Chronik

Salzburg: Falsche Polizisten betrogen 90-Jährige um mehr als 150.000 Euro

Enormen Schaden haben Betrüger, die sich als Polizisten ausgaben, in Salzburg-Gnigl angerichtet. Die unbekannten Täter lockten einer 90-jährigen Frau Beute in Höhe von mehr als 150.000 Euro heraus. Im Kampf gegen diese Form der Kriminalität hat die Polizei nun einen neuen Verbündeten.

Betrüger gaben sich als Polizisten aus. SN/robert ratzer
Betrüger gaben sich als Polizisten aus.

Am Mittwochnachmittag rief ein noch unbekannter Mann bei der betagten Salzburgerin an und sagte, dass ihre Tochter in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen sei. Dafür sei eine Kaution in Höhe eines fünfstelligen Eurobetrages fällig.

Da die überrumpelte 90-Jährige nicht genügend Bargeld in ihrer Wohnung hatte, griff sie zusätzlich auf mehrere Goldmünzen zurück, die - unwissend - mehr als 100.000 Euro wert waren.

Anschließend erfolgte vor dem Wohnobjekt der 90-jährigen Frau in Gnigl die Übergabe der "Kaution" an eine Frau, die sich als "Polizistin" ausgab. Und so landeten 35.000 Euro Bargeld sowie Goldmünzen im Wert von 120.000 Euro bei den Kriminellen. Sowohl von der Täterin als auch von ihrem Komplizen fehlt jede Spur.

Martin Kaltenegger, Landeskriminalamt Salzburg: Im Hintergrund hören die Angerufenen oftmals einen weinenden Menschen, der „Papa, Mama, bitte hilf mir’ schluchzt“.  SN/robert ratzer
Martin Kaltenegger, Landeskriminalamt Salzburg: Im Hintergrund hören die Angerufenen oftmals einen weinenden Menschen, der „Papa, Mama, bitte hilf mir’ schluchzt“.

Martin Kaltenegger ist Beamter beim Landeskriminalamt Salzburg und mit der Prävention von Fällen wie jenem in Salzburg-Gnigl befasst. Es war einer von drei angezeigten Vorfällen am Mittwoch. Bei zwei anderen, in Abtenau beziehungsweise in Eugendorf, blieb es beim Versuch. Die angerufenen Senioren hatten Verdacht geschöpft, das Telefon aufgelegt und die Polizei verständigt.

"Polizei fordert niemals eine Kaution"

Und gerade das sei für die Polizei sehr wichtig, sagt Kaltenegger im SN-Gespräch, weil dadurch bekannt werde, dass Täter aktiv sind. Kaltenegger: "Für uns ist nämlich der Zeitfaktor sehr wichtig. Ich halte immer wieder Vorträge etwa in Seniorenheimen. Und da erfahre ich dann von Seniorinnen und Senioren, dass sie auch schon von Betrügern angerufen worden seien, das bemerkt haben, aufgelegt haben, aber nichts weitergeleitet haben, weil halt kein Schaden entstanden ist." Ebenfalls wichtig sei, dass Kinder oder Enkelkinder mit älteren Angehörigen über Betrugsmaschen sprechen "und ihnen klarmachen, dass die Polizei niemals anruft, um eine Kaution zu fordern".

Die Opfer stehen im Telefonbuch

Betrüger fänden ihre Opfer oft über öffentliche Telefonbücher. Die Kriminellen suchen dabei gezielt nach eher traditionellen Vornamen in Verbindung mit Festnetznummern. Gerade bei älteren gegenüber Banken oft misstrauischen Menschen, die Geld und Wertsachen zuhause lagern, hoffen die Täter auf Beute - im Fall der 90-Jährigen aus Salzburg-Gnigl ist dies auch eingetreten.

Martin Kaltenegger: "Bei den Anrufen wird Druck aufgebaut. Im Hintergrund hören die Angerufenen oftmals einen weinenden Menschen, der ,Papa, Mama, bitte hilf mir' schluchzt." Und dermaßen eingeschüchterte Seniorinnen und Senioren geben mitunter nach.

Gemeinsam Sicherheit schaffen (v.l.): Hilfswerk-Geschäftsführer Hermann Hagleitner, Fachabteilungsleiter Manfred Feichtenschlager, Revierinspektorin Kathrin Kaltenhauser und Landespolizeidirektor Bernhard Rausch. SN/hilfswerk salzburg
Gemeinsam Sicherheit schaffen (v.l.): Hilfswerk-Geschäftsführer Hermann Hagleitner, Fachabteilungsleiter Manfred Feichtenschlager, Revierinspektorin Kathrin Kaltenhauser und Landespolizeidirektor Bernhard Rausch.

Hilfswerk kooperiert mit Polizei

Im Kampf gegen diese Form der Kriminalität haben sich nun die Polizei und das Hilfswerk verbündet. Denn: Bei Trickbetrügereien, Enkel- oder Neffentricks, falschen Gewinnbenachrichtigungen, vorgetäuschten Unfallmeldungen und so weiter sind ältere Menschen einer höheren Gefahr ausgesetzt, Opfer zu werden, als andere Bevölkerungsgruppen.

Salzburgs Polizeidirektor Bernhard Rausch sagt: "In der kriminalpolizeilichen Prävention erachte ich gerade das Eingehen auf die Bedürfnisse älterer Mitbürger für überaus wichtig, weshalb mich diese Kooperation mit dem Hilfswerk Salzburg besonders freut."

Salzburgs Hilfswerk-Geschäftsführer Hermann Hagleitner ergänzt: "Das Hilfswerk begleitet monatlich rund 4500 Kundinnen und Kunden im Bereich der mobilen Pflege und Betreuung und Einrichtungen wie das Betreute Wohnen. Auch mit den Angehörigen stehen wir eng in Kontakt. Dabei bekommen unsere Leute natürlich einiges mit - auch was Sicherheitsfragen betrifft. Wir versuchen dann erste Tipps mitzugeben. Durch die Kooperation mit der Polizei können wir künftig noch besser reagieren und vermitteln."

Aufgerufen am 26.10.2021 um 02:39 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/salzburg-falsche-polizisten-betrogen-90-jaehrige-um-mehr-als-150-000-euro-108227449

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