Chronik

Salzburg: Kniffliger Prozess um Menschen- und Prostitutionshandel zieht sich

Seit einem Jahr läuft am Landesgericht ein Prozess, in dem es, so die Anklage, um eine perfide Form von moderner Sklaverei geht: Zwei in Salzburg lebenden Nigerianern (39, 37) wird angelastet, 2015 eine damals 23-jährige Landsfrau mit falschen Versprechungen nach Österreich gelockt und zur Prostitution gezwungen zu haben.

Symbolbild.  SN/APA/BARBARA GINDL
Symbolbild.

Um das mutmaßliche Opfer gefügig zu machen und es an die Angeklagten zu binden, sei die 23-Jährige einem "Juju-Ritual" (nigerianische Variante des Voodoo-Zaubers) unterzogen worden. Dabei habe, so Chef-Staatsanwältin Barbara Fischer, eine "Madame" - eine als Zuhälterin fungierende ältere Landsfrau - die 23-Jährige im Zuge eines Rituals dazu gebracht, zu schwören, die Kosten für ihre Schleusung über Italien nach Österreich den Angeklagten zurückzuzahlen.

Die Angeklagten (Verteidiger: RA Kurt Kozak) bestreiten den Vorwurf des Menschen- und Prostitutionshandels vehement: Die junge Frau habe dies alles nur erfunden, um trotz negativen Asylbescheids in Österreich bleiben zu dürfen.

Der bereits mehrmals vertagte Prozess ist für das Schöffengericht (Vorsitz: Anna-Sophia Geisselhofer) sehr knifflig; am Dienstag fanden nun drei weitere gerichtliche Videokonferenzen mit in Italien und Deutschland lebenden Zeugen statt. So wurde etwa eine andere Nigerianerin befragt, die laut mutmaßlichem Opfer ebenfalls mit ihr nach Österreich gekommen und zur Prostitution genötigt worden sei. Die Zeugin meinte jedoch, sie habe die 23-Jährige nur ein Mal gesehen - in einem Flüchtlingslager in Österreich. Der Prozess wurde erneut vertagt.

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