Chronik

Salzburg: Tochter tot in Badewanne - Mutter unter Mordverdacht

Die 42-Jährige versuchte danach, sich selbst das Leben zu nehmen, wählte im letzten Moment den Notruf und konnte so gerettet werden. Noch ist das Motiv für die Tat ungeklärt.

Die Polizei ermittelt. SN/APA (Archiv/Hochmuth)/GEORG HOCH
Die Polizei ermittelt.

Die alarmierten Rettungskräfte konnten am Mittwochabend noch in letzter Minute das Leben einer 42-jährigen Salzburgerin in deren Wohnung in Salzburg-Süd retten. Kurz zuvor hatte die Frau über Notruf Alarm geschlagen. Den Einsatzkräften dürfte sich ein schauriges Bild geboten haben: In der Badewanne lag die tote achtjährige Tochter der Frau. Die Mutter hatte offensichtlich noch versucht, sich selbst die Pulsadern aufzuschneiden.

"Durch das rasche Eingreifen der medizinischen Rettungskräfte wurde das Leben der Frau gerettet", bestätigte am Donnerstag Polizeisprecher Hans Wolfgruber gegenüber den SN. Die Mutter sei in ein Spital gebracht worden und werde dort polizeilich bewacht, da dringender Tatverdacht in Richtung Mord vorliege. Parallel soll das achtjährige Mädchen, das in der Badewanne liegend aufgefunden worden war, gerichtsmedizinisch obduziert werden, um die genaue Todesursache feststellen zu können. Zudem hat die Spurensicherung der Polizei die Wohnung der vermutlich alleinerziehenden Mutter auf weitere Spuren untersucht.

Bei all der Tragik dieses Falls, der Ähnlichkeiten mit zahlreichen anderen in der Vergangenheit hat, stellt sich immer wieder die Frage, warum eine Mutter ihr Kind tötet und sich dann selbst umbringt oder es zumindest versucht.

Die gerichtlich beeidete Sachverständige und Psychiaterin Adelheid Kastner, die in vielen Prozessen Gutachten erstellt hat, kann nur allgemeine Antworten geben: "In den meisten Fällen einer Kindstötung durch die Mutter liegt eine schwere psychische Erkrankung, vor allem eine depressive, vor. In einer solchen Situation kommt bei der Betroffenen ein Punkt, an dem der Glaube an ein Weiterleben geschwunden ist, keine Hoffnung besteht, mit dem Leben fertigzuwerden, es bewältigen zu können."

Nach Ansicht von Adelheid Kastner wird in diesen suizidalen Gedanken oft auch das kleinere Kind miteinbezogen. "Es entsteht die Vorstellung, dass dieses Kind nicht ohne mich überleben kann, und ich nehme es mit und sehe es als Erlösung." Das sei ein bekanntes psychoaltruistisches Verhalten, so die Psychiaterin.

Dass sich eine schwere depressive Erkrankung nicht von heute auf morgen bei einem Menschen entwickle, sei bekannt, so Adelheid Kastner. Klassische Symptome seien nachlassender Antrieb, Schlafstörungen, auch Schuldgefühle und Gedanken, dass alles im Leben nicht mehr bewältigbar sei. Hier könnte nach Ansicht der Psychiaterin das soziale Umfeld präventiv handeln, auch wenn viele Menschen meinten, persönliche Nachfragen könnten als indiskret empfunden werden.

"Das Risiko, dass man in einer solchen Situation zu viel fragt, ist geringer, als wenn man nichts tut und es gleichgültig beobachtet", ist die Psychiaterin überzeugt. Bei derart augenscheinlichen Wahrnehmungen könnten rechtzeitige Hilfsangebote, vor allem der Hinweis, dass eine Depression eine Erkrankung sei und medizinisch gut behandelt werden könne, möglicherweise Schlimmeres verhindern.

Hilfe in Krisensituationen

Wenn Sie selbst in einer Krisensituationen sind oder Angehörigen helfen möchten, gibt es eine Reihe von Anlaufstellen:

Die Telefonseelsorge erreichen Sie täglich von 0 bis 24 Uhr unter der Nummer 142.

Für Kinder und Jugendliche gibt es unter www.bittelebe.at eine spezielle Website. Rat auf Draht ist unter 147 telefonisch erreichbar.

Pro Mente Salzburg hilft Menschen und deren Angehörigen in akuten Not- und Krisensituationen täglich 0–24 Uhr.
Salzburg: 0662 / 43 33 51
Pongau: 06412 / 200 33
Pinzgau: 06542 / 72 600

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