Chronik

Salzburg Süd: Konflikt zwischen Nachbarn eskaliert

Junge Mutter fühlt sich von älterem Mitbewohner drangsaliert - Zwölf Nachbarinnen haben für sie und gegen den "Aggressor" unterschrieben. Das sagt die Gswb dazu.

Kinderlärm gilt vor dem Gesetz nicht als Lärm – „Gott sei Dank“, sagt eine Mediatorin.  SN/Picture-Factory - stock.adobe.com
Kinderlärm gilt vor dem Gesetz nicht als Lärm – „Gott sei Dank“, sagt eine Mediatorin.

Zwölf Namen stehen auf der Liste. Zwölf Nachbarn, die sich mit ihrer Mitbewohnerin Elisabeth A. (Name d. Red. bekannt) solidarisiert haben. Die fühlt sich von einem Pensionisten in derselben Gswb-Wohnanlage terrorisiert. "Ihm ist mein zweijähriges Kind zu laut, das - geht es nach ihm - nicht einmal durch die Wohnung laufen dürfte", sagt A. Der Mann würde sie nicht nur mit Worten bedrängen, sondern zeitweise auch handgreiflich werden. Sie haste jedes Mal durchs Stiegenhaus, um ihm nur ja nicht zu begegnen, ihr Mann habe vorgeschlagen auszuziehen, schildert die junge Frau ihr Problem.

Doch so weit wollen es die Nachbarsfrauen nicht kommen lassen: Sie stellen sich vorbehaltlos auf die Seite der jungen Mutter, sehen in dem Mann den Aggressor mit "Frauen-Problem". Der Betroffene wäre zu keinem vernünftigen Gespräch bereit, auch andere hätten ihre Schwierigkeiten mit ihm, heißt es seitens der Damen. Bei einem Lokalaugenschein vergangene Woche in der Siedlung trafen ihn die Stadt Nachrichten nicht an.

Die Wohnbaugesellschaft Gswb weiß von dem Fall. Der Mann habe Beschwerde eingelegt über "lautes Verhalten", die Frau wurde darauf hingewiesen, sich an die Hausordnung zu halten. Sie stellte klar, dass es vordergründig um das Kind gehe. Das nahm man seitens der Gswb zur Kenntnis - ohne die Sache weiter zu verfolgen oder den ursächlichen Beschwerdeführer noch einmal anzuschreiben.

Die Stadt Nachrichten kontaktierten Johann Steckenbauer, Bereichsleiter Hausverwaltung bei der Gswb. "Bevor die Sache eskaliert" will er nun die beiden Parteien an einen Tisch bringen, um in einem persönlichen Gespräch Verständnis zu zeigen und einzufordern. Für ihn gehöre das zum Tagesgeschäft, sagt er. In den allermeisten Nachbarschaftskonflikten gehe es um Parkplätze oder Kinderlärm, erklärt Steckenbauer. Eine alternative Wohnung anzubieten, sei immer das allerletzte Mittel.

Vom Jugendamt erhält Elisabeth A. Unterstützung bei der Erziehung ihres Kindes. Versuche der Betreuerin, in dem Nachbarschaftskonflikt zu vermitteln, scheiterten. Beim Gewaltschutzzentrum habe man ihr geraten, die Polizei zu verständigen, erzählt A. Auch die war schon vor Ort, "aber tätliche Übergriffe sind schwer zu beweisen".

Sabine Rabl, seit 20 Jahren Mediatorin, stellt klar, dass Kinderlärm vor dem Gesetz nicht als Lärm gilt, Nachsatz: "Gott sei Dank." Sie vertritt den "unerschütterlichen Glauben", dass Mediation immer nütze. Die Situation könne sich bereits verändern, wenn nur eine der Streitparteien zur Beratung gehe: "Ich empfehle dann, selbst den ersten Schritt zu tun."

Rund 50 Streitfälle werden über das "Netzwerk Nachbar" jährlich bekannt. Ihm gehören die Stadt Salzburg, Wohnbaugenossenschaften, Hausverwaltungen, Polizei und Mediatoren an. Jeden zweiten Mittwochnachmittag finden für Betroffene Erstgespräche im Schloss Mirabell statt.

Tendenziell steigt die Zahl der Konflikte. "In älteren Häusern fehlt eine adäquate Dämmung, die Leute leben auf engem Raum, die Immobilien sind teuer", sagt Rabl. Das Hauptproblem für sie und Ursula Sargant-Riener, Koordinatorin der Bewohnerservicestellen: Die Leute reden immer weniger miteinander. Bei Lappalien werden sofort Hausverwaltung oder Polizei hinzugezogen.

Deshalb will die Stadt künftig auf die Einbegleitung neuer Nachbarn mehr Augenmerk legen. "Die Idee ist, dass neue Nachbarn einfach einmal anklopfen und sich vorstellen", sagt Sargant-Riener, die in Salzburgs Wohnblöcken mittlerweile 37 Menschen zu so genannten Vertrauensnachbarn ausgebildet hat. Mache man sich bereits beim Einzug bekannt, ergebe sich für später eine völlig andere Basis. "Dann kann man auch Probleme besser ansprechen", sagt Sargant-Riener. Kommt dazu: Kennt man die Lebensumstände der Mitbewohner, erstickt das viele Konflikte im Keim.

                             

Aufgerufen am 13.12.2018 um 05:43 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/salzburg-sued-konflikt-zwischen-nachbarn-eskaliert-28907839

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