Chronik

Salzburg ist ein einziger Kreisel

Sie erhitzen die Gemüter, machen Staus den Garaus und bestimmen unser Straßenbild: Kreisverkehre im ganzen Land.

Der neue Kreisverkehr in Mittersill ist derzeit wohl der am heißesten diskutierte "Kreisel" von insgesamt rund 95 in Stadt und Land Salzburg. Vor allem die beiden riesigen Eisenfiguren samt Wasserfall in der Mitte des Kreisverkehrs empören viele Pinzgauer. Ein Grund für die "Salzburger Nachrichten", sich die Entstehung von Kreisverkehren und ihre Geschichte im Bundesland genauer anzusehen.

In Salzburg gibt es derzeit 71 Kreisverkehre auf Landesstraßen sowie rund 20 Kreisverkehre auf Gemeindestraßen. Der Kreisverkehr in Glasenbach in der Gemeinde Elsbethen hat 1993 die Ära der "Roundabouts", wie sie im englischen Sprachraum genannt werden, eingeläutet. Aber der allererste Kreisverkehr dürfte sich in Obertrum befunden haben. Auf historischen Bildern aus der Gemeinde vom Jahr 1956 ist bereits im Bereich der Ortseinfahrt ein einspuriger Kreisverkehr zu sehen. Heute befindet sich dort eine T-Kreuzung, die links und rechts von den beiden Kreisverkehren Nord und Süd eingerahmt ist. Geht es nach der Gemeinde, soll dort aber bald wieder ein Kreisverkehr stehen.

Als Kreisverkehr-Gemeinde schlechthin darf sich Eugendorf rühmen - mit vier Exemplaren auf Landesstraßen. Nirgends gibt es mehr. Saalfelden oder Straßwalchen zählen mit je drei "Kreisel" zu den Spitzenreitern. Die niedrigste Dichte gibt es im Lungau, mit je einem Kreisverkehr in Tamsweg und einem in St. Michael. Der Großteil der Kreisverkehre in Salzburg ist einspurig.

Kreisverkehr kostet mindestens 200.000 EuroKreisverkehre sind eine teure Angelegenheit. Die Errichtung kostet zwischen 200.000 und einer Million Euro. "Das hängt von den baulichen Maßnahmen ab. Braucht es eine Entwässerung oder nicht? Wie sind die Bodenverhältnisse?", heißt es dazu bei der Landesstraßenverwaltung.

Im österreichweiten Vergleich gibt es in Salzburg eher weniger Kreisverkehre. Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer: "Salzburg ist da zögerlich. In Niederösterreich und im Burgenland gibt es noch viel mehr ,Kreisel‘."

Gemeinden würden Kreisverkehre vor allem bei Aufschließungen von Gewerbe- oder Wohngebieten einsetzen. Salzburgs Gemeinden haben beim Bau von Kreisverkehren an Gemeindestraßen freie Hand. Mödlhammer: "Eine Gemeinde entscheidet aufgrund eines Verkehrsgutachtens, ob ein Kreisverkehr Sinn ergibt oder nicht."

Ähnlich läuft es auf Landesebene ab. Landesbaudirektor Christian Nagl: "Wir errichten einen Kreisverkehr, wenn er bei einem neuen Anschluss an eine Landesstraße besser geeignet ist als etwa eine normale Kreuzung. Auch bei Unfallhäufungspunkten kommen sie zum Einsatz."

Neben Kreisverkehren gibt es in Salzburg auch sogenannte Weißwurst-Knoten. Sie unterscheiden sich von gängigen "Kreiseln" durch ihre längliche Form. Vergangene Woche wurde in Wals-Himmelreich ein Weißwurst-Knoten eröffnet.

Welcher Kreisverkehr gefällt Ihnen am besten? Welcher ist für Sie nur eine Landschaftsverschandelung? Und wo würde ein Kreisverkehr wirklich Sinn ergeben? Schreiben Sie uns zu diesem Thema und schicken Sie uns Bilder an onlinered@salzburg.com. Name und Standort des Kreisverkehrs bitte nicht vergessen!


Aufgerufen am 05.08.2020 um 05:06 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/salzburg-ist-ein-einziger-kreisel-3337771

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