Chronik

Salzburg: Rikscha statt Rollator für Senioren

Zwei Studenten gründeten in der Stadt Salzburg ein Rikscha-Unternehmen. Und radelten gratis mit Bewohnern von Seniorenheimen.

"Ich fühlte mich wie im siebten Himmel", strahlt Edeltraud Thann. Gerade erst kam sie von einer Rikscha-Fahrt zurück. Die Seniorin Maria Kofler ergänzt: "Alleine ist man oft nicht mehr so mobil, deshalb war es einfach wunderschön, zusammen mit den jungen Männern raus zu kommen."

Matthias Ludwig ist einer dieser jungen Männer. Er ist Schüler der Landwirtschaftlichen Schule Kleßheim und fährt in den Ferien Rikscha: "Es war total nett heute mit den Senioren. Die Wege, die wir gefahren sind, kannten viele noch von früher. Da haben sie gleich von ihrer Jugend zu erzählen begonnen."

Das bestätigt Henri Bachmann: "Bei einer Ausfahrt sind wir an einer Volksschule vorbeigeradelt. Da hat sich eine Bewohnerin des Seniorenheims Nonntal plötzlich an ihren Schulweg erinnert und an die Kirche, in der sie getauft wurde." Sie erzählte auch, wie anders es hier früher ausgesehen habe. "Das war sehr rührend", sagt der Rikscha-Fahrer.

Die jungen Radfahrer seien für die betagten Bewohner ein Jungbrunnen, sagt Karin Krismer, Betreuungsleiterin des Seniorenwohnheims Hellbrunn: "Ich merke das auch bei unseren Zivildienern. Die sind jung und dynamisch. Genau das taugt unseren Bewohnern." Sie habe eine sehr positive Resonanz bekommen: "Alle Senioren waren restlos begeistert."

Ermöglicht haben die kostenlose Ausfahrt ins Grüne die Jungunternehmer Henri Bachmann und Nicolas Fuchs. Die beiden sind 20 Jahre alt - und gründeten vor vier Monaten das Unternehmen "Velloo", das Rikscha-Fahrten in der Stadt Salzburg anbietet. Durch sie konnten Bewohner der Seniorenwohnheime Hellbrunn, Nonntal und dem Tageshospiz Kleingmain eine kostenlose Rikscha-Fahrt unternehmen. Bachmann und Fuchs hegten schon länger die Idee, "Wohltätigkeitstage" durchzuführen: "Schlussendlich hat meine Mama vorgeschlagen, ältere Menschen in unseren Rikschas mitzunehmen", sagt Henri Bachmann.

Den Wohltätigkeitstag möchten die Unternehmer in Zukunft regelmäßig durchführen. Das nächste Mal sollen aber nicht Senioren, sondern andere Bevölkerungsgruppen in den Genuss einer kostenlosen Rikscha-Fahrt kommen. Konkrete Ideen gebe es schon, sagt Bachmann - er behält sie aber noch lieber für sich.

So ganz uneigennützig war die Rikscha-Fahrt diese Woche nicht: "Natürlich ist unser Ziel, dass uns die Seniorenwohnheime auch in Zukunft buchen. Es ist eine abwechslungsreiche Möglichkeit, um Ausflüge durchzuführen. Vor allem, weil viele ältere Personen nicht mehr die Möglichkeit haben, Ausflüge ins Grüne zu machen", sagt Bachmann.

Warum zwei 20-Jährige ein Rikscha-Unternehmen gründen? "Ich habe bereits zuvor als Rikscha-Fahrer gearbeitet. Das hat mir so getaugt. Ich wusste, dass ich damit etwas machen will", sagt Henri Bachmann. Aus "Etwas" wurde eine Firma mit 14 Mitarbeitern, aus dem Studenten ein findiger Unternehmer. Das Geschäft betreibt er weiterhin neben dem Studium. Ähnlich halten es seine Angestellten: Sie radeln neben Schule oder Universität.

Die Idee, älteren und weniger mobilen Menschen eine Rikscha-Fahrt zu ermöglichen, ist nicht neu: In Kopenhagen gibt es die Initiative namens "Radeln ohne Alter". Seniorenheimen werden dabei Rikschas zur Verfügung gestellt, mit denen Freiwillige ausfahren. In über 30 Ländern ist die Initiative "Radeln ohne Alter" bereits zu finden - von Asien, Nord- und Südamerika bis hin zu Australien und Neuseeland. Die Wirkung auf die Senioren sei immens: Demente Personen wären nach den Fahrten weniger aggressiv, die Stimmung generell aufgehellt. Die strahlenden Gesichter der Salzburger Senioren (siehe Bild oben) bestätigen dies.

Quelle: SN

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