst intubieren, und hoffst, dass es irgendwie klappt." So sei er auch auf die Idee gekommen, Paul zu entwickeln.

Das Intubieren von Frühchen sei immer heikel, sagt Neonatologe Martin Wald. "In solchen Situationen darf man keine Lernkurve haben, da muss jeder Handgriff sitzen." Für jeden Mediziner sei es eine schwierige Situation ist, zum ersten Mal bei einem Frühgeborenen einen Beatmungsschlauch zu verlegen. "Üblicherweise bekommt man zuerst bei größeren Patienten Routine, bevor man so etwas bei einem Frühchen macht. Trotzdem ist das erste Mal eine heikle Angelegenheit."

Für jetzige Neonatologen in Ausbildung sei die Anschaffung von Paul eine große Erleichterung. Die realistische Puppe wird künftig im klinischen Simulationszentrum des Landes für Übungszwecke bereit stehen. Dort gibt es bereits ein ähnliches Modell, das einen reifen Säugling darstellt. Zudem gibt es Übungsobjekte, die Einjährige, Fünfjährige, Jugendliche und Erwachsene simulieren. Das Simulationszentrum sei mittlerweile bestens ausgestattet und werde auch von anderen Kliniken genutzt, sagt Geschäftsführer Florian Lagler.

"Wir hatten schon Teams aus Südafrika, Indien und Russland da. Wir machen auch selbst Trainings in anderen Ländern. Demnächst fahren wir in die USA und nach Dubai, im nächsten Jahr geht es nach Rio de Janeiro und nach Asien."

Leider fehle im Klinikalltag oft die Zeit, um sich der Ausbildung zu widmen, sagt Primar Wolfgang Sperl, Leiter des Kinderspitals. "Deshalb sind eigne Trainingseinheiten für die Ausbildung unerlässlich."

Quelle: SN

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